Magdeburg Polizei lässt Verdächtigen nach Angriff auf Journalisten frei 

Bei einer AfD-Kundgebung in Magdeburg wurde ein Kamerateam des MDR angegriffen. Die Polizei hat den 19-jährigen mutmaßlichen Täter wieder auf freien Fuß gesetzt.

AfD-Demo in Magdeburg: Angriff auf Journalisten
DPA

AfD-Demo in Magdeburg: Angriff auf Journalisten


Der Mann, der vorläufig festgenommen worden war, kam bereits am Mittwochabend frei, wie ein Polizeisprecher sagte. Der mutmaßliche Täter hatte zuvor bei einer Demonstration der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland aus der Menge heraus Pfefferspray in Richtung mehrerer Journalisten gesprüht. Ein Kamerateam des MDR wurde von der beißenden Flüssigkeit getroffen. Auch einem ZDF-Kameramann gelangte Reizgas ins Gesicht. Nach Angaben des Senders erlitt er Haut- und Atemwegsreizungen. Zwei Journalisten mussten medizinisch versorgt werden. Ob der 19-Jährige Mitglied der AfD ist, blieb zunächst unklar. Der für politische Delikte zuständige Staatsschutz ist eingeschaltet.

Zu der Demonstration kamen laut Polizei rund 600 Teilnehmer. Weitere Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey verurteilte den Übergriff. "Angriffe auf Reporter und Kameraleute sind Angriffe auf die Pressefreiheit", erklärte Frey. Er forderte die AfD auf, dafür zu sorgen, dass die Sicherheit von Journalisten bei Demonstrationen gewährleistet ist.

"Ich missbillige das"

In den vergangenen Monaten war es vor allem bei Kundgebungen der fremdenfeindlichen Pegida- und Legida-Bewegung wiederholt zu Angriffen auf Journalisten gekommen. Im November 2015 war die Leiterin des ZDF-Studios in Potsdam, Britta Hilpert, bei einer AfD-Kundgebung in Potsdam von Demonstranten attackiert worden.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte eine steigende Zahl von Angriffen auf Reporter, Fotografen und Kameraleute bei Demonstrationen beklagt und einen besseren Schutz der Polizei gefordert.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat den Angriff von Magdeburg scharf kritisiert. "Ich muss sagen, dass ich das zutiefst missbillige", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es sei Aufgabe der Veranstalter, dafür zu sorgen, dass Journalisten über die Aktivitäten der Partei berichten können.

Die AfD könne sich, was die Aufmerksamkeit der Medien angehe, zurzeit auch nicht beklagen, fügte er hinzu. Schließlich seien Spitzenpolitiker der Partei - er selbst eingeschlossen - zuletzt in mehrere Talkshows eingeladen worden.

syd/dpa/AFP



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