AfD-Chef Bernd Lucke "Der Islam ist fast allen Deutschen fremd"

Die AfD bemüht sich um ein bürgerliches Image, doch das Thema Islam beschäftigt die Partei offenbar unentwegt. Die jüngste These von Parteichef Lucke: Kaum ein Deutscher könne etwas mit dem Islam anfangen.

AfD-Sprecher Lucke in Kamen: "Diese Fremdheit kann man nicht wegreden"
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AfD-Sprecher Lucke in Kamen: "Diese Fremdheit kann man nicht wegreden"


Kamen - AfD-Vorstandssprecher Bernd Lucke hat sich kritisch zum Islam in Deutschland geäußert. "Der Islam ist den meisten, ich würde sagen, fast allen Deutschen fremd", sagte der Europaabgeordnete beim NRW-Landesparteitag in Kamen: "Diese Fremdheit kann man nicht wegreden", so Lucke.

Bereits am Samstag hatten die AfD-Delegierten mit großer Mehrheit ein generelles Minarett-Verbot in Deutschland gefordert. Am Sonntag ruderte die Partei mit einem Dringlichkeitsantrag aber wegen verfassungsrechtlicher Bedenken wieder zurück. Die ebenfalls am Vortag beschlossene Forderung nach einem Burka-Verbot blieb jedoch bestehen.

Lucke ging auch auf die Euro-Rettungspolitik ein. Als "Niederlage für die Demokratie in unserem Land" bezeichnete er die Zustimmung des Bundestages zur Fortsetzung der Griechenland-Hilfen. Die Abgeordneten seien nicht unabhängig. "Das Parlament kontrolliert nicht die Regierung, die Regierung kontrolliert das Parlament", sagte Lucke. Er forderte mehr direkte Demokratie auf Landes- und Bundesebene.

Die Beschlüsse des AfD-Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen sind von besonderer Bedeutung auch für die Bundespartei, da die "Alternative für Deutschland" dort mit etwa 4200 Mitgliedern den größten Landesverband stellt.

Auch Lammert grenzt sich vom Islam ab

Ähnlich wie Lucke hatte sich zuletzt auch Bundestagspräsident Norbert Lammert geäußert: Den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wonach der Islam zu Deutschland gehört, machte der CDU-Politiker Lammert sich nicht zu eigen. "Der Islam gehört inzwischen zu den Religionen, die in Deutschland erhebliche Verbreitung finden", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Er wünsche sich zudem von der Religion des Islam, "dass sie ein ähnlich aufgeklärtes Verhältnis zwischen Politik und Glauben, Staat und Religion gefunden hat wie Christentum und Judentum", so Lammert: "Diese beiden Religionsgemeinschaften sind für Geschichte und Kultur unseres Landes zweifellos prägend."

Das von der AfD, aber auch von einigen Unionspolitikern geforderte Burka-Verbot lehnte Lammert indes ab: "Ich sehe da kein dringliches Problem. Diejenigen, die wegen der prinzipiellen Bedeutung gesetzlichen Handlungsbedarf sehen, sollten sich auch mit der praktischen Umsetzung befassen, die vermutlich mehr Probleme schaffen als lösen würde."

mxw/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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kappelc 01.03.2015
1. Keine Kritik sondern ein Fakt.
Lucke hat sich doch nicht unbedingt kritisch zum Islam geäußert, sondern eine Tatsache festgestellt. Das die Deutschen dem Islam eher skeptisch gegenüberstehen ist ein Fakt, was auch etliche aktuelle Umfragen immer wieder beweisen.
Misantroph 01.03.2015
2. Wir brauchen Eier!
Endlich hat ein Politiker mal die sprichwörtlichen Eier und sagt, was alle deutschen Menschen denken.
horstu 01.03.2015
3. Tabuzone Islam?
"Die AfD bemüht sich um ein bürgerliches Image, doch das Thema Islam beschäftigt die Partei offenbar unentwegt." Dürfen sich nur grüne und linke Parteien mit dem Islam beschäftigen?
ketzer2000 01.03.2015
4. Kann man grundsätzlich zustimmen
Grundsätzlich hat Herr Lucke mit der Aussage wohl Recht und getragen wird das auch von dem überwiegenden Teil der Bevölkerung. Nachdenklich machen kann einen nur die Intention dahinter. Selbst wenn ich mit dem Islam in D nichts anfangen kann und der Islam eine religiöse Gruppe in D ist, für Fremdenfeindlichkeit besteht kein Grund!
jaduk 01.03.2015
5.
Ohne jetzt den Islam toll finden zu müssen... den meisten Deutschen ist VIELES fremd. Den meisten Deutschen dürfte auch das Christentum des Mittelalters so fremd vorkommen wie der heutige Islam. Hexenbrennungen, Judenverfolgungen, Kreuzzüge, Inquisition... das sind die Krebsgeschwürde einer Religion, die sich beim Islam heute als Terrorismus äußern. Und wie bei Krebs muss man den Tumor loswerden und nicht den Patienten.
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