Wahlerfolg der Rechten Ich bin das Volk!

Nur knapp 13 Prozent haben die AfD gewählt - also alles nicht so schlimm? Von wegen. Für Menschen mit Migrationshintergrund wird es übel. Dagegen müssen wir uns wehren.

Anti-Fremdenhass-Demonstration Berlin, Dezember 2016
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Anti-Fremdenhass-Demonstration Berlin, Dezember 2016

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In Sachsen ist die AfD jetzt stärkste Kraft, in Ostdeutschland auf dem zweiten Platz, bundesweit Nummer drei. Die allermeisten, das belegen Umfragen, haben sie nicht in der Hoffnung gewählt, dass diese Partei die Wirtschaft stärkt, sich für bessere Bildung einsetzt, soziale Ungerechtigkeiten bekämpft, überhaupt irgendetwas Konstruktives für Deutschland und die Gesellschaft leistet - sondern weil sie Angst vor "Überfremdung" schürt und gegen jeden und alles hetzt, was irgendwie fremd ist.

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Heft 55/2017
Nach der Wahl: Die AfD überrollt die Volksparteien

Wer die AfD gewählt hat, ist also in erster Linie nicht um bezahlbare Wohnungen, um gute medizinische Versorgung oder um eine solide Alterssicherung besorgt, sondern er will nicht, dass Menschen wie ich in Deutschland leben. Nur weil wir eine dunklere Hautfarbe haben. Wie sonst kann man die Aussage mehrerer AfD-Politiker verstehen, sie würden "kaum noch Deutsche auf der Straße sehen"? Zuletzt sagte das AfD-Chef Jörg Meuthen in der "Berliner Runde" am Wahlabend, woraufhin Bundeskanzlerin Angela Merkel die einzig richtige Antwort parat hatte: "Ich kann auf der Straße nicht erkennen, wer einen deutschen Pass hat und wer nicht."

Man muss diesen Menschen ganz deutlich sagen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit niemals die Antwort auf ihre "Sorgen und Nöte" sein werden. Bitter genug, dass so manche Partei im Wahlkampf auf den Zug aufgesprungen ist und Flucht und Migration nur als "Problem" thematisiert hat. In Zukunft dürfte es noch schlimmer werden. Es steht zu befürchten, dass die CSU jetzt fordern wird, man müsse wieder nach rechts rücken, um die Wähler, die man an die AfD verloren habe, zurückzugewinnen. Man wird, einmal wieder, die eigenen christlichen Werte und das Bekenntnis zu einer pluralistischen, weltoffenen Gesellschaft vergessen und in rechte Polterei verfallen. Schon tönt CSU-Chef Horst Seehofer, man müsse "national orientierten Menschen" eine Heimat bieten.

Die Begleitmusik des rechten Aufstiegs bekomme ich seit einiger Zeit zu spüren. Wie oft habe ich in den zurückliegenden Monaten gehört, dass Menschen wie ich gefälligst dankbar zu sein und still unsere Arbeit zu verrichten hätten, damit wir dem Staat nicht auf der Tasche liegen, aber bitte keinem "richtigen Deutschen" die Arbeit wegnehmen sollten, denn das wäre ja wohl noch schöner? "Warum bist du Kanake Journalist für ein deutsches Medium? Warum darf so einer wie du das deutsche Volk belehren?", schrieb mir einer vor ein paar Tagen. Ansonsten sollte ich "die Fresse halten" oder mich "verpissen, da wo du herkommst", wie mir am Wahlsonntag ein AfD-Anhänger schrieb. Noch am Sonntagnachmittag ließ mich ein anderer AfD-Fan wissen: "Ab heute gibt es für Leute wie dich nur noch einen Platz in Deutschland: AM GALGEN!!!!"

Seit Sonntagabend, nach Bekanntwerden des Wahlerfolgs, gibt es kein Halten mehr. Mit "Ausländer raus!"- und "Ab heute weht ein anderer Wind, Drecksmusel!"-Ausrufen verschaffen diese Leute sich Luft. Die Anzahl derer, die glauben, dass dieses Drohen und Pöbeln im Schutze der Anonymität eine angemessene Form der Auseinandersetzung ist, hat schon in den vergangenen Jahren beängstigendes Ausmaß angenommen. Wahrscheinlich nimmt das jetzt, nach diesem Wahlergebnis, noch zu.

Das alles schmerzt, denn obwohl die Mehrheitsgesellschaft diesen Rechtsruck durchaus mit Sorge sieht, fühlt man sich von ihr oft im Stich gelassen. Sie bekommt nicht mit, mit welchem Hass wir konfrontiert sind. Äußert man das, ist man wahlweise "weinerlich", stilisiert sich zum "Opfer" oder will nur Aufmerksamkeit. Strafanzeigen laufen fast immer ins Leere. Manche rufen zu Gelassenheit auf, aber das ist leicht gesagt, wenn man nicht betroffen ist.

