Neuer Bundestag So rechts ist die AfD-Fraktion

Die AfD stellt künftig eine große Fraktion im Bundestag - auch wenn Parteichefin Petry nicht dazugehören will. Wer sind die neuen Abgeordneten der Rechtspopulisten?

Alexander Gauland, Alice Weidel
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Alexander Gauland, Alice Weidel

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Diesen Erfolg hatte selbst die AfD-Führung nicht erwartet. Mit 12,6 Prozent und 94 Abgeordneten zieht die Partei erstmals seit ihrer Gründung 2013 in den Bundestag ein. Doch bereits am Tag nach der Wahlnacht schrumpfte die künftige Fraktion: Parteichefin Frauke Petry verkündete am Montag, sie wolle ihr nicht angehören.

Petry verlässt die Bundespressekonferenz - links Personenschützer, rechts ihr Büroleiter Lang
REUTERS

Petry verlässt die Bundespressekonferenz - links Personenschützer, rechts ihr Büroleiter Lang

Überraschend war das für die AfD-Führung um Parteivize Alexander Gauland und Co. nicht. Nur der Zeitpunkt und die Art und Weise ihres Abgangs - auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gauland, Alice Weidel und Ko-Parteichef Jörg Meuthen - kam unerwartet.

Schon seit geraumer Zeit gab es im Anti-Petry-Lager die Vermutung, die sächsische Landes- und Fraktionschefin wolle sich mit Getreuen abspalten und eine eigene Gruppe im Parlament um sich scharen. So weit ist es - noch - nicht. Aber es bleibt abzuwarten, wer am Ende von den nunmehr 93 Abgeordneten der AfD-Fraktion noch angehören wird.

Der Plan sah bislang vor, dass sich die Fraktion noch diese Woche konstituiert. Weidel und Gauland haben sich den Abgeordneten als Doppelspitze angeboten. In der künftigen Fraktion wird ein starker Rechtsaußen-Block vertreten sein - darunter Vertraute des Thüringer Hardliners Björn Höcke, der selbst nicht für den Bundestag kandidierte. Auffallend ist die geringe Zahl der Frauen. Ohne Petry sind es noch zehn Parlamentarierinnen.

Es zeigt sich auch, dass die Partei für die "kleinen Leute", wie sie AfD-Vize Gauland gerne nennt, in der Fraktion eine Ansammlung mehrheitlich von Akademikern ist. Viele AfD-Abgeordnete haben studiert, auffallend oft finden sich darunter Juristen, Anwälte, Professoren, IT-Spezialisten, Wirtschaftswissenschaftler und Angehörige anderer akademische Berufsgruppen.

Lesen Sie hier, wer die AfD im Bundestag vertreten wird:

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thoms1957 25.09.2017
1. Aus der Geschichte lernen!
Aus der Geschichte lernen, das gilt auch für die neue Rechte. Da ist es nicht verkehrt, sich mal früher bereits erfolgreiche Strategien der Rechten anzuschauen. Zitat: Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahmzulegen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren. Wenn es uns gelingt, bei diesen Wahlen 60 oder 70 Agitatoren und Organisatoren unserer Partei in die verschiedenen Parlamente hineinzustecken, so wird der Staat selbst in Zukunft unseren Kampfapparat ausstatten und besolden. Eine Angelegeneheit, die reizvoll und neckisch genug ist, sie einmal auszuprobieren... Wir kommen nicht als Freunde, auch nicht als Neutrale. Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir! Goebbels in einem Leitartikel des Völkischen Beobachter am 30. April 1928 Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen!!
Advo67 25.09.2017
2. Mir wird Angst und Bange ...
... nicht wegen der 13% verblendeter, angeblicher "Protestwähler", die diesen Bauernfängern auf den Leim gegangen sind, die Rechtsradikalen ein zu Hause bieten und ihr Geschäft mit dem Schüren von Hass und der Verbreitung von Angst betreiben. Wirklich besorgniserregend ist, dass Gauland & Co. nun auch noch den Bundestag als Plattform nutzen können, um ein Gedankengut und eine Rhetorik salonfähig machen, die das Potenzial hat, weitere Kreise der Bevölkerung mit unfundierten, polemischen Hasstiraden einzufangen. So etwas in ähnlicher Art hatten wir ja schon vor ca. 75 Jahren. Da wurde auch eine gewisse Partei gewählt ... mal so aus Protest und Unzufriedenheit mit dem Establishment. Auch damals hatte man nicht aufgehört, den Leuten einzureden, bestimmte Minderheiten seien Schuld an allem Möglichen. Leider sind zu viele darauf reingefallen. Ihr AfD-ler, versteht bitte mal, dass es nicht "euer" Deutschland ist, dass ihr "euch" zurückholen wollt. Gauland & Co. sollen unser Deutschland gefälligst in Ruhe lassen. Es ist tausendmal schöner und besser als das hasserfüllte Deutschland, das ihr gerne hättet! Ich wohne lieber neben Boateng, Mustafa, Jim, Francois, Aishe oder Ekatarina als neben einem dieser Rechtsradikalen.
stimmvieh_2011 25.09.2017
3. Letztlich geht es der Partei nur um Pfründe
Ein Haufen Akademiker hat ausgeklügelt wie man eine Bewegung startet, Wähler sammelt und sich dann Pfründe im Parlament sichert. Wenn die Wähler wüssten, welche Ideen die Partei zum Thema Sozialstaat und soziale Gerechtigkeit haben, die gerade ihre eigenen Wählerschichten bis ins Mark treffen würden, wäre anders gewählt worden. Aber davon hat leider niemand geredet, stattdessen hat diese Partei die Themen gesetzt. Und die Medien sind wie pavlovsche Hunde hinterher gehetzt, ohne Intelligenz und Klugheit walten zu lassen. Die Medien sind Gehilfen dieser Partei.
DieHappy 25.09.2017
4.
Ich bin alle 37 Personen durchgegangen und kann nur sagen, wahrlich ein "Kabinett zum Gruseln". Jetzt sitzt nicht nur Putin über Bande mit im Bundestag, sondern auch Gestalten rund um den Kopp Verlag, "alternativer Medizin, die "Wahrheitspresse" Compact sowieso, und eben die Fraktion: "ich habe mir geschworen die 30 Parteien aus D. hinauszufegen," ach ne verwechselt, "Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet in D. ,...." Immer wenn ich mir Herr Poggenburg ohne Anzug vorstelle, denke ich mir: das hast du doch schon irgendwo schon mal gesehen.
franzkanns 25.09.2017
5. gruselig!
Vielen Dank ihr 13%. Das ist wirklich gruselig was sich da zukünftig im Parlament tummelt. Wie kann man, wenn man noch alle Sinne besammen hat, solche Gestalten wählen. Das kann doch auch nur mit irgendwelchen Machtfantasien des kleinen Mannes einher gehen.
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