"Rechtsradikale Einsprengsel" Parteigründer Lucke spricht sich für Beobachtung der AfD aus

Der einstige AfD-Vorsitzende Bernd Lucke geht in einem Interview mit seiner Ex-Partei hart ins Gericht. Aus seiner Sicht sind einige Teile der AfD ein Fall für den Verfassungsschutz.

Bernd Lucke
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Er war das Gesicht der AfD, doch ein Machtkampf um die Parteispitze im Sommer 2015 führte zu seinem Austritt. Seitdem ist es ruhig geworden um den Parteimitbegründer Bernd Lucke. Seine AfD-Abspaltung Alfa, die später noch einmal umbenannt wurde, war bisher kein Erfolg. Nun meldet sich Lucke mit Kritik an seiner Ex-Partei zu Wort.

Die AfD ist seiner Ansicht nach ein Fall für den Verfassungsschutz. "Es gibt Personen und Organisationen in der AfD, an deren Verfassungstreue man zweifeln kann", sagt Lucke in einem Interview mit der "Zeit". "Ich bin da für das Vorsichtsprinzip: Der Verfassungsschutz sollte Teile der AfD lieber beobachten, als dass die vielleicht Unheil stiften."

Mitte Januar hatte die Behörde die AfD bundesweit als Prüffall erklärt und nimmt sie damit stärker unter Beobachtung. Noch genauer hinschauen will die Behörde beim rechtsnationalen "Flügel" und der Jungen Alternative: Sie wurden zu Verdachtsfällen erklärt.

Für Lucke, der für die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im Europaparlament sitzt, ist die AfD heute "eine latent fremdenfeindliche, deutschnationale Partei mit rechtsradikalen Einsprengseln". Der 56-jährige Volkswirtschaftsprofessor war seit 2013 Co-Vorsitzender der AfD.

Lucke bezweifelt in der "Zeit", dass es möglich gewesen sei, Rechtsradikale aus der AfD herauszuhalten. Neue Mitglieder pauschal abzulehnen, verbiete das Parteiengesetz, und kein Interessent sage "gleich beim Aufnahmegespräch, dass er den Holocaust für einen Vogelschiss hält", so Lucke.

Auf die Frage, ob er die AfD heute noch einmal gründen würde, erwidert Lucke: "Nein. Ganz eindeutig nein." Aus der AfD sei "eine ganz andere Partei" geworden: "Eine, die ich nicht gegründet hätte, die ich nicht fördern mochte und die ich nicht wähle."



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