AfD-Kandidat für Bundestagsvize-Posten Union lässt Albrecht Glaser abblitzen

Albrecht Glaser, der im ersten Anlauf gescheiterte AfD-Kandidat für den Posten des Bundestags-Vizepräsidenten, darf sich CDU und CSU nicht vorstellen.

Albrecht Glaser
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Albrecht Glaser


Der bei der Wahl zum Bundestags-Vizepräsidenten im ersten Anlauf gescheiterte AfD-Kandidat Albrecht Glaser wird weder bei den Abgeordneten von CDU und CSU, noch bei denen der Grünen einen Vorstellungstermin erhalten.

Fraktionschef Volker Kauder (CDU) teilte am Montag in der Sitzung der Unions-Abgeordneten nach Teilnehmerangaben mit, er habe ein entsprechendes Ansinnen der AfD schriftlich abgelehnt. Zuvor habe er sich mit CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt verständigt. Die Entscheidung sei mit großem Beifall quittiert worden. Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter lehnten in einem Brief an die AfD eine Vorstellung Glasers vor ihrer Fraktion ab.

Glaser hatte am 24. Oktober in der konstituierenden Sitzung des Bundestages als einziger Vizepräsidenten-Kandidat nicht die nötige Mehrheit bekommen. Die AfD-Fraktion will aber an Glaser festhalten und ihn erneut zur Wahl stellen. Abgeordnete der anderen Parteien hatten dem 75-Jährigen vorgeworfen, er habe in einer Rede vor Anhängern im April die Religionsfreiheit der in Deutschland lebenden Muslime in Abrede gestellt. Glaser weist diesen Vorwurf zurück.

Kauder habe darauf hingewiesen, dass es auch in der Vergangenheit für keinen Bewerber einer anderen Partei eine Präsentationsrunde in der Fraktion gegeben habe, hieß es. An dieser Praxis halte man fest. Zudem sei es widersprüchlich, wenn die AfD den von der CDU nominierten Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble geschlossen abgelehnt habe, sie aber den Anspruch habe, dass ihr eigener Kandidat von der Union mitgewählt werden solle.

dop/dpa



insgesamt 48 Beiträge
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admin-by 06.11.2017
1. Sehr gut!
Eine hervorragende Begründung für ein besonders perfides Ansinnen der Afd(er)-Partei. So wird das etwas --- aufzeigen, wo die Afd(er)-Partei besonders behandelt werden will (GAUland-Jargon: Sonderbehandlung) usw. Tja, sollen die Afd(er)-Typen mal schauen, wie lange es bei anderen Fraktionen mit 'nem Vizeposten gedauert hat.
josho 06.11.2017
2. Wie weltfremd kann man nur sein...
.....wenn man davon ausgeht, dass man unter den gegebenen Umständen ein "Vorstellungsgespräch" erhält? Vielleicht aber auch nur Kalkül, um in den Schlagzeilen zu bleiben.
solltemanwissen 06.11.2017
3.
Wo ist das Problem? Die AfD würde doch auch Pierre Vogel ablehnen, wenn der sich im Namen der Salafistenpartei bei ihnen vorstellen würde. Und die AfD ist exakt dasselbe wie die Salafisten nur halt aus der Deutsch nationalistischen Richtung. Mit dem Grundgesetz haben beide Hardcore Ideologien - Salafismus und AfD - nichts zu tun.
helmut46 06.11.2017
4. Die Heuchelei geht weiter!!!!
Wenn Albrecht Glaser noch Mitglied der CDU wäre, hätte die "christliche Politmeute " sicher keine Bedenken, ihn zum Bundestags- Vizepräsidenten zu wählen, auch wenn er die identischen Äußerungen, an denen sich jetzt CDU/CSU stößt, gemacht hätte.
Zaunsfeld 06.11.2017
5.
"Zudem sei es widersprüchlich, wenn die AfD den von der CDU nominierten Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble geschlossen abgelehnt habe, sie aber den Anspruch habe, dass ihr eigener Kandidat von der Union mitgewählt werden solle." Genau DAS ist für mich das schlagendste Argument überhaupt. Die AfD hat nicht nur Schäuble als Bundestagspräsident geschlossen abgelehnt in der Abstimmung, sondern sie hat auch die Vize-Präsidenten der anderen Parteien abgelehnt. Ich frage mich ernsthaft, woher die AfD dann den Anspruch nimmt, dass die Abgeordneten der anderen Parteien dann aber doch bitte schön Glaser wählen sollten.
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