Hitler-Attentäter Stauffenberg beschimpft AfD-Spitze fordert Rauswurf von Parteimitglied

Ein niedersächsischer AfD-Politiker hatte Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg "Verräter" und "Feigling" genannt. Jetzt reagiert Parteichef Gauland: Der Mann solle ausgeschlossen werden.

Alexander Gauland, Jörg Meuthen
REUTERS

Alexander Gauland, Jörg Meuthen


Öffentlich ist der Text nicht einsehbar, doch es gibt Screenshots von dem Facebook-Eintrag: Lars Steinke, niedersächsischer Landeschef der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA), hat sich darin über Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgelassen. "Stauffenberg war ein Verräter", schrieb er. Der gescheiterte Anschlag auf den Diktator sei "der beschämende Versuch eines Feiglings" gewesen, "die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten".

Gegenüber der "Welt" und der Nachrichtenagentur dpa bestätigte Steinke den Beitrag. Die Parteispitze reagiert mit harscher Kritik. AfD-Chef Alexander Gauland fordert gar Steinkes Rauswurf. "Steinke hat sich für die AfD disqualifiziert. Er sollte ausgeschlossen werden", sagte er.

"Solche Äußerungen sind ein bodenloser Schwachsinn. Stauffenberg ist ein Held der deutschen Geschichte", erklärte Gauland. Co-Parteichef Jörg Meuthen nannte die Aussagen Steinkes "komplett inakzeptabel". Sie offenbarten "ein absurdes Geschichtsverständnis und haben in der AfD absolut nichts zu suchen", sagte Meuthen. Der Bundesvorstand werde sich zu Beginn der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.

Am 20. Juli 1944 hatten Offiziere um Oberst Stauffenberg versucht, mit einem Attentat auf Hitler die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zu beenden. Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs wurden Stauffenberg und einige seiner Mitverschwörer noch in derselben Nacht hingerichtet.

"Widerspricht Wertvorstellungen"

Die niedersächsische AfD äußerte "Befremden" über Steinke: "Der Landesvorstand stellt hierzu klar, dass diese Meinung in all ihrer Absurdität weder die Meinung des Landesvorstandes der AfD-Niedersachsen widerspiegelt, noch die der AfD insgesamt". Auch der JA-Bundesvorstand distanzierte sich. "Der Text Lars Steinkes widerspricht eklatant den Wertvorstellungen der Jungen Alternative für Deutschland", teilte JA-Bundeschef Damian Lohr mit. Der JA-Vorstand werde mit dem AfD-Vorstand über Konsequenzen beraten.

AfD-Politiker sorgten in der Vergangenheit immer wieder mit Äußerungen zum Nationalsozialismus für Empörung. AfD-Chef Gauland selbst bezeichnete im Juni auf einer Veranstaltung der Junge Alternative die Nazi-Diktatur als "Vogelschiss" der deutschen Geschichte. Im vergangenen Jahr forderte er auf einem Treffen der AfD-Rechtsaußen-Gruppe "Der Flügel" das Recht, wieder "stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".

Im Fall von Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke gab es wegen umstrittener Äußerungen zum Nationalsozialismus auch schonmal ein Parteiausschlussverfahren, das jedoch scheiterte. Höcke hatte in einer Rede im Januar 2017 in Dresden offenbar in Anspielung auf das Holocaustmahnmal in Berlin von einem "Denkmal der Schande" gesprochen.

Zudem hatte er die "dämliche Bewältigungspolitik" in Deutschland kritisiert und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert. Im Mai lehnte das Erfurter Landesschiedsgericht den Antrag des Bundesvorstands auf einen Ausschluss Höckes aus der AfD ab.

kev/AFP/dpa



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