Unruhe in Bundestagsfraktion AfD-Chef Gauland setzt ein Zeichen gegen Weidel

AfD-Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland hat Gerüchte dementiert, er wolle sich zurückziehen. Nun verkündet er seine Bereitschaft , erneut für den Bundestag zu kandidieren - ein Signal auch an die Anhänger von Alice Weidel.

AfD-Politiker Weidel, Gauland und Baumann im Bundestag
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AfD-Politiker Weidel, Gauland und Baumann im Bundestag

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Die Meldung der "Bild" klang zunächst unspektakulär. AfD-Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland habe Spekulationen beendet, er würde wegen seines hohen Alters und der damit verbundenen Einschränkungen vorzeitig ausscheiden. "In der aktuellen Situation muss ich an Bord bleiben", sagte der 77-Jährige dem Blatt.

Gauland, so berichtete die "Bild", habe zuletzt in mehreren internen Runden angekündigt, er wolle sich in eineinhalb Jahren erneut zum Fraktionsvorsitzenden wählen lassen. Darüber hinaus solle Gauland die Absicht geäußert haben, sich bei der Bundestagswahl 2021 erneut für ein Mandat zu bewerben. Bislang hatte Gauland stets erklärt, dass er in Anbetracht seines Alters nur für eine Legislaturperiode im Bundestag zur Verfügung steht.

Machtkampf zwischen Weidel und Baumann?

Der Hintergrund für Gaulands ungewöhnliche Ankündigung ist auch die anhaltende Unruhe in der AfD-Bundestagsfraktion, wie der SPIEGEL aus gut informierten AfD-Kreisen erfuhr. Seit Längerem gärt es zwischen Gaulands Co-Fraktionschefin Alice Weidel und dem ersten Fraktionsgeschäftsführer Bernd Baumann. Der frühere Burda-Manager gilt als Vertrauensmann von Gauland und wurde von ihm einst persönlich für diesen Posten angefragt. Intern hatte es zuletzt in der AfD geheißen, sollte Gauland abtreten oder aus gesundheitlichen Gründen ausfallen, könnte das gesamte Gefüge der Fraktion ins Rutschen kommen - und damit auch Baumanns Posten gefährdet sein. Ihm sollen Weidel und ihre Getreuen seit geraumer Zeit vorhalten, beim Aufbau der Fraktion zu versagen, heißt es.

Weidel wird intern nachgesagt, zielgerichtet am Ausbau ihrer Machtbasis in der Fraktion zu arbeiten. Gauland hingegen kümmere sich bislang wenig um Personal- und Organisationsfragen, widme sich vielmehr den großen politischen Linien. Das Statement von Gauland, sich trotz seines hohen Alters auch 2021 wieder für den Bundestag zu bewerben zu wollen (er wäre dann 80 Jahre alt), soll offenbar ein Zeichen an eine unruhige Fraktion sein - und damit indirekt auch die Ambitionen Weidels einhegen.

So hatte Weidel kürzlich im "Focus" bekannt gegeben, ab April in der Bundestagsfraktion einen eigenen "Newsroom" einrichten zu lassen - samt einem TV-Studio. Neben der klassischen Pressestelle sollen dort rund 20 weitere Mitarbeiter für die Kommunikation zuständig sein und selbstständig auch eigene Nachrichten erarbeiten und versenden. "Solange die AfD von vielen Medien ignoriert oder mit Fake News gezielt schlechtgemacht wird, kann es nur diesen Weg geben", sagte Weidel. Die Ankündigung ist aber in der AfD umstritten.

Bislang bleibt der AfD-Newsroom - eine Art rechtes Medienportal im Stile der österreichischen FPÖ mit ihrem Internetsender FPÖ-TV - ein Plan. Ob er sich in dem Umfang, den Weidel vorschwebt, realisieren lässt, scheint offen. Der Vorstand der AfD-Bundestagsfraktion hatte zuletzt Schwierigkeiten, überhaupt ausreichend qualifiziertes Personal für sonstige Mitarbeiterposten zu finden und einzustellen.

Den Plan eines "Newsroom" scheint die Co-Fraktionschefin indes weiter vorantreiben zu wollen. Diese Woche traf sich Weidel am Rande einer Veranstaltung der rechtskonservativen "Weltwoche" in Zürich mit Stephen Bannon, dem früheren Chefstrategen von US-Präsident Donald Trump und einstigem Betreiber der rechten US-Onlineplattform "Breitbart". Weidel ließ gegenüber dpa aus ihrem Büro verlauten, für sie seien besonders Bannons Erfahrungen mit politischer Kommunikation und alternativen Medien interessant gewesen.

Mit Material von dpa

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angst+money 08.03.2018
1.
Ha ha. Und das auch noch am Weltfrauentag. Botschaft an die Hardcore-Wähler? :D
ahloui 08.03.2018
2. Mir zeigen diese
ganzen Querelen und Machtkämpfe nur eines: Von demokratischen Wertvorstellungen ist dieser Sauladen weit entfernt. "ich bin der Führer!" "Nein, ich!!!" :-)
RudiLeuchtenbrink 08.03.2018
3. verstehe ich nicht,
bei anderen Parteien nennt man dies innerparteiliche Meinungsfindung. Bei der AfD heisst es aber Machtprobe mit ungewissem Ausgang.
franxinatra 08.03.2018
4. Und die Petry-sierung beginnt
war ja nur eine Frage der Zeit...
morgenroth 08.03.2018
5. "Alternative"
für Deutschland? Wohl eher nicht.
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