Umfrage AfD-Anhänger vertrauen Seehofer mehr als Petry

AfD-Chefin Frauke Petry gerät in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck: Im Vorstand kriselt es - und auch bei den eigenen Anhängern mangelt es an Rückhalt.

Frauke Petry
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Frauke Petry


Frauke Petry hat es derzeit nicht leicht: Da wird die AfD-Chefin nach einem TV-Interview mit Spott überzogen, mit ihrem Pressesprecher überwirft sie sich, im Parteivorstand ist sie weitgehend isoliert. Und die Wähler der Rechtspopulisten? Nicht einmal die halten offenbar mehrheitlich zu der Politikerin. Nur 47 von 100 möglichen Vertrauenspunkten erhält Petry in einer Forsa-Umfrage im Auftrag von "Stern" und RTL - bei den eigenen Anhängern.

Stattdessen ist ein Mann bei den AfD-Sympathisanten offenbar deutlich beliebter, der allerdings ein anderes Parteibuch hat: CSU-Chef Horst Seehofer. Der bayerische Ministerpräsident ist zwar für seinen harten Kurs in der Flüchtlingspolitik bekannt, mit der AfD will er aber nichts zu tun haben. Ausgerechnet er schneidet klar besser ab (69 Punkte).

Bei der Forsa-Umfrage konnten die Teilnehmer Punkte von 0 (kein Vertrauen) bis 100 (sehr großes Vertrauen) vergeben. Daraus errechneten die Meinungsforscher dann den Mittelwert. Während parteiübergreifend bei allen Befragten SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier ganz vorn liegt (63), landet AfD-Chefin Petry im Gesamtergebnis bei mageren 19 Punkten.

AfD rutscht ab

Auch im Wahltrend sieht es für die AfD nicht gut aus. Im Vergleich zur Vorwoche verlieren die Rechtspopulisten drei Punkte und kommen nun auf zehn Prozent. Die Zustimmung für Kanzlerin Angela Merkel und die Union steigt. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, lägen CDU und CSU laut Umfrage bei 36 Prozent (+1). Auch die FDP legte einen Punkt zu und kommt nun auf sieben Prozent. Dagegen verharrte die SPD unverändert bei 20 Prozent, die Grünen bei 13 Prozent und die Linken bei acht Prozent.

Merkel erhöhte ihren Zustimmungswert als Kanzlerin um drei Punkte auf das neue Jahres-Hoch von 52 Prozent, während sich wie in der Vorwoche nur 13 Prozent der Befragten SPD-Chef Sigmar Gabriel als Kanzler wünschen.

"Weil sich nach den Anschlägen in Brüssel die Terrorgefahr erhöht hat, wenden sich die Bürger - wie auch schon nach den Pariser Attentaten - wieder stärker den staatstragenden Parteien zu", erklärte Forsa-Chef Manfred Güllner. Dass die AfD so deutlich abgerutscht sei, schrieb Güllner zum Teil der Einigung der Europäischen Union mit der Türkei in der Flüchtlingskrise zu.


Datenbasis: Die Forsa-Umfrage für den Wahltrend wurde zwischen dem 21. und 24. März durchgeführt. Befragt wurden 2005 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten. Für das Politiker-Ranking wurden 1002 repräsentativ ausgesuchte Bürger befragt.

kev/AFP/Reuters



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