Machtkampf in der AfD Gauland sieht Höcke im Spitzenteam für Bundestag

Im Machtkampf gegen AfD-Chefin Petry legt Vize Gauland noch einmal nach: Der rechtsnationale Höcke vertrete "einen großen Teil der Partei" - und soll deshalb ins Spitzenteam für die Bundestagswahl.

Gauland und Höcke
DPA

Gauland und Höcke


Mindestens drei "Führungspersonen der AfD" sollen die rechtspopulistische Partei im kommenden Jahr in den Bundestag bringen. So hat es vor einer Woche der Bundesvorstand in Berlin beschlossen. Geht es nach Parteivize Alexander Gauland, wird der rechtsnationale Thüringer Landes- und Fraktionschef Björn Höcke Teil dieses Spitzenteams.

"Dass Björn Höcke zu diesem Team gehört, kann ich mir sehr gut vorstellen, denn er vertritt einen großen Teil der Partei", sagte Gauland der Nachrichtenagentur dpa. Ihm gehe es darum, ein "möglichst breites Spektrum der Strömungen, die in unserer Partei vorhanden sind, abzubilden", hatte der AfD-Vize bereits vor einer Woche gesagt.

Die Teamlösung ist eine Idee Gaulands - und ein Angriff auf die Parteivorsitzende Frauke Petry. Die Entscheidung schwächt ihre Position in der Partei: Die umstrittene Chefin kann - wenn sie denn antritt - nicht als alleinige Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf ziehen, sondern müsste sich mit weiteren Teammitgliedern arrangieren. Manche in der Partei glauben, die Teamlösung ziele nicht nur darauf ab, Petry einzurahmen.

Gauland hatte bereits durchblicken lassen, dass er selbst gerne diesem Team angehören würde. Auf die Frage, ob er mit Petry schon über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen habe, antwortete er: "Nein, wir haben darüber unter vier Augen nicht gesprochen."

Gauland und Höcke verbindet vor allem eines: eine gemeinsame Abneigung gegen Marcus Pretzell und dessen Lebensgefährtin, AfD-Chefin Frauke Petry. Zuletzt hatten die beiden Männer die offene Konfrontation mit Petry und deren Lebensgefährten Pretzell gesucht. Anlass war vordergründig ein Streit um einen Landesverband.

Mit welchem Team die AfD in den Bundestagswahlkampf ziehen wird, soll sich im April entscheiden. Dann wird auf dem Bundesparteitag in Köln die Mannschaft gewählt. Bislang hat Petry öffentlich keinen Anspruch auf eine Spitzenkandidatur erhoben. Doch aus Sicht ihrer Kontrahenten setzte sie unter anderem mit einem gemeinsamen Fotoshooting mit dem österreichischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache subtile Signale in diese Richtung.

brk/dpa



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