Richtungsstreit AfD-Fraktion in Thüringen droht der Bruch

Elf Mitglieder zählt die AfD-Fraktion in Thüringen - schon bald könnten es zwei weniger sein. In einem Brief drohen mehrere Abgeordnete zwei Kollegen mit dem Ausschluss. Hintergrund ist offenbar der Richtungsstreit um den Umgang mit Pegida.

Thüringer AfD-Landessprecher und Fraktionschef Björn Höcke: Er bestreitet interne Querelen
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Thüringer AfD-Landessprecher und Fraktionschef Björn Höcke: Er bestreitet interne Querelen


Erfurt - Die Spannungen innerhalb der AfD-Landtagsfraktion in Thüringen nehmen zu. Nach Informationen der "Thüringer Allgemeinen" sollen die Abgeordneten Jens Krumpe und Oskar Helmerich diszipliniert werden.

Die Mehrheit der Fraktion forderte beide schriftlich auf, ihre Sitze in den Fachausschüssen des Parlaments aufzugeben. In dem Brief sei Krumpe und Helmerich auch der Ausschluss aus der Fraktion angedroht worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Parteikreise. Die AfD stellt elf Abgeordnete im Erfurter Landtag.

Fraktionschef Björn Höcke sagte der "Thüringer Allgemeinen", er äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten. Der Vorgang habe aber nichts mit dem Streit um die Ausrichtung der AfD zu tun.

Allerdings wurde das Schreiben an Krumpe und Helmerich von allen Abgeordneten unterzeichnet, die auch hinter der sogenannten Erfurter Resolution stehen, mit der sich der Fraktionsvorsitzende Höcke gegen den wirtschaftsliberalen Kurs von Bundeschef Bernd Lucke gewandt hat. In dem Papier wird eine Anpassung der AfD an die "Altparteien" beklagt und eine stärkere Nähe zu Bewegungen wie Pegida gefordert.

Krumpe, Helmerich und der Abgeordnete Siegfried Gentele unterzeichneten eine Gegenresolution, die Höcke eine Spaltung der Partei vorwirft. Zuvor hatten Helmerich und Krumpe ihre Sitze im Landesvorstand niedergelegt und auf dem AfD-Parteitag vor zwei Wochen die Spitze attackiert. Beide Resolutionen sollen bisher jeweils 1500 Unterstützer gefunden haben.

Kontakte zum Neonazi Thorsten Heise

Der Streit eskaliert aber noch auf anderer Ebene. Inzwischen wird sogar in der AfD die These vertreten, dass Höcke hinter dem Autoren mit dem Pseudonym "Landolf Ladig" stecken könnte, der 2012 in NPD-Blättern Beiträge publizierte. Der Blogger und Soziologe Andreas Kemper behauptet, dass einige von Ladigs Wortwendungen sonst nur in Höckes Reden vorkämen. Auch werde das Wohnhaus des Fraktionschefs im Eichsfeld in einem der Beiträge genau beschrieben.

Herausgeber eines der Blätter ist der mehrfach vorbestrafte Thüringer Neonazi Thorsten Heise, zu dem Höcke Kontakt pflegt, den er als rein privat und nachbarschaftlich bezeichnet. Der Fraktionschef dementierte entschieden, etwas mit den Veröffentlichungen zu tun zu haben. "Das ist an den Haaren herbeigezogen, um mir zu schaden", sagte er der "Thüringer Allgemeinen".

