Edelmetall von der AfD Professor Goldfingers großer Plan

Mit einem schwunghaften Goldhandel bessert die AfD ihre Kasse auf - und bekommt jetzt auch noch die volle staatliche Parteien-Unterstützung. Beseelt vom geschäftlichen Erfolg hat die Partei schon neue Betätigungsfelder ausgemacht.

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AfD-Vorstandssprecher Lucke: Goldhandel füllt die Parteikasse
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AfD-Vorstandssprecher Lucke: Goldhandel füllt die Parteikasse


Berlin - Im Sortiment gibt es für die AfD-Anhänger viel Glänzendes: ein-Gramm-Barren für 40 Euro oder südafrikanische Krügerrand-Münzen für mehr als 1000 Euro. Das Geschäft mit dem Gold floriert, vor allem ältere Kunden greifen gern zu - und bessern so die Einnahmen der Alternative für Deutschland auf.

AfD-Chef Bernd Lucke, beurlaubter Professor für Makroökonomie, darf sich freuen. Jenseits aller internen Querelen werden die Parteikassen gut gefüllt. Und damit die Möglichkeiten verbessert, in Wahlkämpfen mehr Geld denn je auszugeben.

Seit diesem Freitag haben es Lucke und Co. vom Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) schwarz auf weiß: Die Einnahmen sind nach dem jetzigen Parteiengesetz rechtens. Bedeutet: Nun wird die AfD die ihr zustehende staatliche Unterstützung für 2014 in Gänze ausschöpfen können - nach vorläufigen Schätzungen der Partei sind das rund fünf Millionen Euro.

Seit dem 15. Oktober, als die Partei das Experiment startete, wurde nach eigenen Angaben mit dem Goldhandel ein Bruttoumsatz von 2,1 Millionen Euro erzielt. Der Gewinn liege nur bei einem Prozent, also 21.000 Euro, heißt es aus der Partei. Damit widerspricht die Partei Vorhaltungen, sie habe die Münzen und Barren zu teuer an ihre Anhänger verkauft. Zum Teil wurde das Gold über einen Händler in Bayern bezogen, der der AfD nahesteht.

Der Grund für die ungewöhnliche Maßnahme: Damit die Parteien nicht vollständig vom Staat finanziert werden, müssen sie nachweisen, dass sie mindestens 50 Prozent ihrer Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder aus "Einnahmen aus Unternehmenstätigkeit" erwirtschaften. Weil die AfD noch nicht so viele Mitglieder hat (rund 20.000), setzte sie auf den Goldhandel.

Lammert lässt prüfen

Auch wenn es die Bundestagsverwaltung jetzt abgesegnet hat, bleibt das Geschäftsmodell unter Verfassungsrechtlern umstritten. Die Juristen in Lammerts Haus haben grundsätzliche Bedenken angemeldet - und die sollen vom Innenausschuss des Bundestags mit in ihre bereits seit längerem andauernde Prüfung des Parteiengesetzes übernommen werden. Lammert selbst empfahl eine Änderung des Parteiengesetzes.

Bis auf Weiteres aber wird bei der AfD weiter Gold verkauft. "Wir werden das weiterführen", sagt Parteisprecher Christian Lüth. Ein weiteres Projekt soll die Einnahmen bald noch weiter erhöhen: Die Partei will mit einem Zwischenhändler in den Buchhandel einsteigen und "ausgewählte Titel" an AfD-Anhänger und Mitglieder veräußern.

Umfrage: Nur vier Prozent in Hamburg

Luckes Goldplan ist also zumindest vorläufig aufgegangen - dafür läuft es an anderer Stelle nicht rund. Nach dem Einzug ins Europaparlament, den jüngsten Erfolgen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, wachsen die Sorgen in der Partei. Mitte Februar will die AfD ins Hamburger Landesparlament, kommende Woche beginnt sie ihren Wahlkampf offiziell unter dem Motto: "Hamburg muss handeln".

Doch in der jüngsten Umfrage für Hamburg kommt die AfD nur auf vier Prozent. Dabei soll doch an der Elbe der erste Einzug in ein West-Parlament der Republik gelingen. Noch vor einigen Wochen hatte das AfD-Mitglied, der Ex-BDI-Chef und Hamburger Hans-Olaf Henkel auf "ähnliche oder vielleicht noch bessere Ergebnisse" als in den ostdeutschen Ländern gehofft. Ein großes Ziel - in Brandenburg hatte die Partei aus dem Stand heraus zwölf Prozent erreicht.

