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Geschasster "Welt"-Redakteur: AfD-Vize Gauland bedauert Günther Lachmann

Alexander Gauland: Hat laut Lachmann "den Blick fürs Ganze" Zur Großansicht
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Alexander Gauland: Hat laut Lachmann "den Blick fürs Ganze"

"Die Welt" hat ihrem Redakteur Günther Lachmann gekündigt, weil der sich der AfD als Berater angedient hatte. Öffentlich gemacht hatte das AfD-Politiker Marcus Pretzell. Dafür rügt ihn nun AfD-Vizechef Gauland.

Der Fall des geschassten "Welt"-Journalisten Günther Lachmann bleibt ein Streitthema in der Führung der AfD. "Welt"-Chefredakteur und -Herausgeber Stefan Aust hatte gestern Lachmanns Entlassung angekündigt, weil der sich der AfD als Berater angedient hatte, während er gleichzeitig über die Partei berichtete. Aust sagte SPIEGEL ONLINE zu dem Fall: "Solange wir Mitarbeitern kein unredliches Verhalten nachweisen können, stehen wir hinter ihnen, wenn es andere Informationen gibt, trennen wir uns von ihnen."

Öffentlich gemacht hatte die Avancen des Journalisten Marcus Pretzell, Lebensgefährte von AfD-Chefin Frauke Petry und Landesvorsitzender der AfD Nordrhein-Westfalen. Pretzell kommentierte auf Twitter die angekündigte Entlassung Lachmanns durch Aust mit einem kurzen Eintrag: "Schnelle und richtige Entscheidung."

Einen Journalisten "beruflich vernichtet"

AfD-Vizechef Alexander Gauland kritisierte das Vorgehen Pretzells in der Sache Lachmann. Petrys Lebensgefährte habe über "vertrauliche Gespräche" in der Öffentlichkeit gesprochen und einen Journalisten damit "beruflich vernichtet", sagte Gauland der dpa.

Jörg Meuthen, gemeinsam mit Petry Co-Parteichef der AfD, und Gauland selbst hätten dies missbilligt: "Das entspricht nicht unserer Politik." Gauland betonte zugleich, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Pretzell und Lachmann handele: "Das geht die AfD nichts an."

Das AfD-Präsidiumsmitglied Pretzell: Journalisten "beruflich vernichtet"? Zur Großansicht
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Das AfD-Präsidiumsmitglied Pretzell: Journalisten "beruflich vernichtet"?

In einem Facebook-Posting hatte Pretzell erklärt, Lachmann habe von der AfD 4000 Euro pro Monat für seine Beratungsdienste verlangt. "Herr Lachmann wollte zwar die AfD und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei 'Die Welt' nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD", so Pretzell.

Pretzell hatte sich mit der Enthüllung viel Zeit gelassen, stattgefunden haben sollen die Avancen bereits im vergangenen Sommer. Weil sie abgelehnt wurden, habe Lachmann begonnen, in der "Welt" kritischer über die Partei zu berichten, so Pretzell. Er warf dem Journalisten "herabwürdigende Bemerkungen" über Frauke Petry vor.

Höchst wohlwollende Texte über Gauland und Meuthen

E-Mails an Pretzell und dessen Pressesprecherin belegten offenbar zumindest den Vorwurf, dass Lachmann diverse Male seine Dienste angeboten und sogar ein "Manifest" skizziert hatte, aus dem die AfD "ihr Programm ableiten" könne. Diese E-Mails und die Tatsache, dass Lachmann gegenüber der "Welt"-Chefredaktion ihre Echtheit einräumen musste, kosteten ihn nun offenbar seinen Job. Zunächst hatte Lachmann die Vorwürfe bestritten und Aust zufolge sogar eine entsprechende eidesstattliche Erklärung abgegeben. Unstrittig ist, dass Lachmann mit seinen Angeboten Richtung AfD gegen Grundsätze journalistischen Handelns verstoßen hat.

Am Samstag habe der Redakteur dann die Echtheit mehrerer Mails an die AfD bestätigt, so Aust. "Aus den Mails geht klar hervor, dass Lachmann der AfD eine Art Konzeptvorschlag für eine Neuausrichtung der Partei geschrieben hat", sagte Aust. Das sei mit einer journalistischen Tätigkeit für die "Welt" nicht zu vereinbaren. Die Mails von Lachmann an die AfD hatte auszugsweise die rechte Wochenzeitung "Junge Freiheit" am Samstag in ihrer Online-Ausgabe veröffentlicht.

Lachmann hatte regelmäßig über die AfD geschrieben, erst Ende Dezember beispielsweise über Jörg Meuthen. Der Journalist widmete ihm ein wohlwollendes Porträt, in dem Meuthen als Wirtschaftsprofessor vorgestellt wird, der aus "sogenannten kleinen Verhältnissen" stamme, "präzise Sätze" formulieren könne, dem aber Pathos gänzlich abgehe. Lachmann attestierte Meuthen "Verantwortungsgefühl" und "Augenmaß", einzig "Feuer" gehe ihm ab.

Über Alexander Gauland schrieb Lachmann eine Woche vorher, er formuliere "mit großer Trennschärfe" und "dem Blick fürs Ganze". Er sei "keiner der nachtritt", sondern schaue "lieber nach vorn", es gebe "einen wie ihn kein zweites Mal in der AfD". Gauland selbst durfte in dem Artikel absatzweise seine Positionen etwa zur Zukunft Europas darlegen.

Solche Texte über die AfD wird Günther Lachmann als Journalist vorerst wohl nicht mehr veröffentlichen.

cis/sev/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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1. Feinde schaffen
Liberalitärer 14.02.2016
Ist wohl klar, dass wenn Herr Pretzell noch keinen Privatintimus hatte, nun ganz gewiss einen solchen hat, noch dazu jemand mit Insiderwissen - das ist höchst pikant. Noch dazu ekelt er gerade die AfD aus der Fraktion. Nee, so wird das nichts.
2.
ztsp 14.02.2016
Gauland betonte zugleich, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Pretzell und Lachmann handele: "Das geht die AfD nichts an." ------------------------------------------------------------------ Hätte er gerne, der Herr Gauland, aber so einfach ist es nun doch nicht. Schließlich hat Lachmann ja auch keine Home-Storys über Gauland und Meuthen geschrieben, sondern wohlwollend über ihr Wirken in der AfD und zur gleichen Zeit äußerte er sich sehr kritisch über Frau Petry. Es geht also um's Eingemachte in der AfD, um den Kampf um die Führung der Partei und offensichtlich war Lachmann da nützlich für Gauland & Friends...
3. Wer sich mit Hunden...
spon-facebook-1588682495 14.02.2016
... schlafen legt, braucht sich nicht wundern, dass er mit Flöhen aufwacht. Ich habe mit Herrn Lachmann kein Mitleid.
4. geschasst?
doofbacke 14.02.2016
Lachmann ist also von der AfD geschasst worden? Er ist also Opfer, weil er positive Berichte gegen Bares angeboten hat und es herauskam? Seltsame Denkweise.
5. .im Westen ..nichts neues.
kobmicha 14.02.2016
Und wie weit ist nun die Pegida Parole ; Lügenpresse ,von der Wirklichkeit entfernt? Eine eidesstattliche Erklärung abgeben und dann von den Beweisen erdrückt werden..So sieht der Journalist in den Augen der Bürger heute aus. Ganz abgesehen von der positiven Berichterstattung für die Regierunsparteien. Als vorauseilender Gehorsam. Aber diese Sache ist nur die Spitze des Eisberges. Ich bin davon überzeugt
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