Krise der Rechtspopulisten Petry und Gauland fordern Mandate von AfD-Rebellen zurück

Die AfD steht vor der Spaltung, Hunderte Mitglieder sind schon ausgetreten. Nun will die Parteispitze den Machtverlust in den Parlamenten aufhalten - und verlangt von abtrünnigen Abgeordneten die Mandate zurück.

AfD-Chefin Petry, Parteivize Gauland: "Prinzip verbrannte Erde"
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AfD-Chefin Petry, Parteivize Gauland: "Prinzip verbrannte Erde"


Der AfD droht der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit, doch das will die neue Führungsspitze verhindern: Parteivize Alexander Gauland hat nun aus der Partei ausgetretene Abgeordnete aufgefordert, auf ihre Mandate zu verzichten. "Das verlangen die Regeln des politischen Anstands", sagte Gauland den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Selbstverständlich sollen auch Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel ihre Mandate zurückgeben", sagte der brandenburgische AfD-Chef weiter.

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Ähnlich äußerte sich auch die neue Parteichefin Frauke Petry, die sich jedoch skeptisch gab: "Ich gehe nicht davon aus, dass Bernd Lucke und diejenigen, die ihm folgen, die Größe besitzen, ihre mit der AfD errungenen Mandate zurückzugeben", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Sie erwarte aber, "dass sie mit ihren Versuchen aufhören, die AfD nach dem Prinzip 'Verbrannte Erde' weiter zu beschädigen".

Petry verspricht einen "Fahrplan der Partei"

Ex-BDI-Chef Henkel hatte am Sonntag die Rechtspopulisten verlassen, am heutigen Freitag will AfD-Mitbegründer Lucke austreten. Die beiden gelten als Köpfe des wirtschaftsliberalen Parteiflügels, der auf dem Parteitag am vergangenen Wochenende bei den Vorstandswahlen abgestraft wurde. Lucke erwägt offenbar eine Parteigründung auf der Grundlage des von ihm gegründeten Vereins "Weckruf 2015".

Die AfD ist seit Mai vergangenen Jahres in fünf Landtage und das Europaparlament eingezogen. Nachdem der parteiinterne Richtungs- und Führungsstreit zuletzt eskaliert war und der Parteitag Lucke als Vorstandssprecher abgewählt hatte, haben jedoch Hunderte die Partei verlassen - darunter auch etliche für die AfD gewählte Mandatsträger.

Am Freitag trifft sich der neue Bundesvorstand der Partei in Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung. Anschließend will die neue AfD-Vorsitzende Frauke Petry über den "zukünftigen Fahrplan der Partei informieren", in der der nationalkonservative Flügel nun die Oberhand gewonnen hat. Dem wirtschaftsliberalen Flügel werden nur zwei der 13 Vorstandsmitglieder zugerechnet. Petry beharrt jedoch darauf, dass sich programmatisch in der AfD durch den Führungswechsel nichts geändert habe.

Im Video: Petry-Triumph über Lucke

REUTERS

mxw/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 265 Beiträge
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Seite 1
konstrukteur 10.07.2015
1. es wurden
die Personen gewählt und dann erst die Partei. ich finde den Größenwahn und die Art wie diese Dame zu Macht strebt, bedenklich.
gegenpressing 10.07.2015
2.
Frau Petry ist nur noch unerträglich. Gerade die redet von politischem Anstand und fordert gleichzeitig die Mandate zurück?
sepp08 10.07.2015
3. Petry und Gauland
man spricht vom politischen Anstand. Frau Petry spricht von einem Fahrplan für ihre Partei, ließ aber ein Interview mit der FAZ fast platzen und äußerte sich nur vage zu den Themen ihrer Partei.
norseman 10.07.2015
4. Frau Petry,
... das hat nichts mit Größe zu tun. Wenn sie nach Größe suchen, dann suchen sie mal bei sich selbst.... wahrscheinlich aber vergebens .... Geschätzte 90% all derjeniger, die die Partei gewechselt haben, haben ihr Mandat nicht zurückgegeben und dabei waren einige, die später noch ganz große Aufgaben übernommen haben.
alexxa2 10.07.2015
5. Logische Sache!
Man hat nicht diese Personen gewählt, sondern die AFD. !
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