Bundestag AfD-Fraktionsgeschäftsführer tritt zurück

Der Geschäftsführer der AfD im Bundestag gibt sein Amt auf - angeblich wegen Streit über einen "professionellen Fraktionsaufbau".

Hans-Joachim Berg
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Hans-Joachim Berg


Der AfD-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Hans-Joachim Berg, hat nach nicht einmal drei Monaten seinen Rücktritt angekündigt. Er habe seinen Arbeitsvertrag mit der Fraktion zum 5. Februar gekündigt, teilte die AfD mit.

Berg sitzt aber weiter für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus, Bundestagsabgeordneter ist er nicht. Berg begründete seinen Rücktritt mit Meinungsverschiedenheiten "über einen professionellen, parlamentsorientierten Fraktionsaufbau".

Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, Berg habe für die Fraktion Catering im Wert von mehr als 10.000 Euro geordert. Er selbst wies das zurück, er habe "keine einzige Schnittchen-Bestellung" getätigt. Die Berichte gingen auf ein "ehrabschneidendes" Verhalten gegen ihn aus den eigenen Reihen zurück. Namentlich nannte er Fraktionschefin Alice Weidel, die ihm ein persönliches Gespräch verweigert habe.

Antrag auf Neuwahl der Parteispitze

Nicht nur in der Fraktion, auch in der Partei gibt es Ärger: Einen Monat nach dem Bundesparteitag in Hannover hat ein AfD-Mitglied eine Wiederholung der Wahl der Parteispitze beantragt. Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" fordert der Mann in einem Antrag an das Bundesschiedsgericht die "Annullierung sämtlicher Wahlgänge zum Bundesvorstand ab der Wahl zum 2. gleichberechtigten Sprecher". Er begründe dies damit, der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk hätte nicht als Delegierter für NRW an dem Parteitag teilnehmen dürfen, weil er seinen Erstwohnsitz noch in Hamburg hat.

Gottschalk sagte, er sei von dem Vorstoß seines Parteikollegen Andreas Handt überrascht worden. Er gehe aber davon aus, dass bei seiner Wahl zum Delegierten alles richtig gelaufen sei. "Ich halte mich überwiegend in Nordrhein-Westfalen auf", versicherte Gottschalk. Er habe inzwischen ein Haus gekauft und wolle seinen Erstwohnsitz demnächst in Nettetal anmelden. Gegenüber dem AfD-Kreisverband Viersen habe er mit offenen Karten gespielt.

Gottschalk war in Hannover zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt worden. Handt unterlag bei der Wahl der Beisitzer seinem NRW-Parteikollegen Guido Reil.

Der Parteitag hatte zuerst den Vorsitzenden Jörg Meuthen wiedergewählt. Bei der Wahl des Co-Vorsitzenden wurde es dann ganz knapp. Nachdem es in zwei Wahlgängen zu einem Patt zwischen dem Berliner AfD-Landeschef Georg Pazderski und der vom rechten Flügel unterstützten Kandidatin Doris von Sayn-Wittgenstein gekommen war, gab Pazderski auf. Alexander Gauland wurde zum Co-Vorsitzenden gewählt.

Aus rechtlichen Gründen wurde dieser Artikel nachträglich bearbeitet.

cte/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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bigroyaleddi 05.01.2018
1. Jetzt passiert genau das,
was die den Altparteien doch immer vorwerfen. Den eigenen Laden nicht on Schuß, Verschwendung allerorten, tja - so sieht wohl eine AgD-Republik aus. Warum denke ich bei solchen Nachrichten immer ans Händereiben?
christian18 05.01.2018
2. Lehrgeld zahlen
auch bei einer Neugründung muss man sich erst einmal "finden". Wenn jemand vorher in der Bundestagsverwaltung tätig war, so hat er vermutlich nur die gleichen Catering Firmen gewählt wie bei seinem vorhergehendem Arbeitgeber. Damals ist dieses nicht aufgefallen oder keiner hat es veröffentlicht. Bei der AfD wird eben alles auf die "Goldwaage" gelegt. Fazit: nur Anlaufverluste, also abwarten, aus Fehlern wird diese neue Partei schnell lernen..
matthias_b. 05.01.2018
3. @bigroyaleddi
Genau, Verschwendung identifizieren, Zustand abstellen, sich zur Not von Personal trennen. Genau das, was sonst in der Politik nie passiert.
kai.welter 05.01.2018
4. tolle Karriere
Das ist ja mal ne tolle Karriere. Laut TAGESSPIEGEL war Herr Berg vor seiner Mitgliedschaft in der AFD CDU-Mitglied und als Referatsleiter in der Bundestagsverwaltung tätig. Jetzt wurde er von der AFD als unfähig erkannt und hat gekündigt. Wundert mich aber nicht. So wie es derzeit in der Republik aussieht scheint der Herr im Bundestag/Regierung kein Alleinstellungsmerkmal zu besitzen.
Alias iacta sunt 05.01.2018
5. Wem wurde das in Rechnung gestellt?
Wem wurde das in Rechnung gestellt? Hier muss doch auch mal ein Verantwortlicher Kostenträger die Sachlage prüfen und auch ablehnen, wenn keine Berechtigung vorliegt.
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