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Streit in der AfD: Lucke-Flügel plant Umfrage über Gründung neuer Partei

Ex-AfD-Vorsitzender Lucke in Essen: Spalten er und seine Anhänger sich ab? Zur Großansicht
DPA

Ex-AfD-Vorsitzender Lucke in Essen: Spalten er und seine Anhänger sich ab?

Frauke Petry ist das neue Gesicht der AfD. Sie wirft ihrem Konkurrenten Bernd Lucke "Spaltungs-Signale" vor. Der will seine Anhänger nun über eine Partei-Neugründung abstimmen lassen.

"Unglaublich aufgeopfert" habe sich Bernd Lucke für die 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) - sagt Frauke Petry, die neue Parteichefin am Montag MDR Info. Es klingt versöhnlich. Doch dann betont Petry, ihr Kontrahent habe "die letzten Wochen und Monate Spaltungs-Signale gesetzt, die die Mitglieder natürlich nicht goutieren konnten". "Am Ende eines Streites gibt es entweder eine Versöhnung oder gegebenenfalls eine saubere Trennung, die Entscheidung liegt aber bei ihm", sagt die neue Vorsitzende.

Petry führt den national-konservativen Flügel der AfD an,sie setzte sich auf dem Parteitag in Essen deutlich gegen Lucke durch. Dieser wurde von Mitgliedern immer wieder ausgebuht. Lucke, der wichtigste Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels, warnte nach seiner Niederlage, die Partei werde nun nach rechts driften.

Sein Vertrauter Hans-Olaf Henkel kündigte am Sonntag den Rückzug aus der AfD an. Mit der Wahl von Petry habe sich die Mehrheit auf dem Essener Parteitag "nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilen entschieden", kritisierte Henkel.

Die Fronten zwischen dem Lucke-Lager und dem national-konservativen Petry-Flügel sind seit Monaten verhärtet. Im Mai hatte Lucke mit seinen Anhängern den Verein "Weckruf 2015" gegründet. Er wollte so die gemäßigten Kräfte um sich sammeln. Die Europaparlamentarierin Ulrike Trebesius sagte, man werde die Mitglieder des "Weckrufs 2015" in den kommenden Tagen fragen, ob man die AfD geschlossen verlassen solle. Eine weitere Alternative wäre die Gründung einer neuen, eigenen Partei.

Erste Austritte in den Landesverbänden

Trebesius selbst, die bislang den schleswig-holsteinischen Landesverband führte, erklärte, der Partei den Rücken kehren zu wollen. In den Landesverbänden haben bereits zahlreiche Mitglieder angekündigt, ebenfalls die AfD verlassen zu wollen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Parteifunktionäre aus Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Der Europaparlamentarier und Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel, erwägt nach eigenen Angaben aus der AfD auszutreten. Der von Lucke-Anhängern dominierte Landesverband Rheinland-Pfalz wollte am Dienstag eine gemeinsame Entscheidung treffen.

Petry hatte sich am Sonntagabend in ihrer Schlussrede vor den noch verbliebenen Teilnehmern des Parteitags bemüht, den teilweise ausländerfeindlichen Äußerungen von einigen ihrer Anhänger die Spitze zu nehmen. Sie sagte: "Lassen Sie uns sachlich bleiben bei der Steuer- und Einwanderungspolitik."

Trebesius, die Vorsitzende "Weckruf"-Vereins, kommentierte diese beschwichtigenden Worte mit dem Satz: "Wer sich mit den Rechten ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er mit ihnen aufwacht."

Video: Abwahl von Bernd Lucke - "Er war den Tränen nahe"

REUTERS

heb/kev/dpa/AFD

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
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1. Stimmenbeschaffer für Pegida-Nazis
syracusa 06.07.2015
Sollet Lucke nicht SOFORT eine glasklare Linie zeigen und aus der AfD austreten, dann beweist er dadurch, dass er die Anfänge des Rechtsrutsches und die massenhaften Parteieintritte Rechtsradikaler aus strategischen Gründen hingenommen hat, und dass er sich damit bereitwillig zum Stimmenbeschaffer für Pegida-Nazis gemacht hat.
2. Einzige Rettung
demophon 06.07.2015
Eine Neugründung durch Lucke wäre die einzige Rettung für die Partei. Er und Henkel könnten dann wohl auch ihre Mandate im Europaparlament behalten, indem sie einfach zur neuen Partei übertreten. Deutschland braucht eine Partei, die sich gegen die wahnsinnige Griechenland Rettungspolitik der etablierten Parteien stellt.
3. ...der Plan ist aufgegangen.
prisma-4d 06.07.2015
Wenn ich an Luckes Talkshowauftritte denke, dann scheint der Plan seiner Gegner... die etablierten Parteien... aufgegangen zu sein. Permanent musste sich Lucke gegen Vorwürfe seiner "rechtslastigkeit" und populissmus verteidigen. Und jetzt ist die AFD wirklich rechts angekommen, aber eben ohne Lucke! - Sollte er noch mit Politik was am Hut haben, bleibt ihm nur noch der Neustart.
4.
eternalchii 06.07.2015
Für Lucke und Co macht es natürlich wenig Sinn noch in einer Partei zu arbeiten, die sich jetzt scheinbar inhaltlich an der NPD orientieren möchte. Auch seine Anhänger, die ja lange Zeit mit Henkel und Lucke argumentiert haben, wenn es darum ging, zu belegen, dass die Partei nicht am rechten Rand der Gesellschaft zu verorten ist, werden jetzt sicherlich die Partei verlassen. Jedenfalls, solange das nicht nur billige Ausreden waren, mit denen überzeugte aber nicht bekennende Schlechtmenschen ihre kruden Ansichten zu kaschieren versucht haben.
5. Bitte Spalten und spalten und spalten bis nicht erkennbar.
misterknowitall 06.07.2015
Huch, nun zeigt sich also der wahre Geist dieser achso tollen Alternative, rechtsgewand, wie immer vermutet. Bin gespannt, wo die Reise nun für die AfD hingeht und ob Lucke doch wieder einen eigenen Verein aufmacht. Schön, dass sich diese Partei so schnell selbst zerlegt hat. Inkompetenz, Arroganz und dumme Aussagen gibt es in der aktuellen Politik schon genug.
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