Kleinkrieg in AfD Euro-Gegner außer Kontrolle

Krude Thesen im Internet, Streit über akademische Titel, interne Anfeindungen: Die Euro-Gegner von der AfD verzetteln sich in Querelen. Parteichef Lucke muss sich immer wieder einschalten - mit überschaubarem Erfolg.

Von

AfD-Chef Lucke im September: Schwierigkeiten in der Partei
DPA

AfD-Chef Lucke im September: Schwierigkeiten in der Partei


Berlin - Der Landesvorstand der hessischen Alternative für Deutschland (AfD) verabschiedete sich mit einem Wunsch ins neue Jahr. "Nach den vielen Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate sind wir fest entschlossen, in ruhigem Fahrwasser die vielen anstehenden Aufgaben so zügig wie möglich und zur Zufriedenheit aller zu erledigen", heißt es in einer internen Mail an die Parteibasis, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Dann aber folgt eine kleine Einschränkung: "Allerdings war es notwendig, den gerade frisch gewählten Schatzmeister wegen inakzeptabler politischer Äußerungen von seinem Amt zu suspendieren."

Die Partei der Euro-Gegner, die bei der Bundestagswahl aus dem Stand heraus auf 4,7 Prozent kam und nur knapp den Einzug ins Parlament verpasste, kommt nicht zur Ruhe. Eigentlich soll das Jahr 2014 noch erfolgreicher werden - ein Ziel ist der erstmalige Einzug ins Europaparlament im Mai. Da hier nur eine Drei-Prozent-Klausel gilt, dürfte die AfD den Sprung nach Brüssel schaffen; die meisten Umfragen sehen sie derzeit bei vier Prozent.

Doch nachdem in Hessen die Lage einigermaßen befriedet schien, hatte Landesschatzmeister Peter Ziemann im Internet Thesen verbreitet, die bei dem AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke die Alarmglocken schrillen ließen. So hatte der Landesschatzmeister unter anderem geschrieben:

"Der heutige Sozialismus, der sich Demokratie schimpft, muss das gleiche Schicksal wie der Ostblock vor mehr als 20 Jahren erleiden. Nur so können wir die satanistischen Elemente der Finanz-Oligopole von den westlichen Völkern wieder abschütteln, die wie die Zecken das Blut der Völker aussaugen und die Körper mit tödlichen Bakterien verseuchen."

Weiter Unruhe in Hessen

Lucke reagierte - und mit Billigung des hessischen Landesvorstands wurde Ziemann vom Bundesvorstand seines Postens enthoben. Er habe sich "klar verfassungswidrig geäußert", so Lucke. Doch damit nicht genug - mit dem neuen hessischen Sprecher Volker Bartz gibt es vor Jahresfrist ebenfalls Probleme - er soll angeblich seine akademischen Titel zu Unrecht führen.

Mitte Januar tritt die Hessen-AfD zu einem weiteren Landesparteitag zusammen; es könnte turbulent werden. Lucke verlangte mittlerweile Auskunft, doch Bartz antwortete offenbar nicht. So schrieb Lucke empört an die Mitglieder: "Herr Professor Dr. Bartz hat trotz mehrfacher Anfrage keine Angaben dazu gemacht, wo und wann er promoviert wurde und an welcher Universität er zum Professor berufen wurde. In meiner wissenschaftlichen Laufbahn ist es mir noch nie passiert, dass ein Wissenschaftler auf diese Fragen nicht bereitwillig Auskunft gegeben hätte."

Bartz wiederum nennt Lucke in Mails an Medien einen "Inquisitor". Kaum ein Jahr nach ihrer Gründung ist die AfD in schweren Turbulenzen. Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Lucke hat jetzt in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eingeräumt, die Aufgabe "unterschätzt" zu haben. Tatsächlich droht die rund 17.000 Mitglieder zählende Partei das Schicksal der Piraten zu erleiden, die einen kometenhaften Aufstieg in einigen Landesparlamenten erlebten - und nach internem Dauerzwist bei der Bundestagswahl weit abgeschlagen landeten.

Lucke hält dagegen, spricht seit Wochen von "Nachwehen" im hessischen Landesverband, ansonsten herrsche in den anderen Teilen der Partei "Ruhe".

Keine Atempause für den AfD-Chef

Zur Ruhe kommt vor allem einer nicht: Lucke. Immer wieder muss sich der Vorsitzende direkt in die Querelen einschalten. Kürzlich versandte er eine Mail, in der es für die Basis auch Tipps zum Umgang mit den Medien gab. Von denen fühlen sich viele in der AfD schlecht behandelt - ebenso Lucke. "Die Medien berichten in den letzten Wochen wenig über uns und wenn, dann gerne mit dem Fokus auf Streitigkeiten in den Landesverbänden. Viele Presseberichte sind durch falsche oder verzerrte Darstellungen gekennzeichnet", ließ er die Basis wissen.

