Sinkende Umfragewerte AfD, ade?

Die SPD macht auf soziale Gerechtigkeit und die Union zeigt Härte gegen Ausländer - schon sinken die Werte der AfD. Jetzt wird sich zeigen, was das wahre Lebenselixier der Rechten ist.

AfD-Pullover in Mecklenburg-Vorpommern
DPA

AfD-Pullover in Mecklenburg-Vorpommern

Eine Kolumne von


Die AfD ist die erfolgreichste Partei, die Deutschland je hatte - jedenfalls, wenn es um die Geschwindigkeit des Wachstums geht. Die Partei wurde erst vor vier Jahren gegründet, sitzt jetzt schon in zehn Landesparlamenten und wären Anfang Januar Bundestagswahlen gewesen, hätte vermutlich jeder siebte Wahlberechtigte rechts gewählt. Wäre und hätte - denn seit ein paar Wochen geht es abwärts.

Die "Bild"-Zeitung sieht bei den Rechten schon "die Luft raus - AffffffffD". Ist die rechte Revolution in Deutschland schon vorüber, bevor sie so richtig begonnen hat?

Freuen wir uns lieber nicht zu früh.

Jede erfolgreiche politische Kraft nährt sich aus mehreren Quellen. Sie wird dann zu einem Sammelbecken verschiedener Strömungen. Die AfD gab von Anfang an vielen eine Heimat: enttäuschten Konservativen und Sozialdemokraten, angstvollen Abgehängten, heimatlosen Rechtsreaktionären, besserwisserischen Bürgersleuten, versprengten Liberalen, desorientierten Linken und Menschen, die sich schon ganz und gar von jeder Politik abgewendet hatten. Um in der Sprache passend zu bleiben: die AfD wurde zur deutschen Speerspitze der weltweiten rechten Revolution. Naht jetzt schon das Ende, da die Partei in den Umfragen nur noch bei zehn Prozent liegt?

Vielleicht hatte also Wolfgang Schäuble recht, als er die AfD vor drei Jahren mit den gescheiterten "Republikanern" verglich und sagte: "Sie haben sich schnell wieder erledigt." Die Rechten könnten zwar immer noch zur drittstärksten Kraft im Bundestag werden. Aber für Fantasien von der Umwälzung der Verhältnisse reicht das nicht mehr. Ohne solche Fantasien bleiben von einer revolutionären Bewegung rasch nur noch Erinnerungen an eine gloriose Zukunft.

Es gibt gute Gründe, an ein langsames Versickern der AfD zu glauben: Martin Schulz entdeckt für die SPD das Thema der sozialen Gerechtigkeit neu und stellt Teile der Agenda 2010 infrage. Damit rückt die SPD nach links. Enttäuschte Sozialdemokraten und linke Protestwähler können der AfD also mit gutem Gewissen wieder den Rücken kehren. Gleichzeitig betreibt die Koalition eine drastische Verschärfung des Rechts - von der Fußfessel bis zur Abschiebung bleibt kein rechtes Auge trocken. Nun will die CSU sogenannte Gefährder in bestimmten Fällen sogar ganz und gar unbefristet einsperren können. Was um alles in der Welt soll Frauke Petry da noch fordern?

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Der AfD wird also von allen möglichen Seiten das Wasser abgegraben.

Übrigens auch von einer unerwarteten: Der weltweit oberste Rechtspopulist, der amerikanische Präsident Donald Trump, setzt die AfD in eine unmögliche Konkurrenz. Wer ein Bedürfnis nach der wirklich harten Droge des Rechtspopulismus hat - der schamlosen, grenzenlosen, vollkommen wahnwitzigen Lüge - der kommt nirgends so zuverlässig auf seine Kosten wie bei Donald "FAKE NEWS" Trump. Obamas gefälschte Geburtsurkunde, Millionen illegaler Wähler, das Bowling Green Massaker, die unüberschaubaren Massen am Inauguration Day - die Lügen Trumps und seiner Leute sind gerade deshalb so wirksam, weil sie so fantastisch sind. Je größer die Lüge, desto eher wird man ihr glauben - das ist eine alte Wahrheit der schamlosen Propaganda. Mit Donald Trump kann in der AfD einfach niemand mithalten.

Also alles gut? Geht der rechte Kelch an uns vorüber? Vorsicht. Denn die neue Zeit, sie ist mit der AfD. In der "FAZ" nennt Justus Bender die AfD die "erste wirkliche Internetpartei der deutschen Geschichte". Das ist wichtig. Keine andere Partei kann das Wesen der Netzkommunikation besser nutzen als die AfD. Das Netz hat es der AfD ermöglicht, die Büchse der Pandora in der deutschen Politik zu öffnen. Was da ausströmt, lässt sich schwer wieder bändigen. Der politische Diskurs ist vergiftet. Über Ausländer, Muslime, Andersdenkende lassen sich Dinge sagen und schreiben, die vor Jahresfrist schwer vorstellbar gewesen wären. Darum gibt es eine Quelle, aus der die AfD ihre Kraft speist, die sich nicht so schnell abschneiden lässt: Und diese Quelle ist der Hass.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 322 Beiträge
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Seite 1
seb.mazur@googlemail.com 02.03.2017
1. wer glaubt denn,
das es die partei in 5 jahren noch gibt?
berlin1136 02.03.2017
2. Wunschdenken
Hier scheint mehr der Wunsch des Vaters der Gedanken -AfD sinkende Umfragewerte- zu sein. Wahl abwarten!
donrealo 02.03.2017
3. Ich liebe plakative Schlagworte mit Fragezeichen dahinter
in den Überschriften. Da kann man so herrlich Meinungen gestalten ohne gelogen haben zu müssen. Subtile Manipulation die wirkt.
versöhnung 02.03.2017
4. Die
silent majority wird auch hier eine Stimme bekommen.
kritischer-spiegelleser 02.03.2017
5. Wohlzu früh gefreut
Das Hauptthema der Wahl bleibt die Flüchtlingspolitik. Das Problem mit den zu vielen und unberechtigten Flüchtlingen. Und da sehen weder CDU noch SPD gut aus. Also bleibt weiterhin nur die AfD.
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