Zoff um Katholikentag AfD wirft Kirchen Geschäft mit der Flüchtlingskrise vor

Die Ausladung vom Katholikentag hat offenbar Wunden bei der AfD geschlagen: Jetzt attackiert der bayerische Landesvorsitzende die Kirchen - und wirft ihnen vor, mit der Flüchtlingskrise Geld zu machen.

AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron
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AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron


Die AfD verschärft ihren Ton gegenüber der katholischen und evangelischen Kirche. Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron wirft beiden Kirchen vor, über ihre Wohlfahrtsverbände "unter dem Deckmantel der Nächstenliebe" ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen.

Die Kritik kommt kurz nach der Ausladung der Partei vom 100. Deutschen Katholikentag. Seit Mittwoch feiern Zehntausende Gläubige in Leipzig Gottesdienste, zudem gibt es Diskussionsrunden zu politischen und gesellschaftlichen Themen, Workshops und Konzerte. Organisiert wird das Treffen vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Zahlreiche Parteipolitiker sind dabei, die Alternative für Deutschland nicht.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg begründete die Absage an die AfD mit den Worten, es sei unchristlich, Menschen auf ihre nationale Zugehörigkeit zu reduzieren. Er lese das AfD-Programm und finde Ressentiments an jeder Ecke. Menschenverachtende Positionen hätten aber auf dem Katholikentag keinen Platz.

AfD-Landeschef Bystron warf den Kirchen nun vor, sie hätten aus kommerziellen Gründen ein großes Interesse an weiterer Zuwanderung. "Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert zugleich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen", sagte Bystron. Branchenführer seien die katholische Caritas und das evangelische Diakonische Werk.

"Mit keinem Faktum belegtes Gequatsche"

Kirchliche Organisationen nutzten zur Gewinnmaximierung die Hilfsbereitschaft unbezahlter Ehrenamtlicher aus, sagte Bystron. Für Aufbau und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften würden sie Kommunen, Land und Bund saftige Rechnungen schreiben. Der AfD-Landeschef verlangte ein "Ende der Kirchensubventionierung durch Steuergelder".

Katholische und evangelische Kirche weisen die Vorwürfe auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zurück. Bei Bystrons Kritik handele es sich um "mit keinem einzigen Faktum belegtes Gequatsche", sagte Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).

Allein die katholische Kirche habe im vergangenen Jahr 115 Millionen Euro an Sondermitteln in der Flüchtlingskrise ausgegeben und 8000 Unterkünfte und Räume für Freizeitangebote mietfrei zur Verfügung gestellt, so Kopp.

Auch ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) führt einen "zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag" an, den die Kirchen für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt hätten. Angesichts dieses Kraftakts und des ehrenamtlichen Engagements vieler hunderttausend Menschen in den Kirchen entbehre Bystrons Äußerung jeglicher Grundlage, sagte der EKD-Sprecher.

Noch schärfer fällt die Bilanz von DBK-Sprecher Kopp aus: "Wer so entgleist, schlägt allein 200.000 ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe der Kirchen Tätigen ins Gesicht.".

cte/dpa



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