Machtkampf in der AfD Petry gewinnt gegen Lucke

Der Machtkampf in der AfD ist entschieden: Der Parteitag hat Frauke Petry zur ersten Vorsitzenden gewählt. Zuvor hatten sich die Mitglieder eine hitzige Debatte geliefert.

AfD-Politikerin Petry: Neue erste Vorsitzende
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AfD-Politikerin Petry: Neue erste Vorsitzende


Frauke Petry führt die Alternative für Deutschland künftig allein. Auf dem Parteitag in Essen erhielt sie rund 60 Prozent der Stimmen und setzte sich damit deutlich gegen den Parteigründer Bernd Lucke durch. Die beiden hatten sich zuvor einen monatelangen Machtkampf geliefert.

Petry wurde zur ersten Vorsitzenden gewählt und wird damit voraussichtlich im Dezember alleinige Parteichefin. Sie erhielt 2047 der 3428 gültigen Stimmen, das sind 59,7 Prozent. Ihr Kontrahent erhielt 38 Prozent der Stimmen. Auf drei weitere Kandidaten entfielen nur minimale Stimmanteile. In ihrer Dankesrede nannte sie Lucke die "Galionsfigur der Gründerzeit" der Partei.

Petry steht für den nationalkonservativen Flügel. Sie hält Lucke und dessen wirtschaftsliberalem Flügel im Kern eine thematische Verengung auf die Ablehnung der Euro-Rettungspolitik vor. Lucke hatte vorher angekündigt, er wolle sich im Falle eines Wahlsieges von Petry nicht um ein anderes Amt im Bundesvorstand bewerben.

Buhrufe und Pfiffe für Lucke

Beide Lager lieferten sich auf dem Parteitag eine hitzige Debatte. Luckes Niederlage deutete sich schon zu Beginn des Parteitags an, als die Teilnehmer ihn mit Pfeifkonzerten und Buhrufen empfingen. Seine Begrüßungsrede in der Essener Gruga-Halle wurde von Anhängern Petrys mehrfach mit Zwischenrufen unterbrochen. Aber auch für Petry gab es Pfiffe.

Beide waren bislang gleichberechtigte Sprecher der Partei. Sie hatten vor dem Parteitag erklärt, nicht mehr zusammenarbeiten zu können, relativierten ihre Äußerungen jedoch später.

Mit einer Mehrheit von 61 Prozent beschloss der Parteitag, die von Lucke ausdrücklich gewünschte Wahl eines Generalsekretärs von der Tagesordnung zu nehmen.

Der Machtkampf zwischen den Parteiflügeln und insbesondere Lucke und Petry dauert bereits seit einem halben Jahr an und wird äußerst erbittert geführt. Lucke übte in seiner Essener Rede Selbstkritik. "Statt parteiintern sachlich und problemorientiert zu diskutieren, ist uns die Sache entglitten, bis wir uns in aller Öffentlichkeit stritten, dass die Fetzen flogen", sagte er.

Später am Abend wählten die Mitglieder den Volkswirtschafts-Professor Jörg Meuthen zum zweiten gleichberechtigten Co-Vorsitzenden. Der bisherige Vize-Landeschef in Baden-Württemberg erhielt 62 Prozent der Stimmen. Meuthen soll Ende des Jahres automatisch zu einem der vier Stellvertreter der neuen AfD-Chefin werden. Am Sonntag will die Partei weitere Wahlen zum Bundesvorstand durchführen.

fab/brk/dpa

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