Nun gibt es auf der Homepage eine Rubrik "Die AfD antwortet". Da die Presse Korrekturen nicht drucke, werde man künftig auf dieser Seite tendenziöser Berichterstattung entgegentreten und Falschinformationen richtigstellen. "Wir werden uns bemühen, das möglichst schnell zu tun, aber erwarten Sie bitte nicht, dass wir ständig Gewehr bei Fuß stehen oder auf jeden negativen Artikel reagieren können. Dafür gibt es zu viele Presseorgane, und wir haben ja auch noch andere Aufgaben zu tun", so Lucke an die Basis.

Genauso viele Sorgen wie der Umgang der Medien mit der AfD machen der Bundesführung allerdings die eigenen Mitglieder. Denn die schalten sich vor allem im Internet mit harschen Bemerkungen ein - nicht zuletzt das Beispiel des geschassten hessischen Landesschatzmeisters gibt dafür ein illustres Beispiel.

Lucke musste die Basis mittlerweile zur Zurückhaltung mahnen. AfD-Mitglieder und Anhänger seien sehr aktiv auf Facebook und in den Kommentaren der Nachrichten-Sites. "Das sind in den meisten Fällen gute und wertvolle Stellungnahmen für unsere Partei. Aber leider nicht immer. Es gibt auch Beispiele für unsachliche oder ausfallende Reaktionen", so der AfD-Chef in einer Mail.

Und er appellierte, sich stets nur sachlich und mit dem gebotenen Respekt für Andersdenkende zu äußern: "Inhalt (und äußere Form!) Ihrer öffentlichen Stellungnahmen sind Teil unserer Visitenkarte."



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 227 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mhjduerr 27.12.2013
1.
Ich wünsche der AfD Erfolg und der Spiegel sollte auch mal die zahlreichen Landesparteitage thematisieren in denen ohne Querelen sachlich und erfolgreich der Europawahlkampf vorbereitet wird.
WhereIsMyMoney 27.12.2013
2.
Ihr wisst schon, dass Ihr euch mit sowas selbst schadet? Ich bin kein überzeugter AfD-Anhänger, habe sie das letzte mal nur gewählt weil sie gegen die Banken sind. Doch solche Artikel machen es mir leicht mich wieder für die AfD zu entscheiden. Diese Propaganda in dne Medien gegen neue Parteien - vor einigen Jahren die LINKEN, dann gegen die Piraten, jetzt habt ihr euch also auf die AfD eingeschossen - ist einfach nur peinlich und beschreibt wohl den Zustand der Medien. Es ist kein Zufall dass das Ansehen der Journalisten auf einem Tiefststand ist und weiter fällt. Versuchen Sie mehr wie Greenwald zu sein, also gegen die Mächtigen. Gegen die Kleinen kann jeder. Versuchen Sie sich mal an Merkel und GoldmanSachs!
maxgil 27.12.2013
3. Die
Knallköppe braucht kein Mensch. Finde die EU zwar auch nicht prickelnd, Rumänien und Bulgarien hätten nie aufgenommen werden dürfen aber deshalb in Revisionismus zu verfallen ist Kindergarten. Wir brauchen kein Zurück zu den Nationalstaaten, Europa sollte eigentlich gelernt haben, wie die Menschen hier unter diesem Mist gelitten haben bzw. gestorben sind. Und mir kann die D-Mark gestohlen bleiben, bin froh, dass wir den Euro haben. Wo stände unsere Wirtschaft ohne Euro? Die Arbeitslosenzahlen dürften dramatisch höher sein. Aber so was interessiert ein verbeamteten Prof. ja nicht, der bisher noch nie aus seinem universitären Elfenbeinturm rausgekommen ist.
nick999 27.12.2013
4. Afd, viel Glück
Ich wünsche der Afd viel Glück, um heil aus den Kinderschuhen herauszukommen. Die Etablierten brauchen dringend jemanden, der sie in die Schranken beim Schuldenmachen weist. Neben der AfD sehe ich da Niemanden, den ich wählen könnte. Daher wäre es schade, wenn der Afd scheitern sollte.
Niamey 27.12.2013
5. Undemokratisch sind seit
Zitat von sysopDPAKrude Thesen im Internet, Streit über akademische Titel, interne Anfeindungen: Die Euro-Gegner von der AfD verzetteln sich in Querelen. Parteichef Lucke muss sich immer wieder einschalten - mit überschaubarem Erfolg. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-eurogegner-kommen-nicht-zur-ruhe-a-940996.html
Jahrzehnten die sogenannten Volksparteien und ihre willfährigen Propagandablättchen, Ich werde die AfD nicht nur wieder wählen, da sie den Banken und der EU vor den Koffer schei... werden, sondern weil es Leute sind die schon vor Einführung des Euros vor den schlimmen Folgen gewarnt haben, die nunmehr, oh Wunder, eingetreten sind und die wir wegen ein paar Ignoranten alle bezahlen müssen. Noch unsere Kindeskinder werden daran knabbern! Ein eventueller Plagiator wird daran jichts ändern, denn die anderen Parteien haben davon jeweils mehrere! Mein Respekt vor den Leistungen von Herrn Lucke!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.