AfD Ex-"Focus"-Redakteur wird Berater von Petry

Michael Klonovsky war führender Redakteur und Autor der "Focus"-Redaktion. Nun wird der Journalist ab Juni publizistischer Berater der AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry. Der Mann hat eine bewegte Vergangenheit.

AfD-Vorstandssprecherin und Journalisten in Berlin
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AfD-Vorstandssprecherin und Journalisten in Berlin

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Am Donnerstagnachmittag verschickte Michael Klonovsky an seine Kollegen vom "Focus" in München und Berlin eine Mail. Unter der Betreffzeile "Finito" verkündete er nach 24 Jahren beim Magazin seinen Abschied. Wohin er ging, verriet er dort nicht. Doch Gerüchte machten in der Redaktion schnell die Runde - Klonovsky ziehe es zur AfD.

Tatsächlich wird der 53-Jährige ab Sommer eine neue Tätigkeit ausüben - an der Seite der AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry. "Ich beginne ab 1. Juni als publizistischer Berater für Frauke Petry zu arbeiten. Also als eine Art Spin-Doctor", schreibt Klonovsky in einer Mail an SPIEGEL ONLINE. Der Verlag und er hätten das Arbeitsverhältnis "einvernehmlich auf beiderseitigen Wunsch" beendet. "Die Partner hatten sich sozusagen auseinandergelebt", begründet der nun ehemalige "Focus"-Journalist seinen Abgang.

Das Verhältnis zu seinem Arbeitgeber schien seit Längerem gestört. Erst im März dieses Jahres hatte Klonovsky in einem (mittlerweile gelöschten) Eintrag auf seiner Blogseite geschrieben, der Verlag habe ihm "neuerdings sämtliche Nebentätigkeiten" untersagt. "Kein Gericht außerhalb Nordkoreas wird solch ein partielles Berufsverbot unterstützen", schrieb er dort.

Klonovsky, der 1962 in der DDR geboren wurde und in der Wendezeit zum Journalismus kam, startete 1992 beim "Focus" als Redakteur. Dort war er zeitweise auch Chef vom Dienst und Leiter des Debattenressorts, zuletzt Autor. Klonovsky war in der Redaktion nicht unumstritten, politisch tendierte er seit Längerem nach rechts. Nicht alle bei "Focus" scheinen über seinen Abgang traurig zu sein. Er selbst brachte das in seiner Abschiedsmail an die Kollegen ironisch in die Zeile: "Ich hoffe, solch schöne Kunde erreicht euch großräumig Vereinte bei bester, ja bei Bombenstimmung."

"Tagebucheintrag" sorgte für Kopfschütteln

Klonovsky - der auch Autor zahlreicher, von der Kritik zum Teil begeistert aufgenommener Bücher ist - hatte zuletzt auf seinem privaten Blog ("Friede den Gemeinplätzen - Krieg den Moden") vor allem mit einem Eintrag für Kopfschütteln in der "Focus"-Redaktion gesorgt, wie SPIEGEL ONLINE erfuhr. So stellte er in seinem "Tagebucheintrag" vom 23. Januar 2016 die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel in einen - wenn auch ironisch-polemischen - Zusammenhang mit Adolf Hitler.

Wörtlich schrieb er dort: "Von ihrem Amt sowie ihrer Geschlechtslosigkeit abgesehen, schienen lange Zeit kaum Ähnlichkeiten oder gar Verbindungen zwischen A. Hitler und A. Merkel zu bestehen. Mittlerweile dämmert es vielen, dass es eine womöglich fundamentale, ins Metaphysische reichende Allianz zwischen den beiden geben könnte insofern, als die heutige Kanzlerin den letzten Willen des Führers, das Verschwinden der Deutschen, zwar nicht direkt exekutiert - das erledigen sie durch ihre Kinderwunscharmut allein -, aber immerhin kolossal beschleunigt."

Der Journalist, der in zweiter Ehe mit der israelischen Pianistin Elena Gurevich verheiratet ist und vorerst, wie er SPIEGEL ONLINE schreibt, weiter in München leben wird, soll offenbar die publizistische Lücke füllen, die Petry selbst kürzlich gerissen hat, als sie die Zusammenarbeit mit dem AfD-Parteisprecher Christian Lüth aufkündigte. Seitdem arbeitet Lüth für den restlichen Bundesvorstand der AfD, unter anderem für Petrys Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen - aber nicht mehr für Petry.

Für Petry soll künftig offenbar neben Klonovsky auch der Vorsitzende der "Jungen Alternative", Markus Frohnmaier, Pressearbeit machen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland des Madsack-Verlags (unter anderem "Hannoversche Allgemeine Zeitung") meldete am Donnerstag, Frohnmaier habe dies bestätigt. Eine offizielle AfD-Erklärung für diese Personalie war bis zum frühen Abend von der Partei nicht zu erhalten.

Abwegig scheint es nicht zu sein. Frohnmaier hatte zuletzt mit dem Lebensgefährten von Petry, dem nordrhein-westfälischen AfD-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, ein Wirtschaftsforum auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim besucht. Bilder auf seiner Facebook-Seite zeigen ihn in trauter Runde mit Pretzell.

insgesamt 59 Beiträge
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ernstmoritzarndt 28.04.2016
1. Sie kennen den Schnack .....
..... über das Magazin "Focus"? ..... Ganz einfach - steigern Sie das Adjektiv "dünn" .... na, Dünn, Dünner, Focus. Das ist wie bei der Steigerung von Parteifreund. Es ist also damit zu rechnen, daß die Argumentation von Frau Petry noch dünner wird, als bisher.
MephistoX 28.04.2016
2. O hje, ...
... der Klonovsky passt "prima" zur Petry - es geht im "AfD"-Aufzug noch ein Stockwerk tiefer :)
freidenker49 28.04.2016
3. Dann wollen wir mal sehen
wie das Programm der AfD von einem gelernten und erfahrenen Journalisten kommuniziert wird. Mal sehen, wie der mit dem Bashing und Outing fertig wird. Storch hat ja gerade bei Maischberger gezeigt, wie man mit Attacken fertig wird. Ganz ruhig bleiben, ab und zu mal lächeln, dann in aller Gelassenheit reagieren und argumentieren.
servius 28.04.2016
4. Sie hätte holen können ...
... wen auch immer. Der Spiegel hätte immer ein Haar in der Suppe gefunden.Es langweilt mittlerweile lieber Spiegel.
Snyder 28.04.2016
5. Wortgewandt
Eine großartige Nachricht. Mit Begeisterung an Klonovskys Sprachstil verfolge ich seit Jahren seinen Blog "Acta diurna", in dem er scharfzüngig und wortgewandt zum Zeitgeschehen kommentiert. Bei der alternativen Partei ist er gut aufgehoben.
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