Käme die AfD nicht in die Bürgerschaft der Hansestadt (im Bund liegt die AfD in Umfragen weiter zwischen komfortablen sechs und sieben Prozent), wäre das ein herber Rückschlag für Lucke und Co. Die Partei müsste (nur in Bremen wird 2015 noch gewählt) auf längere Zeit mit dem Ruf leben, allenfalls im Osten zu glänzen. Helfen sollen nun auch die gut gefüllten Kassen. "Wir setzen in Hamburg ein Vielfaches dessen ein, was wir bei den früheren Landtagswahlen ausgegeben haben", sagt Parteisprecher Lüth.

Intern gehen die Querelen weiter. Lucke, der mediale Vorzeigekopf der AfD, wurde diese Woche vom Brandenburger Landeschef Alexander Gauland per "Zeit"-Interview attestiert, er sei "ein Kontrollfreak". Gauland störte sich auch an dem - zuletzt auf einem Bundesparteitag in Erfurt gescheiterten - Versuch Luckes, alleiniger AfD-Vorsitzender zu werden. Das, so das Ex-CDU-Mitglied Gauland über das Ex-CDU-Mitglied Lucke, erinnere ihn an Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel.

Am Donnerstagabend telefonierten Lucke und Gauland miteinander. Das Gespräch sei harmonisch gewesen, hieß es aus Luckes Umfeld. Man sei sich einig gewesen, dass die Medien da "manches hochgesponnen" hätten.

Am Ende ist es bei der AfD wie so oft bei ihren internen Streitereien - die Medien sind mit schuld.

In einer früheren Fassung hieß es, die Hamburger Wahl finde Ende Januar statt. Sie findet aber Mitte Februar statt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.  

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insgesamt 162 Beiträge
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Seite 1
darkmattenergy 21.11.2014
1. Die vielfältigen Unternehmensbeteiligungen der SPD sind demokratiefeindlicher...
...als der Goldhandel der AFD.Einer auch nur ansatzweise hinreichend allgemeinen und neutralen Verwurzelung in der gesamten Geselschaft dient die krakenhate Beteiligungs-Verwurzelung der Sozialdemokraten ganz sicher nicht!Sondern begünstigt vielmehr die dem gemeinen Bürger kaum nutzende Aufmerksamkeits-Konzentration der Genossen auf die speziellen Einzelinteressen IHRER gewinnbringenden "Goldesel".Und dies - dank der direkten Gewinn-Beteiligung und -Rückkopplng - sogar ganz ohne die dafür üblicherweise seitens der Unternehmen zu betreibende Lobbyarbeit mit dem Zweck, die Politiker zunächst in gewünschte Form zu kneten, und danach mit sogenanten "Spenden" die Energiekosten für das Backen der ganz nach eigenem Wunsch gestylten, und fälschlicherweise auch danach noch als "Volksvertreter" politischen Geschäftsleute.
spon-facebook-10000216344 21.11.2014
2. Goldpreise aktuell
31,1 G Krügerrand 1003.-, wer mehr zahlt als im Münzhandel zB Proaurum, Degussa, Hereäus uva ist selber schuld.
tomxxx 21.11.2014
3. Grundsätzliche Bedenken?
Weil die Gold handeln? Aber andere wirtschaftliche Betätigungen für Parteien sind in Ordnung?Ich halte das eher für bedenklich... so entsteht ja der Druck, dass die Partei entsprechend ihrer Beteiligungen an Firmen regiert. Oder: Parteibeteiligungen an Medienkonzernen sollten verboten sein (Berlusconi lässt grüßen!!!), für Parteien sollten Parteiorgane ausreichend sein...
hschmitter 21.11.2014
4.
Nun ja, andere Parteien, die aus Steuergeldern (das Gold kauft man freiwillig) die Rettung von Banken betreiben, werden ja auch nicht von der Parteienfinanzierung ausgeschlossen. Daher nachvollziehbar.
klausbrause 21.11.2014
5.
"Hamburg muss handeln"-ein Schelm wer Böses dabei denkt. Vorschlag: Die AfD nutzt ihre Wahlwerbespots um für den neuen parteieigenen Teleshopping-Kanal Propaganda zu machen. Dort können sie dann, neben der Brathaube "Kitchenjoy", ihre ideologischen Ladenhüter versilbern.
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