Angebliche Gewaltfantasien AfD-Politiker Arppe tritt nach geleakten Chatprotokollen zurück

Für die AfD saß er im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Nun ist Holger Arppe zurückgetreten. Nach Recherchen vom NDR und der "taz" soll er sich für einen gewalttätigen Umgang mit politischen Gegnern ausgesprochen haben.

AfD-Politiker Holger Arppe
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AfD-Politiker Holger Arppe


Wegen angeblicher gewaltverherrlichender Chatprotokolle verlässt der mecklenburg-vorpommersche AfD-Fraktionsvize Holger Arppe Partei und Fraktion. AfD-Landeschef Leif-Erik Holm bezeichnete diese Reaktion in Schwerin als "einzig richtigen Schritt". Es habe ihn zutiefst schockiert, was in den Protokollen zu lesen sei. "Was wir vorgelegt bekommen haben, ist haarsträubend bis ekelerregend, und ich kann nur sagen, so etwas gehört nicht in unsere Partei", sagte Holm, der selbst Chef der AfD-Landtagsfraktion ist und im September für den Bundestag kandidiert.

Die Chatprotokolle waren dem NDR nach dessen Angaben anonym zugespielt worden. Dem Sender zufolge beinhalten sie unter anderem Nachrichten, in denen Arppe sich für einen gewalttätigen Umgang mit politischen Gegnern ausspricht. In einem Chat vom 17. März 2012 fantasierte Arppe laut den Chat-Protokollen, wie er mit einem Freund gegen einen Bekannten vorgehen könnte: "Vielleicht sollten wir (Name) Mutter entführen, sie brutal vergewaltigen lassen von einem wilden Schimpansen und ihm (dem Bekannten) dann jeden Tag einen Finger zuschicken." In einem weiteren Protokoll habe er zudem über den sexuellen Missbrauch von zehnjährigen Kindern fantasiert.

Arppe war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahmen zu erreichen. In der Onlineausgabe der rechtsradikalen Wochenzeitung "Junge Freiheit" wird er mit dem Satz zitiert: "Von den mir unterstellten Äußerungen distanziere ich mich ganz klar." Seinen Rücktritt begründete er damit, die Partei vor Schaden bewahren zu wollen.

Arppe, der dem rechtsnationalen AfD-Flügel zugerechnet wurde, hatte in der Vergangenheit mit öffentlichen Äußerungen mehrfach für Aufsehen und Kritik gesorgt. Sein Landtagsmandat will der 44-Jährige dem Vernehmen nach als fraktionsloser Abgeordneter behalten. Bei den Protokollen soll es sich um Kopien von Arppes privaten Facebook-Nachrichten aus den Jahren 2011 bis 2017 im Umfang von rund 12.000 Seiten handeln.

bam/dpa



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