Problematische Vergangenheit AfD-Mann tritt Alterspräsidenten-Amt im sächsischen Landtag nicht an

Gerade noch hat die AfD ihren Wahlerfolg in Sachsen gefeiert - nun folgt der erste Rückschlag: Ein Abgeordneter der Partei wird ein Amt im Landtag nicht antreten. Hintergrund soll die Vergangenheit des 70-Jährigen sein.


Hamburg/Dresden - "Sachsenmut stoppt Moslemflut": Mit diesem Slogan hat die rechte Wählervereinigung "Arbeit, Familie, Vaterland" laut "Tageszeitung" ("taz") um Stimmen und Mitglieder geworben. In ihrem Programm war demnach von einer "Brechung der Parteienherrschaft" die Rede. Detlev Spangenberg soll 2008 für die Vereinigung als Kandidat angetreten sein. Heute ist er Mitglied der erzkonservativen AfD in Sachsen - und sollte nach dem Wahlerfolg vom vergangenen Sonntag ein Amt im Landtag einnehmen.

Dem 70-Jährigen wäre der Posten des Alterspräsidenten im sächsischen Landtag zugefallen, weil er der älteste Abgeordnete dort gewesen wäre. Doch die AfD verzichtet nun auf das Amt. Grund dafür soll die rechtsgerichtete Vergangenheit des Abgeordneten aus Radebeul sein. Der AfD-Parlamentsgeschäftsführer Uwe Wurlitzer sagte der Zeitung: "Wir sind ziemlich angefressen. Er hätte uns über die Vereinigung informieren müssen."

Dem Bericht zufolge war Spangenberg neben seiner Kandidatur für "Arbeit, Familie, Vaterland" auch Vorsitzender des "Bündnis Freiheit und Demokratie", bevor er zu den Eurokritikern stieß. Das Bündnis habe laut "taz" auf seiner Internetseite - die diese Woche vom Netz genommen worden sei - die "Wiederherstellung der völkerrechtlichen Grenzen von 1937" gefordert. Spangenberg distanziert sich von dieser Forderung und legt Wert auf die Feststellung, dass er damals von der Seite und ihren Inhalten nicht gewusst habe. Laut AfD-Fraktionsvorsitzender Frauke Petry sei die Seite manipuliert worden. Spangenberg soll trotzdem Mitglied der AfD-Fraktion bleiben, teilte die Partei weiter mit.

Rockmusiker aus dem rechtsextremen Milieu

Die eurokritische Alternative für Deutschland war bei der jüngsten Wahl in Sachsen auf fast zehn Prozent der Stimmen gekommen, 14 AfD-Abgeordneten zogen damit in den sächsischen Landtag ein. Damit sind die Erzkonservativen erstmals überhaupt in einem Landesparlament vertreten. Auch bei den anstehenden Wahlen in Thüringen und Brandenburg können sie auf gute Ergebnisse hoffen. Immer wieder steht die Partei allerdings in der Kritik, Mitglieder mit rechtem Weltbild zu tolerieren.

Einem MDR-Bericht zufolge steht etwa ein AfD-Mitglied aus dem Kreisverband Zwickau dem rechtsextremistischen Milieu nahe. Das habe ein Kreisvorstandsmitglied bestätigt. Der Rechtsrocker gehörte dem Bericht zufolge unter anderem zur rechtsextremen Band "Blitzkrieg". Sein eigenes Label kooperiere eng mit bekannten Neonazi-Musiklabeln und -Versandfirmen.

Die sächsische Spitzenkandidatin der AfD, Frauke Petry, erklärte laut dem Fernsehsender, die AfD hätte nach der Eintrittswelle neue Mitglieder nur geringfügig überprüfen können. "Wir wollen jetzt aber alle möglichen Mittel ergreifen, um uns mit diesem Noch-Mitglied auseinanderzusetzen", kündigte Petry demnach an.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version, die auf einer Agenturmeldung beruhte, waren die Stellungnahme von Detlev Spangenberg sowie die Mitteilung von Frauke Petry noch nicht enthalten.

vks/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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kappelc 03.09.2014
1. Überprüfung
Die AfD muss unbedingt ihren Laden in den Griff bekommen und notfalls jedes einzelne Mitglied überprüfen. Ansonsten wird es immer wieder solche aufgebauschten Skandale geben! Gleichzeitig sollte man solche Einzelfälle nicht auf die gesamte Partei übertragen. Auch in den anderen Parteien gab und gibt es einzelne "schwarze oder auch braune Schafe". Nur wird bei denen eben nicht so ein Aufriss gemacht!
Wilfried Schmidt 03.09.2014
2. Den eisernen Besen
wird die AFD bestimmt noch einige Male in die Hand nehmen müssen. Aber besser jetzt als nie. Schaue ich in die Geschichte von CDU/ CSU da gab es schon ganz andere Kaliber.
norman.schnalzger 03.09.2014
3. Komisch
Passiert nur der AfD. Die sind aber nicht rechts, wird behauptet, nur die Mitglieder sinds
rainer82 03.09.2014
4. Eine Attraktion für braunes Gesindel
ist die AfD. Mit ihren völkischen Positionen und fremdenfeindlichen Parolen zieht sie diese Typen magisch an, um sich dann nach Aufdeckung solcher personellen Skandale ganz verwundert zu geben. Scheinheiligkeit pur!
bumminrum 03.09.2014
5. Bitte auch
über die kriminellen linken Kandidaten im Landtag berichten. Frau Nagler aus Leipzig demonstriert in Leipzig Connewitz regelmäßig gegen die neue Polizeiwache, die aufgrund der ständigen Randale und Zerstörungen der linken autonomen Spinner eingerichtet wurde. Dazu ist sie aktiv bei diesen sogenannten Demos gegen Rechts, die als Anlaufstelle und Alibi für die linken Kravalltouristen aus dem gesamten Bundesgebiet dienen. Diese Dame ist übrigens die einzige Direktkandidatin im Landtag ausserhalb der CDU in ganz Sachsen. Es ist festzuhalten, dass die Zerstörungen durch die linken Gegendemonstranten deutlich höher sind als die paar rechten Demonstranten.
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