Reaktion auf Afrikaner-Rede AfD-Politiker nennt Höcke-Äußerungen "eindeutig rassistisch"

Der Druck auf Björn Höcke, Rechtsaußen der AfD, wächst. Parteimitglieder nennen die Aussagen des thüringischen Fraktionschefs klar rassistisch. SPD-Fraktionschef Oppermann bezeichnet die AfD generell als Bande "geistiger Brandstifter".

Thüringer AfD-Fraktionschef Höcke: "Wiederholungstäter"
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Thüringer AfD-Fraktionschef Höcke: "Wiederholungstäter"


Der Thüringer AfD-Partei- und Fraktionschef Björn Höcke erhitzt die Gemüter zusehends auch in der eigenen Partei. Höckes stark umstrittene Afrika-Rede sei "eindeutig rassistisch" gewesen, sagte Hamburgs AfD-Fraktionschef Jörn Kruse der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Die Partei muss nach außen deutlich machen, dass wir die rassistischen Äußerungen von Höcke nicht dulden können", sagte er. Es müsse einen "öffentlichen Aufruhr" geben.

Höcke hatte in einer Rede von einem "lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp" und von einem "Bevölkerungsüberschuss" Afrikas gesprochen. "Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern", sagte der Thüringer AfD-Chef. Der Bundesvorstand der AfD hatte daraufhin dessen Verbleib in der Partei infrage gestellt und ihm parteischädigendes Verhalten vorgeworfen.

Kruse kritisiert jedoch, dass sich viele Funktionsträger der AfD weiter taktisch verhielten und nicht schärfer gegen Höcke vorgingen. Auch Brandenburgs Landesvorsitzender Alexander Gauland, der Höcke bisher geschont hatte, "wäre gut beraten, sich von Höcke zu distanzieren, um Schaden von der Partei abzuwenden". Höcke sei schließlich ein "Wiederholungstäter", sagte Kruse.

Auch der bayerische Landesvorsitzende Petr Bystron sagte der "FAS", Höckes bisherige Äußerungen seien keine Ausrutscher gewesen. "Wenn er solche Sachen verbreiten will, muss er sich eine andere Plattform suchen", sagte Bystron.

"Hochgefährliche Vulgär-Rassisten"

Zwischen der AfD-Bundesspitze und Höcke hatte es bereits mehrfach Streit gegeben, weil die Bundesspitze seine Äußerungen als zu rechts empfand. Die frühere AfD-Führung um Parteigründer Bernd Lucke hatte deshalb ein Ausschlussverfahren gegen Höcke angestrengt. Dieses Verfahren war aber nach der Spaltung der Partei und dem Auszug Luckes im Juli beendet worden.

Scharfe Worte findet der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Er nennt die AfD "eine Bande von Zynikern und geistigen Brandstiftern". Politiker wie Höcke seien "hochgefährliche Vulgär-Rassisten", sagte Oppermann. Zugleich erhob der SPD-Politiker Vorwürfe gegen CDU und CSU wegen des Erstarkens der AfD. "Der Erfolg der AfD ist Ausdruck eines eklatanten Versagens der Union." Er sehe keinen Unionspolitiker, der in eine konfrontative Auseinandersetzung mit der AfD gehe und klar Stellung beziehe.

yes/AFP

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