Radikalisierung der AfD-Jugend "Junge Alternative" soll auf Bundesebene vor dem Aus stehen

Der Streit über rechtsextreme Umtriebe in Reihen der "Jungen Alternative" bedroht die Jugendorganisation der AfD. Einem Bericht zufolge soll sie vor der Spaltung stehen - ganze Landesverbände stehen auf der Kippe.

Anhänger der "Jungen Alternative" bei einer Demo in Dresden (Archiv)
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Anhänger der "Jungen Alternative" bei einer Demo in Dresden (Archiv)


Der Zusammenhalt der AfD-Nachwuchsorganisation "Junge Alternative" auf Bundesebene ist gefährdet. Gemäßigte Kräfte im Bundesvorstand der 1800 Mitglieder starken Organisation planen laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), mehrere Landesverbände aus der JA abzugliedern - und von der Partei als neue Jugendorganisation anerkennen zu lassen.

"Die rechtsradikalen Umtriebe in der JA haben ein Maß erreicht, das der AfD schadet", sagt JA-Vizechef Nicolai Boudaghi aus Nordrhein-Westfalen dem RND. Durch die Ausgliederung sollen die radikalen Landesverbände ihre Anbindung zur Mutterpartei verlieren. Boudaghi ergänzte: "Wenn die JA der AfD schadet, dann muss sie weg."

Der AfD-Bundesvorstand will sich am Montag erneut mit rechten Umtrieben in der Jugendorganisation befassen. AfD-Vizechef Georg Pazderski dem RND: "Es gibt die Möglichkeit, die JA oder einzelne Landesverbände von der AfD abzulösen."

Der Streit über den Umgang mit rechtsextremen Strömungen innerhalb der "Jungen Alternative" schwelt seit Monaten. Die Jugendorganisation wird in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Landesverband Niedersachen löste sich Anfang des Monats auf, da er laut dem JA-Bundesvorsitzenden Damian Lohr unter anderem gegen die Bundessatzung und gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen habe.

Zuletzt hatte sich der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg dazu entschieden, den dortigen Landesverband der "Jungen Alternative" beobachten zu lassen. Der baden-württembergische Landesvorsitzende Moritz Brodbeck hatte deshalb gemeinsam mit vier weiteren Landesvorstandsmitgliedern seinen Rücktritt angekündigt.

"Mit solchen Leuten setze ich mich nicht mehr an einen Tisch"

Ihre Versuche, sich gegen "die immer stärker wachsende politische Verantwortungslosigkeit" zur Wehr zu setzen, seien gescheitert, hieß es in einer Austrittserklärung. "Leider sind diese Versuche einem Radikalisierungsprozess zum Opfer gefallen, der insbesondere in den letzten Monaten noch einmal erheblich an Fahrt aufgenommen hat." In mehreren Bezirksverbänden seien "Parallelstrukturen mit engen Verbindungen zu der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung aufgebaut" worden. Deshalb sei es sinnvoll, eine neue, der AfD verbundene Jugendorganisation zu gründen.

Laut RND wird erwartet, das Brodbeck, Boudaghi und andere in Kürze ihre Vorstandsämter auf Bundesebene niederlegen. Auch JA-Chef Lohr will sich demnach aus der Jugendarbeit zurückziehen. Der Vorstand könnte durch die Rückzüge handlungsunfähig werden.

Zuvor solle aber noch versucht werden, die am wenigsten radikalen Landesverbände herauszulösen, wie der RND berichtet. In der JA werden NRW, Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz genannt. Die Landesverbände im Osten und Süden Deutschlands sei bereits an Rechtsradikale verloren, hieß es unter Berufung auf Vorstandskreise.

Bereits im Juni hatten Boudaghi, Brodbeck und andere laut RND die rechtsradikale Entwicklung beklagt - und in einem Brief an den Bundesvorstand Konsequenzen angemahnt. Beim JA-Bundeskongress im thüringischen Seebach wurden dem Bericht zufolge mehrfach alle drei Strophen des Deutschlandliedes gesungen, zudem habe es heftige verbale Attacken gegen Delegierte gegeben.

