Thüringer AfD-Chef KZ-Gedenkstätte Buchenwald erklärt Höcke für "nicht willkommen"

Wegen seiner Holocaust-Rede hat die KZ-Gedenkstätte Buchenwald Björn Höcke von einer Erinnerungsveranstaltung ausgeladen. Der AfD-Mann will aber trotzdem kommen.

Björn Höcke
DPA

Björn Höcke


Es ist der Tag des Gedenkens, eine Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar, wo einst Zehntausende starben, kommen am Freitag Überlebende und Politiker zusammen: Vertreter der Thüringer Regierung, des Landtags. Nur einer ist bei der Kranzniederlegung offiziell "nicht willkommen": Björn Höcke.

Das hat die Gedenkstätte dem AfD-Landeschef jetzt mitgeteilt. In einem Schreiben an den Politiker heißt es, Ort und Zeitpunkt seien "zentrale Bestandteile eines öffentlichen Erinnerns", das Höcke als "dämliche Bewältigungspolitik", die eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" erfordere, diffamiert habe. "Wir halten es daher für angemessen, dass Sie an der feierlichen Ehrung der Opfer des Nationalsozialismus nicht teilnehmen."

Hintergrund sind Höckes Äußerungen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und zum Berliner Holocaust-Mahnmal. Der AfD-Rechtsaußen hatte vergangene Woche in Anspielung darauf von einem "Denkmal der Schande" gesprochen.

Rikola-Gunnar Lüttgenau, Vizedirektor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald, sagte, es gehe darum, Buchenwald "als Ort der Trauer und der Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen zu bewahren".

"Es steht Ihnen schlicht nicht zu"

Allerdings: Höcke will trotzdem kommen. In einem Brief an Stiftungsdirektor Volkhard Knigge erklärte er: "Es steht Ihnen schlicht nicht zu, zu entscheiden, wer für ein Verfassungsorgan an dieser offiziellen Gedenkveranstaltung teilnimmt und wer nicht." Deswegen werde er selbstverständlich am Freitag seiner Trauer um die Ermordung der deutschen und europäischen Juden Ausdruck verleihen.

Auch bei den KZ-Überlebenden stößt das auf Widerstand. "Die Überlebenden der Nazibarbarei und die Angehörigen der Ermordeten können nicht zulassen, dass die Bedeutung des Holocaust relativiert und das Andenken an die Opfer herabgewürdigt wird", sagte Bertrand Herz, Ehrenpräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos. "Wir wehren uns gegen das Erscheinen von Verharmlosern beim Gedenken an der Stätte unseres Martyriums."

Mit seinen Äußerungen zur Erinnerungskultur hatte Höcke bundesweite Empörung ausgelöst, auch innerhalb der AfD stieß er damit auf Kritik. Der AfD-Bundesvorstand sprach sich inzwischen in einem Beschluss für Ordnungsmaßnahmen gegen Höcke wegen parteischädigenden Verhaltens aus. Von einem Parteiausschlussverfahren war in dem Beschluss aber nicht die Rede. Höcke selbst warf den Medien "Falschmeldungen" vor.

Buchenwald gehörte zu den größten Konzentrationslagern. Zwischen 1937 und 1945 wurden in dem Lager und in seinen 136 Außenlagern rund 250.000 Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten.

kev/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.