Rechtspopulisten Lucke-Kritiker wird Chef der neuen AfD-Stiftung

Die AfD gründet eine politische Stiftung - und benennt sie ausgerechnet nach einem großen Europäer. Führen soll sie Konrad Adam, einer der drei Parteisprecher und Kritiker von Parteichef Lucke.

AfD-Politiker Adam: Von der Parteispitze zur Erasmus-Stiftung
REUTERS

AfD-Politiker Adam: Von der Parteispitze zur Erasmus-Stiftung


Berlin - Die Alternative für Deutschland (AfD) hat eine parteinahe Stiftung gegründet. Die Erasmus-Stiftung wird sich der politischen Bildung widmen, wie die rechtspopulistische Partei mitteilt. Sie soll demnnach "die staatsbürgerliche Bildung fördern, wissenschaftliche Untersuchungen in Auftrag geben, der internationalen Verständigung dienen sowie die Aus- und Weiterbildung begabter junger Menschen unterstützen" - etwa durch die Vergabe von Stipendien oder auch durch wissenschaftliche Rechercheaufträge.

Die Stiftung trägt den Namen des christlichen Humanisten Desiderius Erasmus von Rotterdam, der als Vordenker der europäischen Idee gilt. "Der Name steht für die proeuropäische, aber eurokritische Haltung der Partei", teilt die AfD zur Wahl des Namens mit. "Erasmus war ein vernunftbegabter Proeuropäer, der sicherlich auch gegen eine unvernünftige Einheitswährung wie den Euro gewesen wäre", erläutert AfD-Sprecher Christian Lüth.

Nach Erasmus von Rotterdam ist auch ein Stipendienprogramm der EU benannt, das Studenten innerhalb der Union Aufenthalte an Universitäten anderer Mitgliedstaaten ermöglicht.

Eine Stiftung könne Aufgaben wahrnehmen, die eine Partei nicht wahrnehmen könne, sagt Lüth. Sie könne Ideen zur Bildungs- oder Europapolitik entwickeln. "Die können Anstöße für Debatten auch innerhalb der AfD liefern", sagt der Parteisprecher. "Das wirkt dann wie ein separater Thinktank", hofft er. Die Stiftung werde sich um eigene Finanzmittel kümmern müssen, etwa durch Spenden oder auch staatliche Mittel.

Ein umstrittener Stiftungschef

Zum Vorstandsvorsitzenden der Stiftung wurde nach Angaben der Partei Konrad Adam gewählt. Der umstrittene Publizist wird dem rechtskonservativen AfD-Flügel zugerechnet. Adam ist einer von drei Vorsitzenden im Parteivorstand und hatte sich zusammen mit anderen Parteimitgliedern offen gegen die Pläne von Parteigründer Bernd Lucke gestellt, die Partei künftig von nur einem Sprecher führen zu lassen.

Lucke hat die schrittweise Verkleinerung der AfD-Spitze auf einen einzigen Parteichef jedoch durchgesetzt. Adam wird daher bald nicht mehr Co-Vorsitzender sein. Der Stiftungsposten könnte als Entschädigung gewertet werden - oder als elegante Abschiebung: Als Chef einer formell nicht direkt zur Partei gehörigen Stiftung dürfte Adam erheblich an Außenwirkung und Einfluss auf parteinterne Debatten einbüßen.

Dass Letzteres beabsichtigt sein könnte, legt der Verlauf des jüngsten Führungsstreits nahe. Für seine Kritik an Lucke war Adam im Januar von AfD-Bundesvorstand Hans-Olaf Henkel attackiert worden. "Sie scheinen von Enttäuschung über Ihre Bedeutung in der Partei und von Ihrem Ehrgeiz zerfressen zu sein", schrieb Henkel in einem vom SPIEGEL veröffentlichten Brief an Adam. "Sie können Herrn Lucke nicht im Entferntesten das Wasser reichen."

Der 1942 geborene Adam war über zwei Jahrzehnte Redakteur des Feuilletons der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", für die er auch nach Erreichen des Rentenalters regelmäßig schrieb. Im Januar sorgte er mit einem als "Gastbeitrag" gekennzeichneten Artikel in der Zeitung für Aufsehen, in dem er sich äußerst islamkritisch äußerte.

Alle großen Parteien haben ihnen nahestehende Stiftungen. Diese erhalten staatliche Zuschüsse. Zwar müssen sie nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts rechtlich unabhängig sein. Kritiker beklagen trotzdem eine zu große Nähe zwischen den Parteien und ihren Stiftungen.

mxw/vek/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
daslästermaul 23.03.2015
1. gehts' vielleicht etwas konkreter ??!
wenn man hier gebeten wird dieses Ereignis zu kommentieren wäre es zumindest hilfreich, wenn man wüsste wer als Namensgeber für diese Stiftung herhalten muß.
giftzwerg 23.03.2015
2. Bitte?
Egal, wie man zur AfD stehen mag, aber der Name passt doch nunmal wirklich nicht. Die AfD als EU-feindliche Partei gründet eine Stiftung mit dem Namen Erasmus, welchen alle Akademiker sofort mit dem berühmten Erasmus-Programm der EU assoziieren? Klingt schon nach Satire.
giftzwerg 23.03.2015
3. Bitte?
Egal, wie man zur AfD stehen mag, aber der Name passt doch nunmal wirklich nicht. Die AfD als EU-feindliche Partei gründet eine Stiftung mit dem Namen Erasmus, welchen alle Akademiker sofort mit dem berühmten Erasmus-Programm der EU assoziieren? Klingt schon nach Satire.
VerHartzter 23.03.2015
4. Bitte mehr Infos
Abgesehen von der Namensgebung, die ich ebenfalls für recht merkwürdig halte, fehlt hier wieder wichtige Informationen um die Sache richtig zu betrachten. Es handelt sich hier nicht um eine Stiftung in eigentlichen Sinne, sondern um einen Verein, der von der Partei als sogenannte "parteinahe Stiftung" anerkannt wird (OK, die Friedrich Naumann Stiftung der FDP fällt da raus). Ziel dieser "Stiftungen" ist es Steuergelder für die Parteiarbeit abzugreifen. Da ist die AfD nicht alleine, das machen alle Parteien, bis auf die Piraten und die Kleinen unter "Sonstige" . Je größer, je hemmungsloser. Wir sollten das mal als Anlass nehmen diese Parteienfinanzierung vollkommen neu zu überdenken. Persönlich möchte ich zudem auch nicht, das rechte Parteien noch Geld vom Staat bekommen.
kugelsicher, 23.03.2015
5.
Zitat von daslästermaulwenn man hier gebeten wird dieses Ereignis zu kommentieren wäre es zumindest hilfreich, wenn man wüsste wer als Namensgeber für diese Stiftung herhalten muß.
Mal davon abgesehen, dass ich den Inhalt auch ohne den Namen zu kennen kommentieren könnte, weil alle Fakten genannt sind, brauchen sie nur den Artikel lesen um sich ihre Frage selbst zu beantworten. Steht dort sogar zweimal.
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