Vor AfD-Parteitag Frauke Petrys Gegner halten Geheimtreffen ab

Vor dem Bundesparteitag der AfD sondieren führende Parteifunktionäre, wie eine alleinige Spitzenkandidatur von Frauke Petry verhindert werden kann. Gewinner der Planspiele: Björn Höcke.

AfD-Politiker Björn Höcke (l-r), André Poggenburg und Alexander Gauland
DPA

AfD-Politiker Björn Höcke (l-r), André Poggenburg und Alexander Gauland


Nach SPIEGEL-Informationen wurde auf einem Geheimtreffen von AfD-Vertretern vergangenen Montag in Goslar ausgelotet, auf dem Parteitag ein Spitzenteam um den rechtskonservativen Parteivize Alexander Gauland aus Brandenburg und die junge, wirtschaftsliberale Ökonomin Alice Weidel aus Baden-Württemberg zu bilden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 16/2017
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Das Treffen kam auf Initiative von Bundesvorstand Armin Paul Hampel zustande; zu den Teilnehmern zählten Gauland, Bundesvorstand Andre Poggenburg, der baden-württembergische Landeschef Ralf Özkara und der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke - dabei läuft eigentlich ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn.

"Wenn es die Partei will, stehe ich für ein Spitzenteam selbstverständlich zur Verfügung", sagte Gauland dem SPIEGEL. In Parteikreisen heißt es, dass der Parteivize bei Weidel bereits diskret über die Bedingungen für deren Beteiligung an einem Spitzenteam sondiert habe. Fraglich sei nur noch, ob auch der rechte AfD-Flügel Weidels Kandidatur auf dem Parteitag am 22. April in Köln stützen würde. Auf dem Treffen in Goslar stieß die Personalie Weidel offenbar auf geteilte Zustimmung, denn sie gilt als eine treibende Kraft für das Ausschlussverfahren gegen Höcke. Gauland habe vehement für sie werben müssen, heißt es.

Höcke war zwar nach einer Rede in Dresden im Januar, in der er das Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande" bezeichnet und eine "180-Grad-Wende" in der Erinnerungskultur gefordert hatte, unter starken Druck geraten. Doch die vielen strategischen Fehler Petrys und der aggressive Führungsstil der Parteichefin und ihres Ehemanns, AfD-Mann Marcus Pretzell, haben das Paar isoliert und Höcke gestärkt. Das Bekenntnis zu ihm ist nun wieder ein wichtiger Karrierefaktor für Listen- und Vorstandskandidaten der AfD. Mit Höcke müsste sich wohl auch Weidel arrangieren, um im Wahlkampf Teil des Spitzenteams zu werden.

"Frauke Petry hat nicht verstanden, wie Politik funktioniert"

Frauke Petry kommt in den Plänen der AfD-Verschwörer nur als Randfigur vor: Man wolle sie zwar nicht aus der Partei drängen, heißt es. Aber sie solle in einem Spitzenteam nur eine untergeordnete Rolle spielen. "Frauke Petry hat nicht verstanden, wie Politik funktioniert, sie sieht die Partei als Solo-Nummer", urteilt ihr Parteifreund Hampel. "Kompetenz empfindet sie als Bedrohung." Zusätzlich geschwächt sind Petry und Pretzell durch den Konflikt mit ihrem Ex-Berater Michael Klonovsky. Dieser veröffentlichte im Streit um nicht gezahlte Honorare eine vernichtende Charakterstudie des AfD-Powerpaares.

Auf dem Parteitag in Köln am 22. April könnte es zum Showdown zwischen der Parteichefin und ihren Gegnern kommen. Wie der "Stern" zuerst berichtet hatte, will Petry die AfD in zwei Anträgen zum Parteitag zu Richtungsentscheiden zwingen: Die Partei solle zwischen einer "realpolitischen Strategie" unter Petry und einem "fundamentaloppositionellen Weg" nach Höcke und Gauland wählen.

Zudem sollte die AfD nach Wunsch von Petry "rassistischen, antisemitischen, völkischen und nationalistischen Ideologien" abschwören - eigentlich Selbstverständlichkeiten. Aber nicht nur Petry-Gegner fühlen sich von diesen Vorstößen erpresst.

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insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
oliver_st 14.04.2017
1.
Wenn diese Partei es nicht schafft sich von rechtsaußen und Nazis abzugrenzen dann wird sie niemals eine Rolle spielen! Traurig daß man es in diesem Land nicht schafft eine Alternative zur merkelentrückten CDU zu etablieren, der Zug ist m.M. nach abgefahren. Echte und nötige Chance vertan!
Indigo76 14.04.2017
2.
Gute Nachrichten. Je höher Höcke und Gauland sich in der Partei nach oben arbeiten, desto mehr Wähler, die die AfD nur als Zeichen gegen die aktuelle Regierung wählen, springen von ihr ab. Mit Höcke, Gauland und Konsorten, wird die Partei auch offiziell das, was sie inoffiziell schon längst ist: eine rechte Partei, die auch nur von Rechten gewählt wird. Vor rechten Parteien müssen wir keine Angst haben - sie haben in Deutschland zu wenig Unterstützung. Siehe NPD - die ist so unwichtig geworden, dass man sich nicht einmal die Mühe macht, sie zu verbieten. Der AfD wird es ähnlich gehen. Petry hätte diese Partei retten können - gut, dass sie rausgedrängt wird.
chrimirk 14.04.2017
3. Ist das alles schön!
Die zerlegen sich sogar noch vor der Wahl selbst! Klasse. Sollte man honorieren und ab sofort in den Medien über die AfD nichts mehr schreiben. Denn 5 % Stimmen müssen erst mal geholt werden!
pepe-b 14.04.2017
4. Nur weiter so
und diese "Partei" wird es nicht in den Bundestag schaffen. Die AfD unter Lucke war eine Partei, deren Ziele ich zwar nicht geteilt habe, die aber durchaus auf demokratischen Boden stand und legitime Meinungen ihrer Wählerschaft vertrat. Diese Wähler haben aber niemals kapiert, dass die AfD 2014 von Rechten gekapert wurde, als Petry Chefin wurde. Und Petry war den Rechten noch nicht rechts genug - das ist die bittere Realität. Jetzt reißen sie ein ums andere Mal ihre Maske vom Gesicht, diesmal indem der Ober-Nazi Höcke trotz allem ins Spitzenteam soll. Das Problem: so langsam wachen die Leute wirklich auf (um im AfD-Jargon zu sprechen...) und realisieren, was das für Anti-Demokraten sind. Die Folge ist schon jetzt erkennbar: die Zustimmungswerte schmieren ab und bis zur BTW wird diese Vereinigung nicht mal mehr die 5% schaffen!
Paul-Merlin 14.04.2017
5. Frauke Petry ist eine Belastung
für die AfD. Leider, denn auch sie hat ihre Verdienste um die Partei. Aber leider ist ihre zu offensichtliche Teamunfähigkeit und die Verquickungen mit ihrem Ehemann eine schwere Hypothek für die Zukunft der AfD. Die Partei wird als Korrektiv gegen die Einparteienherrschaft der Altparteien im Bundestag dringend benötigt. Im Interesse der Sache sollte Petry sich nach Sachsen zurückziehen.
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