AfD-Fraktionschef Gauland beschäftigt offenbar weiteren Neonazi

Bei immer mehr Mitarbeitern von AfD-Abgeordneten wird ein rechtsradikaler Hintergrund öffentlich. Fraktionschef Alexander Gauland hat laut einem Bericht gleich mehrere Extremisten eingestellt.

Alexander Gauland
RONALD WITTEK/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Alexander Gauland


Von der Vergangenheit eines früheren Mitarbeiters bei der verbotenen, rechtsextremen "Heimattreuen Jugend Deutschlands" (HDJ) will Alexander Gauland nichts gewusst haben. Doch der AfD-Fraktionschef im Bundestag hat einem Bericht von "Zeit Online" zufolge noch einen weiteren Neonazi in seinem Bundestagsbüro beschäftigt.

Dabei handle es sich um den jungen Brandenburger Martin M., der in der Berliner Neonaziszene aktiv gewesen sein soll. Später habe er als Praktikant in der brandenburgischen AfD-Landtagsfraktion gearbeitet, der Gauland damals vorstand, berichtet das Medium unter Berufung auf Dokumente und Zeugenaussagen. Mitstreitern aus der Fraktion sei er da bereits mit extrem rechten Ansichten aufgefallen.

Im Frühjahr 2016 wurde demnach ein Martin M. von den Veranstaltern eines Neonazikonzerts in Thüringen als einer der Ordner angemeldet. M. bestritt laut dem Bericht aber, beim "Rock für Identität" gewesen zu sein: "Ich war weder als Ordner noch als Gast bei einem Rechtsrockkonzert in Hildburghausen zugegen."

Ex-Neonazi aus Gaulands Büro soll Beamtenlaufbahn eingeschlagen haben

Insgesamt haben AfD-Bundestagsabgeordnete und die AfD-Fraktion laut "Zeit Online" mindestens 27 Mitarbeiter eingestellt, die einen eindeutig rechtsradikalen bis rechtsextremen Hintergrund haben. Ein Mitarbeiter sei so auffällig gewesen sein, dass die Bundestagspolizei ihn als Sicherheitsrisiko eingestuft und ihm einen Hausausweis verweigert haben soll - und damit den Zutritt zum Bundestag.

Unter den insgesamt 297 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von AfD-Abgeordneten und der AfD-Fraktion fanden beziehungsweise finden sich laut dem Bericht Anhänger der NPD und der HDJ, Aktivisten der Identitären Bewegung und der rechtsradikalen Gruppe "Ein Prozent". Extrem rechte Burschenschafter und neurechte Ideologen sollen auch darunter sein. 18 AfD-Abgeordnete beschäftigen demnach Mitarbeiter aus diesem Milieu.

AfD- Fraktionssprecher Christian Lüth teilte dem SPIEGEL mit, es werde vorerst keine Stellungnahme der Fraktionsspitze zu dem Bericht geben.

Am Montag hatte der "Tagesspiegel" berichtet, dass Gauland einen Mitarbeiter namens Felix W. beschäftigt hatte, der als Jugendlicher in der verbotenen HDJ aktiv war. W. war seit 2015 verkehrs- und europapolitischer Referent in der Brandenburger AfD-Fraktion, die Gauland bis zum Einzug der AfD in den Bundestag geleitet hatte. Seit Januar arbeitet er nicht mehr in Gaulands Büro.

Nach Informationen von "Zeit Online" hat sich W. auf eine Beamtenlaufbahn in Sachsen-Anhalt beworben und arbeitet dort im Landesamt für Verbraucherschutz. Das Landesamt prüfe den Fall, eine Entlassung W.s sei nicht ausgeschlossen.

apr/sev



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