syd

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unparteiischeschweizerin 26.03.2015
1. Hanebüchen
ist der Versuch, Höcke mit "Landolf Ladig" in Verbindung zu setzen. Aber es entspricht dem unsäglichen parteiinternen Gebaren eines Lucke und seiner Diener, im Zuge des Wegbeissens gefährlich guter Repräsentanten der Parteibasis zu solchen Mitteln zu greifen. Unrechtmässige Strafanzeigen, Einflussnahme auf Schiedsgerichte bis zum Hinauspressen von Bundesschiedsrichtern aus dem Amt (Causa Würdig), öffentliche Diskreditierungen, jetzt die Hinweise auf Ladig - all dies gehört zum traurigen Repertoire der Führung. Und die neue Satzung verspricht nichts Gutes. Denn in Bremen haben über 2000 Teilnehmer basisdemokratisch darüber abgestimmt, dass sie auf ihre demokratischen Grundrechte verzichten. Es wird höchste Zeit, die AfD zurechtzurücken. Dies wird nicht ohne personelle Konsequenzen gehen können, so sehr auch die Mitglieder die Aussenwirkung bestimmter Personen weit höher schätzen als Ethik und Moral. Deutschland braucht keinesfalls eine weitere Ein-Führer-Partei.
friedrich_eckard 26.03.2015
2.
Die Lüüügenpresse sucht wieder einmal im Interesse der Blockparteien Stimmen zu machen gegen die Teebeutelz, die in Wirklichkeit einig, einig, einig sind und edel, hilfreich und gut sowieso, und die die schweigende Mehrheit des Pfolkes hinter sich wissen... naja. Aber ein Vergleich der von Andreas Kemper in seinem verlinkten Beitrag zitierten Texte von Höcke und "Landolf Ladig" ist wirklich reizvoll, wenn man gerne "vergleichende Stilanlyse" betreibt. Man kann ja seinen Stil noch sehr viel weniger verstellen als seine Stimme: fragen Sie nur den klappernden Mitforisten, der sich hier ständig hinter neuen Forennicks zu verstecken sucht, dem ich aber immer spätestens nach dem zehnten Posting doch wieder 'draufkomme... Was sich da jetzt abspielt, und was sich anderswo fortsetzen wird, war allerdings zu erwarten. Sozialreaktionär und nationalreaktionär sind eben nicht zwei Seiten derselben Medaille, und der nicht nur physisch schmächtige Katheder-Duce hat auch nicht das Format, die auseinanderstrebenden Richtungen zusammenzuhalten. Dann zerlegt Euch mal schön... die Rolle, die den Teebeutelz eigentlich zugedacht war, nämlich: als nützliche Idioten Merkels aus dem rechten Sumpfe genügend Stimmen von diesbezüglichen Sümpflingen zu fischen, die sonst wirkungslos an Splittergruppen oder gar nicht abgegeben worden wären, um die rechnerische rotrotgrüne Mehrheit zu vehindern - diese Rolle werden sie wohl nicht ausfüllen können. Die Umfragezahlen sind schon auf dem Wege in den Keller, in Bremen wird es wohl für den Einzug in die Bürgerschaft schon nicht mehr reichen - und nun, verehrte Liebertotalsrote? Da werden Sie wohl darauf setzen müssen, dass sich an der FDP - falls noch jemand weiss, weer oder was das war - das Lazarus-Phänomen wiederholt...
Senf-Dazugeberin 26.03.2015
3. Liebe AfD-Führung, lieber Dr. Lucke,
bitte schmeisst die Nazis raus aus der AfD. Ich möchte euch wegen eurer wirtschaftlichen Kompetenz, wegen eures Anprangerns der gebrochenen EU-Verträge, wegen eures Pragmatismusses in sooo vielen Punkten (z.B. Volksabstimmungen) auch weiterhin wählen können. Wer eine Nazi-Partei will, soll in die NPD eintreten oder sie wählen. Dafür ist die AfD viel zu wichtig und zu schade.
minsch 26.03.2015
4.
Schön, wenn die sich selbst zerlegen: Dann haben wir ein Radikalenproblem weniger!
derinvestigator 26.03.2015
5. Schluss mit den Grabenkämpfen – vereinter Kampf gegen den Eurowahnsinn!
Gerade jetzt, wo Merkels und Schäubles Eurowahnsinn sich als Schwachsinn demaskiert, bestimmen immer noch abstoßende Grabenkämpfe das Bild der AfD in der Öffentlichkeit. Endlich finden jene Wähler eine politische Heimat, die längst erkannt haben, dass der Euro kein Friedensgarant ist und Frau Merkels stumpfsinnige, „alternativlose Rettungsschirme“ nur zu einer exorbitanten Verschuldung Deutschlands geführt haben, die uns noch auf die Füße fallen wird. Trotz Griechenland-Desasters liegt die AfD gegenwärtig nur bei 6 Prozent, weil der Bevölkerung niemand klarmacht, welche Zahlungen auf sie zukommen. Hier muss die AfD viel aktiver und öffentlichkeitswirksamer werden. Die Aushängeschilder der Partei sind Lucke, Starbatty, Henkel – wegen deren wirtschaftlicher Kompetenz wird die Afd gebraucht, nicht aber die Pegida-Bewegung, die überhaupt kein nachvollziehbares politisches Konzept hat. Die Parteispitze der AfD steht auch für demokratische Erneuerungen wie die Forderung nach Volksabstimmungen, die wir dringend nötig haben. Dafür muss sie von den Mitgliedern und Sympathisanten unterstützt werden. Hingegen ist Abstand zu halten von extremen Rechtspopulisten und auch von Merkel, denn immer wieder versuchen interessierte Kreise (z. B. einige Printmedien) die AfD als potenzielle Unterstützerin von Merkel „anzudenken“. Die Abgrenzungen müssen jedem Wähler klar werden. Der Kampf gegen den Eurowahnsinn ist das Alleinstellungsmerkmal der AfD; einzig und allein damit kann die Partei punkten.
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