Alexander Gauland Fraktionsvorsitzender attackiert AfD-Chef Lucke

Der Zoff unter Top-Politikern der AfD geht in die nächste Runde. Der brandenburgische Fraktionschef der Euroskeptiker hat Parteichef Lucke als "Kontrollfreak" bezeichnet - und ihn ausgerechnet mit Kanzlerin Merkel verglichen.

Brandenburgs AfD-Fraktionschef Gauland: "Er will alles kontrollieren"
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Brandenburgs AfD-Fraktionschef Gauland: "Er will alles kontrollieren"


Hamburg - Die Querelen in der Alternative für Deutschland nehmen kein Ende. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im brandenburgischen Landtag, Alexander Gauland, hat Parteichef Bernd Lucke nun als "Kontrollfreak" bezeichnet. "Er will alles kontrollieren, auch im kleinsten Landesverband", sagte Gauland der "Zeit".

Gauland kritisierte, dass Lucke das Bestreben habe, alleiniger Parteivorsitzender zu werden. "Der Versuch, einen einzelnen starken Vorsitzenden zu installieren, erinnert mich an Frau Merkel", sagte der 73-jährige Politiker. Lucke hatte zuletzt im März versucht, alleiniger Vorsitzender der AfD zu werden - scheiterte jedoch.

AfD-Bundesgeschäftsführer Georg Pazderski entgegnete, er teile Gaulands Kritik nicht. "Lucke ist nun einmal das Gesicht der Partei, dazu haben ihn vor allem die Medien gemacht." Dass Lucke hart arbeite und mitten in der Nacht E-Mails an Parteikollegen schicke, sei aus seiner Sicht eher positiv.

"Unvernünftige, Unanständige und Intolerante"

Vor zwei Wochen erst hatte Vize-Parteisprecher Hans-Olaf Henkel sich kritisch über die AfD geäußert: "Da sitzt man auf einem Parteitag und hört irgendwelche wilden Verschwörungstheorien. Ich werde dann ganz klein und schäme mich in Grund und Boden", sagte er der "Zeit". Im SPIEGEL beschwerte er sich zudem über "Unvernünftige, Unanständige und Intolerante in unseren Reihen".

Schon damals hatte sich auch Gauland in die Debatte eingemischt: "Es kann nicht sein, dass wir Menschen, die eine andere, differenzierte Meinung vertreten, verstoßen, indem wir sie beschimpfen." Die "Bild"-Zeitung zitierte ihn mit den Worten: "Wenn jemand sagt, dass er sich für die Partei schämt, dann muss er die Partei verlassen."

Auch auf Landesebene machen der Partei Grabenkämpfe und Ausschlüsse zu schaffen. Parteichef Bernd Lucke hatte Anfang Oktober in einem Brandbrief dazu aufgerufen, gegen Querulanten in den eigenen Reihen vorzugehen.

mxw/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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ecbert 19.11.2014
1. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser !
Die AfD ist eine sehr junge Partei, darum haben sich in der Vergangenheit auch einige sehr Rechtsstehende in der Partei hochgearbeitet, die der Partei im Endeffekt schaden. Da die Partei solche Mitglieder nicht will kann ich Herrn Lucke gut verstehen wenn er "kontrollieren". will. Das muss er um die Partei nicht in Verruf zu bringen. Allerdings kann er diese Aufgabe auch an ihm vertraute Personen delegieren.
kugelsicher, 19.11.2014
2. Der Goldpreis
Das wird gleich wieder spannend, wenn unzählige AFD Fans hier wieder bösartige Hetze der noch böseren "Mainstream-Medien" wittern. Am besten noch mit dem Zusatz: Deshalb wähle ich die jetzt oder jetzt erst recht. Das hier schlicht sachlich korrekt über ein Gespräch Gauland - ZEIT berichtet wird, wird dann wohl vergessen. Die anderen sind immer die Schuldigen wenn es um die AFD geht. Wenn jetzt Bartsch gegen Ramelow, oder Kauder gegen Merkel ausgeteilt hätte, wäre das genauso von SPON gebracht worden. Aber bei der AFD steckt sicher immer eine ganz üble Kampagne dahinter. Psychologisch runter gebrochen wohl eher Wichtigtuerei ihrer Fans, dieses "Verschwörung gegen die AFD" rufen. Kontrollfreak kann ich nicht beurteilen, aber ein Lügner, sogar mehrfacher, ist Lucke in jedem Fall. Groß bei Plasberg vor Mio. Zuschauern tönen, dass das Gold bei der AFD billiger als bei den Goldhändlern wäre, es aber in Wirklichkeit, sogar deutlich teurer bei der AFD ist. Oder ich erinnere nur an seine Aussage am Wahlabend zum Begriff "entartete Demokratie", dass er das nur einmal so daher gesagt hat. Später konnte man ihm per Videos beweisen, dass er das auf Wahlveranstaltungen mehrfach genau so gebracht hat. So sieht wohl Luckes Mut zu Wahrheit aus.
sober 19.11.2014
3. AfD ist gescheitert
Gauland ist einer der Hauptverantwortlichen für den unseligen Rechtskurs der AfD. Er hat einen hässlichen ausländerfeindlichen Landtagswahlkampf zu verantworten. Dass solche Leute in dieser Partei Führungspositionen besetzen können, ist bezeichnend. Die demokratischen Kräfte in der AfD sind einfach zu schwach, sie sollten sich nicht weiter vor den AfD-Karren spannen lassen. Anständige, verlasst diese Partei!!
kappelc 19.11.2014
4.
Öffentliche Angriffe ist das Letzte was diese Partei braucht. Das weiß auch ein Politprofi wie es Gauland ist. Gerade vor diesem Hintergrund finde ich diesen Angriff absolut verwerflich und enttäuschend! Aber es geht im Endeffekt auch um die Richtung in welche sich die AfD bewegen wird. Für mich steht fest das eine FDP 2.0 nicht gebraucht wird, sondern schon eine Partei die rechts von der Union das national-konservative Lager abdeckt UND sich gleichzeitig aber vom radikalen Rand fern hält!
Cyberfeld 20.11.2014
5. Leider ist es egal was man sagt
Das paradoxe bei der AFD ist je mehr negativ Schlagzeilen sie machen und je mehr etablierte Partien sie beschimpfen desto mehr sehen sie wie die Macher aus die man Wählen sollte. Man sollte das nicht falsch verstehen es ist nicht trotz alleine sondern das Gefühl das die Euroliebhaber alles tun um die AFD mit Schmutz zu bewerfen und je mehr sie beworfen werden desto eher hat man das Gefühl bei den richtigen zu sein, da die andere Seite scheinbar ansonsten keine Vernünftigen Argumente hat.
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