Boudaghi, dessen Eltern aus Iran kommen, berichtet laut RND nun auch von persönlichen Angriffen: "Es wird gesagt, man dürfe mir nicht die Hand geben, weil mein Blut unrein sei". In dem Bericht wird er mit den Worten zitiert: "Mit solchen Leuten setze ich mich nicht mehr an einen Tisch."

Im Video: Wie rechts ist die AfD?

dbate.de

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hennersens 21.11.2018
1.
Ich tippe mal Herr Boudaghi wird wohl demnächst eine neue Partei gründen müssen. So wie alle anderen AfD Politiker vor ihm, die versucht haben etwas dem fortschreitenden Radikalisierungsprozess der Partei entgegenzusetzen.
syracusa 21.11.2018
2. Wolf im Schafspelz
Rechtsradikale Umtriebe, die der AfD schaden, müssen weg. Und zwar nicht, weil sie der Ideologie der AfD entgegen stehen, sondern weil die AfD sich dann nicht mehr als Wolf im Schafspelz der bürgerlichen Mitte andienen kann. Nicht nur die JA muss weg, sondern die AfD insgesamt.
isi-dor 21.11.2018
3.
Was dieses Land wirklich am allerwenigsten braucht, ist eine Höcke-Jugend (HJ). Rechtsradikale Umtriebe schaden Deutschland.
burlei 21.11.2018
4. Reine Augenwischerei
Da bekämpft man den Rechtsradikalismus in der JA, in dem man die "am wenigsten radikalen Landesverbände" herauslöst. Das ist in etwa mit der Bemühung gleich zu setzen, den Schimmel auf der Marmelade zu bekämpfen. Der dickste Pelz wird abgekratzt, der Rest ist dann noch genießbar. Tatsächlich ist aber schon die ganze Marmelade vom Schimmel durchsetzt, genau so wie die AfD schon längst den Rechtsradikalen zum Opfer gefallen ist. Man will es nur noch nicht innerhalb und außerhalb der Partei wahrhaben, obwohl die AfD mit Rechtsradikalen paktiert, mit ihnen gemeinsame Sache macht, sie in den eigenen Reihen duldet. Zum Glück ist die Menge der Wähler noch nicht so radikalisiert wie die AfD und diese dümpelt daher wie ihre Vorgänger Reps, DVU und NPD bei den erreichten 15% herum.
fred_m 21.11.2018
5. Selbstzerstörerische Tendenzen in der AfD
Wenn eine Partei in der Opposition schon so zerstritten ist, dann kan man sich vorstellen was passieren wird, wenn sie Regierungsverantwortung übernimmt. Ein gutes Beispiel dafür hat es in den Niederlanden gegeben: drei Minister der "Liste Pim Fortuyn" haben sich im neuen Kabinett einige Monate gestritten, bis sie genervt das Handtuch geworfen haben. Zitat aus Wikipedia: "Die LPF wurde nach erfolgreichen Wahlen vom neuen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende in die Regierung aufgenommen, aber die Unerfahrenheit und Zerstrittenheit der meisten LPF-Parlamentarier untereinander führte schon nach 87 Tagen zum Sturz des Kabinetts. Bei der Neuwahl 2003 brach die Zustimmung der Wähler drastisch ein, die LPF verschwand bei den Parlamentswahlen von 2006 gänzlich aus dem Parlament und löste sich zum 1. Januar 2008 schließlich auf. Es entstanden noch im Verlauf ihres Niedergangs mehrere Nachfolgeparteien, von denen heute nur die Partij voor de Vrijheid von Geert Wilders im Parlament vertreten ist." https://de.wikipedia.org/wiki/Pim_Fortuyn#Die_Folgen
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