AfD-Landeschef Hampel Ausgedient

Beim Parteitag der niedersächsischen AfD kämpft Armin-Paul Hampel an diesem Wochenende um seinen Chefposten. Nun gibt es Zweifel an seinem Lebenslauf: Hat er seine Karriere bei der Bundeswehr geschönt?

Armin-Paul Hampel
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Armin-Paul Hampel

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An diesem Wochenende trifft sich der niedersächsische AfD-Landesverband zum Parteitag - und es könnte das letzte Gefecht des amtierenden Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel werden. Der frühere ARD-Korrespondent, mittlerweile Bundestagsabgeordneter, will noch einmal für die Parteispitze kandidieren. Doch in den vergangenen Monaten hat sich erheblicher Widerstand gegen ihn formiert.

Eine zentrale Rolle im Machtkampf dürfte neben den Beschwerden der Parteifreunde über Hampels Finanzgebaren und seinen autoritären Führungsstil die Frage sein, ob Hampel über seine Karriere in der Bundeswehr womöglich falsche Angaben gemacht hat. In der AfD, die besonders viele aktive und ehemalige Soldaten zu ihren Anhängern zählt, ist es ein gravierender Vorwurf, sich mit solchen falschen Lorbeeren zu schmücken. Die Gerüchte, Hampel könnte seinen militärischen Lebenslauf geschönt haben, kursieren bereits seit Monaten.

Der AfD-Mann spricht gern über seine vielfältigen Erfahrungen als Soldat, präsentiert sich als Fan der Bundeswehr und strammen Reservisten, sogar als Insider der Truppe. Viele Reserveoffiziere wundern sich über dieses Auftreten, denn Hampels tatsächliche militärische Bilanz ist dürftig.

Keine "militärische Ausbildung im engeren Sinne"

Die internen Archive der Bundeswehr zeigen, dass der frühere Journalist Anfang der Achtzigerjahre seine Wehrpflicht bei den Feldjägern ableistete und als Obergefreiter entlassen wurde - seither erlebte die Truppe ihn praktisch nur noch als Berichterstatter über Auslandseinsätze.

Aktive Reserveoffiziere nehmen fast jedes Jahr an Reserveübungen teil, Hampels letzte reguläre Wehrübung fand nach Bundeswehrdaten Anfang der Zweitausenderjahre statt. Damit gehört er für die Bundeswehr zur sogenannten allgemeinen Reserve, die nur im absoluten Notfall aktiviert würde.

Hampel selbst erklärt, er sei sehr wohl Reservist, sogar Mitglied im Verband. Er habe sich an mehreren "VIP-Wehrübungen" beteiligt, wie sie die Bundeswehr regelmäßig für Prominente, Politiker und Journalisten anbietet. Auf diesem Wege sei er zum Kapitänleutnant befördert worden, "ein Dienstgrad, der meinem Berufsbild angepasst war". Schließlich habe er als Journalist jahrzehntelang über die Bundeswehr und Sicherheitspolitik berichtet. Aber nein, räumt Hampel ein, eine "militärische Ausbildung im engeren Sinne" habe er nicht absolviert.

Trotzdem bezeichnet sich Hampel in seinem Profil auf der Bundestagsinternetseite und im "Kürschner", dem Abgeordnetenhandbuch, als "Kapitänleutnant der Reserve". Über nennenswerte Kenntnisse oder Erfahrung in Seekriegsführung verfügt er wohl nicht. Sein Wissen dürfte sich vor allem auf eine Fernsehreportage beschränken, die er 1987 auf einem U-Boot drehte. Ihr Name: "Typen, Tender und Torpedos".



insgesamt 21 Beiträge
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Neapolitaner 06.04.2018
1. Wie man vom Obergefreiten zum KaLeu
befördert werden kann, erschließt sich mir nicht. Lt. Wikipedia entspricht der Rang dem eines Hauptmanns (typ. Kompaniechef). Da liegen noch einige Beförderungen dazwischen... Es geht wohl eher um das Gebaren Hampels in der AfD. Wenn man den Berichten folgt, hat er den LV Niedersachsen wie Privateigentum (seines) behandelt. Das soll wohl nun ein Ende finden.
rainer82 06.04.2018
2. Das Schlimme ist doch,
dass sich nichts bei der AfD ändert, wenn so ein fragwürdiger Zeitgenosse ausgemustert wird. Dann wird ein ähnlich zwielichtiges Kaliber ins Amt gehievt, das nur anderen Dreck am Stecken hat. Saubere Demokraten und konservative Verfechter eines weltoffenen Rechtsstaates hat diese Partei nicht zu bieten. Ehrbare Zeitgenossen suchen sich doch lieber eine unserer seriösen Parteien als ihre politische Heimat aus!
geri&freki 06.04.2018
3. Alles höchst rätselhaft
Nicht nur, dass es sich bei den Feldjägern normalerweise nicht um Wehrpflichtige, sondern um Zeitsoldaten handelt. Dann der Sprung vom Wehrpflichtigen zum höherrangigen Reserveoffizier. Und zuletzt auch noch der Quereinstieg vom Heer (Feldjäger!) zum Marineoffizier. Und das alles mit einigen Reserve-Übungen???
n.strohm 06.04.2018
4. Als Obergefreiter entlassen ?
Das ist ein Mannschaftsdienstgrad. Ein Kapitänleutnant (KaLeu) ist ein Offiziersdienstgrad der Marine, entspricht dem Hauptmann beim Heer. Dazwischen liegen noch die Dienstgrade der Unteroffiziere. Da muss er wohl unheimlich gute Beziehungen gehabt haben.... Fazit: "Kein Offizier und kein Gentlemen"
Oihme 06.04.2018
5. Das geht!
Schon zu meiner Zeit gab es Zeitsoldaten und auch Wehrpflichtige, die als Obergefreite, Feldwebeldienstgrade oder sogar Offiziere eingestellt wurden und dabei tw. ganze Dienstgradgruppen übersprangen. Wer beispielsweise ausgebildeter Mediziner war, leistete seine Wehrpflicht regelmäßig als Stabsarzt (Hauptmann) ab, Geologen oder Meterologen als Hauptfeldwebel. Auch heute ist die Umwandlung eines vorläufigen in einen endgültigen Dienstgrad insbesondere für Reserveoffiziere kein großes Thema (§ 43 Abs. 3 der Soldatenlaufbahnverordnung). Und das selbst für Seiteneinsteiger, die keine Sekunde lang Wehrpflichtige waren.
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