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27. September 2014, 20:21 Uhr

AfD-Chef kontert Kritik

Lucke nennt Schäuble "Volksverführer"

Der Schlagabtausch zwischen CDU und der Alternative für Deutschland eskaliert: AfD-Chef Lucke wirft Finanzminister Schäuble Hilflosigkeit und Wählertäuschung vor. Der CDU-Mann hatte die AfD zuvor als "hemmungslos demagogisch" bezeichnet.

Berlin - Bernd Lucke, Chef der Alternative für Deutschland (AfD), hat die Kritik von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an der AfD scharf zurückgewiesen. "Die niveaulosen Angriffe des Bundesfinanzministers offenbaren seine Hilflosigkeit im Umgang mit einer Partei, die der Bevölkerung gerade gegenüber seiner Politik die Augen öffnet und wachsenden Zuspruch findet", sagte Lucke der Online-Ausgabe des "Handelsblatts".

Lucke nannte den CDU-Politiker einen "Volksverführer". Schäuble habe das Volk "nie aufrichtig darüber informiert, welche Risiken sich mit der deutschen Haftung für europäische Schulden verbergen".

Schäuble hatte seine Partei zuvor zu einer härteren Gangart gegenüber der AfD aufgefordert. "Wir müssen uns mit diesen Populisten mit aller Entschiedenheit auseinandersetzen", sagte Schäuble dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Die AfD propagiere Fremdenfeindlichkeit, instrumentalisiere Ausländerkriminalität und verunglimpfe offene Grenzen. Sie sei eine Gruppierung, "die hemmungslos alles demagogisch missbraucht, was man missbrauchen kann", kritisierte Schäuble. "Das ist unfassbar und erinnert mich an die Republikaner, die in den Neunzigerjahren im Landtag von Baden-Württemberg saßen."

"AfD spricht Themen an, wie es andere Parteien nicht tun"

Mit seinen Äußerungen stellte sich Schäuble auf die Seite der Konservativen in der CDU, die eine direktere inhaltliche Auseinandersetzung ihrer Partei mit der AfD verlangen. Seit den Wahlerfolgen der AfD in Sachsen, Thüringen und Brandenburg ist dieser Streit in der Union neu aufgeflammt. In der CDU-Spitze wird die AfD eher als vorübergehendes Problem gesehen.

Auch Hamburgs früherer Erster Bürgermeister, Ole von Beust, sieht die Anziehungskraft der AfD darin begründet, dass sie "Themen anspricht, wie es die anderen Parteien nicht tun". Wer beispielsweise "europakritisch ist, findet in der Politik kaum noch ein Sprachrohr", sagte der ehemalige CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Ähnlich ergehe es denjenigen, die meinten, der Westen habe im Russland-Ukraine-Konflikt "nicht besonders klug gehandelt". Solche Themen artikuliere die AfD, "ob es mir passt oder nicht".

cst/dpa/AFP

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