Streit um Personalie AfD-Spitze setzt Bundesgeschäftsführer ab

Der Vorstand der AfD hat sich nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen für den Rauswurf ihres Bundesgeschäftsführers Georg Pazderski ausgesprochen. Parteichef Lucke will so die neue Stelle des Generalsekretärs finanzieren.

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AfD-Chef Bernd Lucke (r.), Vize Hans-Olaf Henkel: Generalsekretär statt Geschäftsführer
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AfD-Chef Bernd Lucke (r.), Vize Hans-Olaf Henkel: Generalsekretär statt Geschäftsführer


Berlin - Im Sommer soll für Georg Pazderski Schluss sein: Die Spitze der AfD will den Vertrag ihres Bundesgeschäftsführers zum 30. Juni 2015 auflösen. In einer Telefonkonferenz stimmten am Dienstagmorgen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sieben Vorstandsmitglieder für den Rauswurf Pazderskis, vier wollten dessen Vertrag fortführen.

Damit setzte sich AfD-Chef Bernd Lucke mit seinem Vorstoß gegen seine Parteikollegen Frauke Petry, Konrad Adam und Alexander Gauland durch. An der Telefonschalte nahm auf Drängen Luckes auch Vizechef Hans-Olaf Henkel teil, der sich von Vorstandsbesprechungen meist fernhält.

Noch-Geschäftsführer Pazderski: Mehr Bürokrat als politischer Kopf
imago/ Sven Simon

Noch-Geschäftsführer Pazderski: Mehr Bürokrat als politischer Kopf

Die Entscheidung hat vor allem finanzielle Gründe. AfD-Sprecher Lucke setzt nun die neue Machtstruktur um, die er auf dem Parteitag in Bremen Ende Januar knapp durchgesetzt hatte. Diese sieht vor, dass auf einem weiteren AfD-Parteitag im Juni zunächst eine Doppelspitze gewählt wird.

Im Dezember soll dann der Erstgewählte des Duos automatisch alleiniger Parteichef werden. Ihm zur Seite soll ein hauptberuflicher Generalsekretär gestellt werden, um die AfD zu professionalisieren. "Er muss so etwas sein wie die rechte Hand des Bundesvorsitzenden", hatte Lucke in Bremen angekündigt.

Es wird erwartet, dass er selbst für das Amt des alleinigen Parteivorsitzenden kandidiert. Mit der Trennung von Pazderski will Lucke nun Platz im Budget für den neuen Generalsekretär seines Vertrauens schaffen. Ob es künftig einen Bundesgeschäftsführer geben wird, ist ungewiss.

Ein AfD-Pressesprecher erklärte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage: "Der Aufhebung liegt zugrunde, dass sich die Partei nach der Neuwahl des Bundesvorstands nicht zwei hochbezahlte Führungsämter leisten kann."

Lucke wolle Pazderski loswerden, so ist aus Parteikreisen zu hören, weil dieser einen sehr guten Draht zu Gauland und Petry habe und öfter Kritik an Lucke geäußert habe. In dem Streit um die Personalie spiegelt sich also auch der Grundkonflikt in der Parteiführung wider. Lucke ringt seit geraumer Zeit mit Petry und Gauland um den Kurs der AfD, die Vorstandsmitglieder misstrauen einander.

Allerdings gibt es auch Kritik an dem 63-jährigen Pazderski: Viele in der AfD empfinden den pensionierten Oberst als Bürokraten, weniger als politischen Kopf. Allerdings ist er seit AfD-Beginn dabei, hat die Partei mit aufgebaut. Pazderski wollte sich zu seiner Demission nicht äußern.

Gauland, Adam und Petry hatten noch vergeblich versucht, auf Zeit zu spielen und den Tagesordnungspunkt Pazderski auf die kommende Sitzung der Vorstände Ende März zu verlegen. Aber Lucke wollte nicht abwarten.

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
egoneiermann 03.03.2015
1.
Tja, immerhin kann die AfD immer noch behaupten, sie klüngele nicht in Hinterzimmern, nö, die mach Personalpolitik am Telefon. Manchmal muss man sich ja schon fragen, ob wirklich irgendein AfD-Wähler geglaubt hat, diese Partei wäre anders als die anderen. Im Grund muss man nur deren Vorgänger anschauen, um zu wissen, die sind viel schlimmer als die Altparteien.
pro-europaer 03.03.2015
2. Weiter so..
Warum schmeisst die AfD nicht endlich Petry, Gauland, Storch und Hoecke raus? Die könnten sicher bei den PROs oder hauptamtlich bei PEGIDA unterkommen. Der Demokratie würde es gut tun.
kmew 03.03.2015
3. Na also
die AfD passt sich den etablierten Parteien an.
Hermes75 03.03.2015
4.
Das nenne ich gelebte innerparteiliche Demokratie. Ein Mann - eine Stimme. Lucke ist DER Mann und hat DIE Stimme ;-)
freidenker49 03.03.2015
5. Knapp durchgesetzt?
Spon schreibt, dass Lücke die neue Machtstruktur knapp durchgesetzt habe. Auf dem Parteitag wurde in Wirklichkeit mit einer mehr als zwei drittel Mehrheit diese Änderung beschlossen. Allerdings war auch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.es handelte sich um eine Satzungsänderung. Aber es wird der Eindruck erweckt, dass nur mit 51 Prozent der Stimmen dieser Entscheid herbeigeführt worden sei.
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