Fremdenfeindlichkeit AfD-Vize Gauland provoziert mit neuer Zuwanderungsaussage

AfD-Vize Alexander Gauland fällt erneut mit ausländerfeindlichen Parolen auf. In einem Interview fordert er ein Ende der Zuwanderung aus dem Nahen Osten. Vorstandsprecher Bernd Lucke und Frauke Petry gehen auf Distanz.

Alexander Gauland: "Es gibt kulturelle Traditionen, die es sehr schwer haben, sich hier zu integrieren."
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Alexander Gauland: "Es gibt kulturelle Traditionen, die es sehr schwer haben, sich hier zu integrieren."


Berlin - Alexander Gauland fischt weiter nach Zustimmung im Lager der Pegida-Anhänger. Der Vizevorsitzende der AfD forderte jetzt einen Stopp der Zuwanderung aus dem Nahen Osten. "Wir sollten eine Einwanderung von Menschen, die unserer kulturellen Tradition völlig fremd sind, nicht weiter fördern, ja, wir sollten sie verhindern", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel".

Auf die Frage, welchen Muslimen er den Zuzug verweigern wolle, antwortete Gauland: "Es gibt kulturelle Traditionen, die es sehr schwer haben, sich hier zu integrieren. Von dieser kulturellen Tradition möchte ich keine weitere Zuwanderung." Und wo er diese verortet, lieferte er gleich mit: "Diese kulturelle Tradition ist im Nahen Osten zu Hause." In Deutschland dürften sich keine weiteren Parallelgesellschaften entwickeln, "mit denen wir am Ende nicht fertig werden".

Gauland, der auch Partei- und Fraktionschef in Brandenburg ist, gehört dem nationalkonservativen Flügel der Alternative für Deutschland (AfD) an.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Gauland kritisch über Muslime geäußert. Eine Integration "des Islam" in die deutsche Gesellschaft sei derzeit kaum denkbar, sagte Gauland dem "Focus". "Ehe ich sagen kann 'Der Islam gehört zu Deutschland', werden noch 200 Jahre vergehen." Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diesen Satz, den Ex-Bundespräsident Christian Wulff 2010 geprägt hatte, kürzlich wiederholt und damit eine hitzige Debatte in der Union ausgelöst.

AfD-Politiker Lucke und Petry auf Distanz zu Gauland-Äußerungen

In der AfD bemühte man sich, die Äußerungen Gaulands, die dieser am Dienstag bei einem Besuch der Redaktion des "Tagesspiegel" in Berlin gemacht hatte, zu erklären. "Gauland ist so zu verstehen, dass es Kulturen mit bestimmten Traditionen vornehmlich im Nahen Osten gibt, die in Deutschland kaum integrierbar sind. Für Menschen aus diesem bestimmten Teil solcher Kulturkreise sollte man keine weitere Einwanderung fördern. Er stellt also nicht auf 'Muslime' im Allgemeinen ab, sondern vielmehr auf bestimmte "kulturelle Traditionen" - Burka, Gewalt gegen Frauen, Folter -, die nicht zu unserer Gesellschaft passen", so ein Pressesprecher der Bundespartei zu SPIEGEL ONLINE.

Vorstandssprecher Bernd Lucke - der zusammen mit Frauke Petry und Konrad Adam die Partei führt - ging auf Distanz zu Gaulands Bemerkungen. "Die AfD setzt sich für ein Zuwanderungsrecht nach kanadischem Vorbild ein, das Einwanderung aus wirtschaftlichen, familiären oder humanitären Gründen ermöglicht. Das ist eine klare Beschlusslage und es gibt keine Absicht, diese zu ändern", so Lucke zu SPIEGEL ONLINE. Insbesondere die Zuwanderung von Wirtschaftsmigranten sollte auch im deutschen Zuwanderungsrecht von der Bildung, der Berufserfahrung und den Sprachkenntnissen der Zuwanderer abhängen. "Dies sind wichtige kulturelle Faktoren, die eine schnelle, erfolgreiche Integration der Zuwanderer begünstigen. Die AfD lehnt es entschieden ab, die Einwanderung aufgrund von Religion oder Herkunft der Zuwanderer zu regeln", so Lucke. Zudem sollte jeder Zuwanderer das Grundgesetz und vor allem die Grundrechte bejahen, so der AfD-Politiker.

Ähnlich äußerte sich Petry gegenüber SPIEGEL ONLINE: ""Die AfD fordert ein Zuwanderungsmodell nach kanadischem Vorbild. Da spielen vor allem Bildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse eine Rolle und sind gleichzeitig eine elementare Grundlage für erfolgreiche Integration in Deutschland. Religion und Herkunft spielen hierbei keine Rolle", sagte die sächsische Landes- und Fraktionvorsitzende der AfD. Sie fügte hinzu: "Jeder, der sich jedoch nicht zu unserem Grundgesetz bekennt, ist bei uns nicht willkommen."