Doch wir dürfen diese Drohungen nicht akzeptieren. Wer hasserfüllt redet und schreibt, der bereitet der physischen Gewalt den Weg. Und wer glaubt, dass wir das hinnehmen, uns unsichtbar machen, gar Deutschland den Rücken kehren, der täuscht sich gewaltig.

Ich werde für mein schönes, freies, tolerantes, liberales Deutschland streiten. Ich werde nicht schweigen. Ich bin 87 Prozent. Ich bin das Volk.



insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
DougStamper 25.09.2017
1. Herr kazim,
Zunächst einmal möchte ich mich für meine mitsachsen entschuldigen. Sie glauben mir nicht wie sehr ich mich für die 30 % meiner Mitbürger schäme. Nach der Wende wurde dieses Bundesland auch mit den Steuern der vielen Gastarbeitern aufgebaut, kein Dank, keine Erinnerung, nur Wut und Hass auf alles was man nicht kennt. Ich kann Ihnen aber versichern, auch hier gibt es die 70 % die diese neue braune Schande nicht gewählt haben. Sie sind mein bevorzugter Journalist auf spon. Und ich würde 10000 AFD Wähler gegen einen wie sie eintauschen wenn ich könnte. Bleiben sie dran, benennen sie das Unrecht was ihnen widerfährt, wenn Polizei und Gerichte nicht helfen, dann hier auf spon, um zumindest darauf aufmerksam zu machen. Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit.
LaNonna 25.09.2017
2. Mir ist auch übel!
Wir 87% müssen mehr Farbe bekennen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit! Alle, immer und immer wieder und überall! Kein Verständnis für rechte Parolen.
trackingerror 25.09.2017
3.
Ein emotional ansprechender Artikel. Es ist zu hoffen, dass dieser Appell bei den Menschen nachwirkt. So unangenehm die Situation nun sein mag: es gilt gelassen zu bleiben und einen kühlen Kopf zu wahren. Erstens: vielleicht ist der AfD-Effekt lediglich temporär und das Gros dieser Wähler kommt wieder zur Besinnung, weil auch sie irgendwann verstehen, dass Rassismus nicht der friedliche Weg sein kann. Zweitens: vielleicht kommt sie nicht zur Besinnung und Rassismus wird in Deutschland immer mehr und mehr salonfähig. Für diesen Fall seien Sie versichert: in eine Opferrolle wie die Juden werden sich die "Ausländer" und Ausländer hierzulande sicher nicht begeben. Sobald eine kritische Masse erreicht ist, werden sich diese Menschen zur Wehr setzen. Blutig. Dessen seien Sie versichert. Ich bete zu Gott, dass es nicht soweit kommen wird.
cat69 25.09.2017
4. Namens meiner Landsleute entschuldige ich mich bei ihnen
für deren Einstellung, Bildungsniveau und natürlich auch Tonlage. Möge ihnen helfen, beim Spiegel werden die auf anspruchsvollen und entsprechend dotierten Posten nie sitzen. Sie werden das System und die Ungerechtigkeit überhaupt verantwortlich machen, natürlich nie sich selbst. Mehrheiten werden sie nicht erlangen weil sie zu dumm sind sich entsprechend zu organisieren. Also Kopf hoch. Ich kann ja nicht sagen, seien sie mit willkommen. Sie könnten mir ja das Gleiche entgegnen. Abschließend, Migration ist nicht zwingend ein Problem, bedarf aber einer gewissen Regelung ?
L_P 25.09.2017
5. Nix Neues
Die Debatte, wer zum deutschen Volk gehört und wer nicht, ist ziemlich müssig. Die wenigsten potentiellen Diskussionsteilnehmer wissen, was eine Clusteranalyse ist und was sie macht. Ohne dieses Wissen ist die Diskussion von Gruppenzugehörigkeiten zwischen schwierig und unmöglich. Eine messerschafte Abgrenzung gibt es nicht. Aber fliessende Grenzen in Form von Ähnlichkeitsabstufungen. Letzten Endes gehören zu einer Gruppe immer nur Personen, die von den anderen Gruppenmitgliedern akzeptiert werden. Ob Sie akzeptiert werden oder nicht, bestimmt gewiß nicht die AfD. Und: Was zum Teufel ist am deutschen Volk so geil, dass alle dazugehören wollen, sobald Rechtspopulisten auftrauchen? Wenn keine Rechtspopulisten am Start sind, drängt es kaum jemanden nach patriotischer Positionierung. Weiterhin empfehle ich mal ruhig durchzuatmen und einen Gang runter zu schalten. Weitere Eskalation ist angesichts der fehlenden Möglichkeiten einer stabilen Regierungsbildung hochriskant.
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