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Imageflop für AfD-Vorstand: Krisentouristin Petry holt sich Abfuhr in Athen

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AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry: Reise in den Krisenstaat Griechenland Zur Großansicht
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AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry: Reise in den Krisenstaat Griechenland

AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry will nach Griechenland reisen, um Euro-Kompetenz zu zeigen. Doch aus dem geplanten Treffen mit einem Vizeminister wird wohl nichts. Aus dem Lager ihres Kontrahenten Lucke ist Spott zu hören.

Die Reise nach Athen ist geplant, es gibt einen Programmentwurf. Kommende Woche will AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry zusammen mit drei ihr wohlgesonnenen Parteimitgliedern ins Euro-Krisenland fliegen. Knappe zwei Tage dauert der Aufenthalt in der griechischen Hauptstadt, vorgesehen ist unter anderem ein Gespräch mit dem Vizeminister Terence Quick. Der frühere TV-Journalist und Sohn eines Briten gehört dem rechten Koalitionspartner der linken Syriza-Partei an, den Unabhängigen Griechen (ANEL).

Doch schon vor Reiseantritt kommt das Programm ins Rutschen. Eine für kommenden Donnerstagabend geplante Zusammenkunft mit dem 68-jährigen Quick wird wohl nicht stattfinden. Das Gespräch sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden, sagte der Büroleiter des Vizeministers am Freitag zu SPIEGEL ONLINE in Athen. Ein Grund wurde nicht angegeben.

Die Absage dürfte Petry ungelegen kommen. Quick war der hochrangigste Regierungsvertreter, der sich mit Petry und der Entourage der Eurokritiker aus Deutschland treffen sollte. Mit dessen Absage steht die Reise Petrys vor dem entscheidenden AfD-Mitglieder-Parteitag in Essen am 4. und 5. Juli unter einem unglücklichen Stern. Denn ein Ziel war ein Imagegewinn, die der Vorstandssprecherin in der internen Auseinandersetzung gegen ihren Vorstandskollegen Bernd Lucke helfen soll.

Petry will sich in Athen nicht nur informieren, sondern auch Euro-Kompetenz zeigen. Diese wird gemeinhin ihrem Kontrahenten Lucke zugeschrieben. Der derzeit beurlaubte Wirtschaftsprofessor aus Hamburg und heutige Europaabgeordnete wird gerne in TV-Sendungen eingeladen, wenn es um das Thema Eurokrise geht - Petry hingegen bleibt dann meistens außen vor.

Im Kampf um die Führung in der AfD braucht aber Petry, sächsische Landes- und Fraktionschefin, einen Imagegewinn - gegen Lucke.

Hans-Olaf Henkel spottet über Petrys Reise

Folglich wird die Reise, an der AfD-Vize Alexander Gauland, die Europaabgeordneten Beatrix von Storch und Marcus Pretzell teilnehmen, von Lucke-Anhängern scharf kritisiert. "Petry verwechselt laufend integrieren mit intrigieren", mokiert sich Lucke-Anhänger Hans-Olaf Henkel über den Umstand, dass Petry allein eigene Anhänger mit nach Athen mitnimmt.

Seit Wochen ist der Tonfall zwischen dem wirtschaftsliberalen Flügel um Lucke und dem rechtskonservativen um Petry gereizt, vor allem seitdem Lucke seine Anhänger aufgerufen hat, demvon ihm gegründeten Verein "Weckruf 2015" beizutreten. "In der aktuellen Situation sollte die AfD vor allem von der Euro-Expertise der Professoren Jörn Kruse, Bernd Lucke, Joachim Starbatty und Roland Vaubel profitieren, die übrigens alle dem Weckruf beigetreten sind", so Henkel zu SPIEGEL ONLINE.

Nun fahre das "Pleite-Pärchen Petry und Pretzell nach Athen und suggeriert, dass es vor Ort den Grexit befördern könne". Das aber, so der Europaabgeordnete und frühere BDI-Chef Henkel, sei "eine lächerliche Vorstellung, auf die kein Parteimitglied hereinfallen sollte".

Henkel, der seit Längerem ein scharfer Gegner von Petry und dem nordrhein-westfälischen AfD-Landeschef Pretzell ist, übergoss die Reisenden mit derbem Spott. "Wie auch schon vorher in Deutschland, machen die sich jetzt ein paar nette Tage in Athen. Zwar hat Pretzell endlich auf eine eigene Vorstandskandidatur verzichtet, aber nicht nur in Athen zwitschern es die Spatzen von den Dächern - wo Petry draufsteht, steckt Pretzell drin."

Mitarbeit in Athen: Björn Hengst, Giorgos Christidis

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insgesamt 107 Beiträge
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1. Warum
capote 19.06.2015
...sollten die Griechen eine deutsche Partei unterstützen, die Ihnen den Geldhahn zudrehen will? Mehr als naiv! (und deshalb unwählbar!)
2.
Ingmar E. 19.06.2015
Und in den nächsten Wochen wird wieder ein Grund gefunden werden, warum sich der endgültige Showdown zwischen Lucke und Petry erneut verschiebt. Erinnert langsam ans Griechenlanddrama, oder Insolvenzverschleppung.
3. To do-List
Enguerrand de Coucy 19.06.2015
Abfuhr in Deutschland - Check Abfuhr in Griechenland - Check Weiter geht's :-)
4. Was heißt hier Krisentourismus?
fuxxifux 19.06.2015
Die AfD und damit Frau Petry waren schließlich die Ersten, die schon seit Jahr und Tag ein Ausscheiden der Griechen aus dem Euro fordern. Dadurch wären den Griechen viel Leid und den Steuerzahlern der anderen Euro-Länder viele abgeschriebene Milliarden erspart geblieben.
5. Und wieder einmal...
kjartan75 19.06.2015
...macht sich die Petry lächerlich...zwei Tage Athenreise sollen also reichen, um Euro-Kompetenz zu erwerben...ah ja. Naja, von Insolvenzen hat sie ja tatsächlich persönlich Ahnung. Vielleicht berichtet sie mal eher darüber.
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