Viele Deutsche für neues Einwanderungsgesetz

Die Diskussion für und wider Pegida lassen die Bundesbürger offenbar neu über das Thema Einwanderung nachdenken. Eine deutliche Mehrheit von 74 Prozent der Bundesbürger ist der Auffassung, dass die Zuwanderung nach Deutschland durch ein neues Gesetz geregelt werden sollte - darunter jeweils 76 Prozent der Anhänger von SPD und CDU/CSU. 23 Prozent halten das laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Stern" für nicht notwendig.

Allerdings ist unter den Befragten strittig, was ein neues Einwanderungsgesetz genau regeln sollte. 26 Prozent meinen, dass Deutschland mehr Zuwanderer als bisher aufnehmen soll. 27 Prozent votieren für weniger als bisher - von den Sympathisanten der AfD sind es sogar 69 Prozent. Dass in etwa so viele Einwanderer wie bisher hier eine neue Heimat finden sollen, geben 43 Prozent aller Befragten an.

32 Prozent sind der Ansicht, dass vor allem Menschen in Not Aufnahme finden sollen, 11 Prozent sprechen sich vor allem für Fachkräfte aus, die für die Wirtschaft nützlich sind. Eine Mehrheit von 55 Prozent will da keinen Unterschied machen.

Insgesamt empfinden die Bürger die Zuwanderung nach Deutschland deutlich häufiger als Bereicherung (47 Prozent) denn als Belastung (23 Prozent). Dass ausländische Einwanderer eine Belastung seien, meinen vergleichsweise häufig Befragte mit Hauptschulabschluss (42 Prozent), die Ostdeutschen (37 Prozent) und ganz besonders die AfD-Anhänger mit 61 Prozent.


Daten zur Umfrage Stichprobe: 1003 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger

Zeitraum: 22. und 23. Januar 2015

Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte

ler/sev/dpa



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insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
moulesfrites 28.01.2015
1. The last sentence
made my day! Ausnahmsweise: Danke SPON!
M. Michaelis 28.01.2015
2.
Solche Aussagen sind nicht notwendigerweise ausländerfeindlch. Viele klassische Einwanderungsländer legen Quoten für Herkunftsländer fest. Gäbe es bei uns eine solche Einwanderungsregulierung würden tatsächlich die Quoten aus dem Nahen Osten und der Türkei auf Null gesetzt werden. Zum einen weil diese Herkunftsländer bereits überrepräsentiert sind, zu anderen weil aus diesen Ländern bereits auf dem Asylwege eine Zuwanderung stattfindet. Da hat mit Ausländerfeindlichkeit überhaupt nichts zu tun sondern ist völlig vernünftig. Wer das nicht erkennen will spielt den wirklich ausländerfeindlichen Gruppen in die Hände.
muttis_liebling_13 28.01.2015
3. Ein Wolf im Schafspelz
Gauland gibt den ruhigen und biederen Spießbürger, aber dahinter verbirgt sich ein sehr gefährlicher Charakter.
darthmax 28.01.2015
4. Vermischung
immer wieder wird Immigation mit Asyl vermischt. Leider ergibt sich auch aus der Asylpolitik auch häufig eine Immigation, da nach 10 Jahren wir niemanden (mit Kindern ) dann noch in sein Heimatland zurückschicken können und wollen. Auch können wir von einem Asylanten nicht eine Anpassung an unsere Streitkultur verlangen, solange er ´´nur auf Zeit ´´ bei uns ist. Wenn er dann im Laufe der Jahrzehnte ein Teil unserer Gesellschaft wird, ist es dann häufig zu spät, Ihn von den Vorzügen zu überzeugen, da er in eine Parallelgesellschaft abgerutscht ist. Es ist keine neue Gesetzgebung erforderlich sondern eine zeitnahe Umsetzung der vorhandenen Gesetze.
jhk87 28.01.2015
5. Der Geist ist aus der Flasche
den bekommt auch der linke Spiegel nicht mehr rein. Gauland geht in die vernünftige Richtung. Neue Einwanderungsgesetze werden auch verhindern, dass unqualifizierte Zuwanderer nach DE kommen dürfen. Das wird von SPD+Grüne gerne verschwiegen, stattdessen fokussieren Sie sich auf "mehr Qualifizierte Zuwanderer". Lächerlich, blos keine linken Wähler vergraulen, das ist die politische Korrektheit gegen die PEGIDA demonstrieren.
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