Rechtspopulisten AfD-Jugend und Putin-Jugend verbünden sich

Die AfD stärkt ihre Bande nach Moskau: Ihre Jugendorganisation hat nach SPIEGEL-Informationen ein Bündnis mit Putin-treuen Nachwuchspolitikern beschlossen. Parteivize Gauland begrüßt das.

Putin-nahe Organisation "Junge Garde"
AP

Putin-nahe Organisation "Junge Garde"


Die Kontakte der rechtspopulistischen AfD nach Russland vertiefen sich. Vertreter der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) und der Jungen Garde der Putin-Partei Einiges Russland haben nach SPIEGEL-Informationen beschlossen, ein Bündnis einzugehen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.) Offiziell lässt die Junge Alternative verlauten, dass es bereits ein Sondierungsgespräch gab und man für das geplante Jugendnetzwerk weiter das Gespräch mit der Putin-Jugend suchen werde.

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Heft 17/2016
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"Auf dem ganzen europäischen Kontinent werden eurokritische und souveränistische Bewegungen immer stärker", deshalb sei es für die Junge Alternative "selbstverständlich, diese Aktivitäten in einem neuen Jugendnetzwerk zu bündeln", sagte JA-Chef Markus Frohnmaier dem SPIEGEL. "Da dürfe Russland nicht fehlen." In der Außenpolitik müsse Deutschland endlich "seine vitalen nationalen Interessen vertreten" und dürfe nicht "Kindergärtner der Welt" sein.

AfD-Jugend-Chef Frohnmaier
Markus Hintzen/ laif

AfD-Jugend-Chef Frohnmaier

Der russlandfreundliche AfD-Parteivize Alexander Gauland begrüßte das Bündnis: "Ich habe überhaupt keine Bedenken dagegen." Er selbst habe sich auf einer Reise nach St. Petersburg mit dem Kreml-nahen Ideologen Alexander Dugin und einem persönlichen Referenten des russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgetauscht.

Unmut in der Ukraine

Die Nähe der AfD zu Russland sorgt bereits für diplomatische Verstimmungen auf Regierungsebene.

So hat der Botschafter der Ukraine in Berlin, Andrij Melnyk, beim Auswärtigen Amt eine Protestnote eingereicht, weil Markus Frohnmaier und der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell ohne Erlaubnis der ukrainischen Behörden auf die von Russland annektierte Krim reisten. "Eine illegale Einreise auf die Krim ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gravierende Straftat", sagte Melnyk dem SPIEGEL. Die Bundesregierung solle "alle notwendigen Schritte unternehmen, um eine solche Verletzung ukrainischer Gesetze in Zukunft zu unterbinden".

In einer Woche will die AfD auf ihrem Bundesparteitag ein neues Parteiprogramm verabschieden. In mehreren Anträgen werden der Austritt Deutschlands aus der Nato und eine engere Bindung an Russland gefordert.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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Anmerkung der Redaktion: Der letzte Satz des ersten Absatzes wurde nachträglich ergänzt.

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
ontic 23.04.2016
1.
Lupenreine Demokraten unter sich. Passt schon.
jens20505 23.04.2016
2. Ach, ...
... das lohnt doch dar nich' in 2 Jahren ist die AfD eh wieder vergessen. :-)
eunegin 23.04.2016
3. Zündler-Alarm!
Langsam wird es irre, wie diese Populisten nicht nur innerhalb unserer Grenzen zündeln, sondern ihr gefährliches Spiel jetzt auch noch international treiben. Alles, für was unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung steht, was wir uns nach Kriegsende erarbeitet haben, läuft Gefahr, unter die Räder zu kommen. Es wird Zeit zu zeigen, dass auch eine Demokratie wehrhaft sein kann. Autokraten, Neofaschisten und Extremisten jeder Ausprägung dürfen in unserem Land keinen Raum bekommen.
claudio_im_osten 23.04.2016
4. Immerhin wird es Licht...
...um die wirkliche Gesinnung unserer Pegidisten. Deutschland soll aus der Nato austreten und sich Putin anschließen, vielleicht gleich noch mit eigenen Panzern in der Ostukraine auflaufen und dort das Abendland verteidigen gegen die westeuropäischen Zumutungen und schwarzhaarige Flüchtlinge. Da könnten doch die Aktivisten auf dem AfD-Parteitag gleich beantragen, die Mauer wieder aufzubauen, zusammen mit Putin den Warschauer Pakt neu zu gründen und die DDR-Grenzsicherung wieder einzuführen, damit kein Muslim versehentlich über die Elbe kommt? Es ist hilfreich für alle Beteiligten, wenn sie dies jetzt klar aussprechen. Immerhin reicht es für einen Antrag auf dem AfD-Parteitag. Schöne neue (alte?) ostdeutsche Welt...
dieter-klaus.delacroix 23.04.2016
5.
Schon lustig.... Früher ging zwischen die "Linken" und Russland kein Blatt, heute scheinen die Interessen der "Rechten" und Russland besser übereinzustimmen.
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