Landtagswahl Umfrage sieht AfD in Sachsen-Anhalt bei 17 Prozent

SPD-Chef Gabriel nennt die AfD "offen rassistisch". Dennoch sieht eine neue Umfrage die Rechtspopulisten bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei 17 Prozent - die Sozialdemokraten kämen auf 18.

AfD-Spitzenkandidat André Poggenburg: Rechtspopulisten legen laut Umfrage zu
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AfD-Spitzenkandidat André Poggenburg: Rechtspopulisten legen laut Umfrage zu


In knapp einem Monat wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Für die Koalition aus CDU und SPD zeichnet sich laut einer Umfrage zwar eine Fortsetzung ihres Bündnisses im Magdeburger Landtag ab. Aber: Der eigentliche Sieger könnte die AfD werden.

Denn bei einer neuen Befragung von Infratest dimap für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) kamen die Rechtspopulisten auf 17 Prozent. Damit würde die Partei die SPD fast einholen, die nur noch auf 18 Prozent der Stimmen käme.

Nach der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage würde die CDU mit 32 Prozent wieder stärkste Partei, wenn die Landtagswahl an diesem Sonntag wäre. Die Linkspartei würde mit 20 Prozent folgen. Die Grünen kämen auf fünf Prozent, die FDP wäre mit vier Prozent wohl nicht im Landtag vertreten. Damit zeichnet sich eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition unter Ministerpräsident Reiner Haseloff ab. Für Rot-Rot-Grün würde es nicht reichen.

Mitte Januar hatte das ZDF-"Politbarometer" die AfD mit ihrem umstrittenen Spitzenkandidaten André Poggenburg noch bei 15 Prozent gesehen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben alle im Landtag vertretenen Parteien ausgeschlossen.

Der neue Landtag von Sachsen-Anhalt wird am 13. März gewählt. Die Briefwahl ist bereits angelaufen.

Mecklenburg-Vorpommern: AfD bei 16 Prozent

Auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo im Herbst gewählt wird, zeichnet sich der Einzug der AfD in den Landtag ein. Nach einer von der "Bild"-Zeitung beim Meinungsforschungsinstitut Insa in Auftrag gegebenen Umfrage kommt die Partei auf 16 Prozent. Sie würde damit erstmals in den Landtag in Schwerin einziehen.

Die SPD - 2011 mit 35,6 Prozent Wahlsieger - würde demnach nur noch 22 Prozent erreichen. Den größten Zuspruch erhält trotz Kritik an der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel mit 29 Prozent die CDU. Die CDU koaliert in Mecklenburg-Vorpommern als Juniorpartner mit der SPD.

Die Linke erreicht demnach laut Insa 19 Prozent, die Grünen liegen bei fünf Prozent. Die NPD - die zuletzt bei den Landtagswahlen 2011 sechs Prozent erzielte - und die FDP (die nicht mehr im Landtag sitzt) kommen jeweils auf vier Prozent. Beide Parteien wären damit nicht im Landesparlament.

SPD-Chef Gabriel: AfD will "völkische Gesellschaft"

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bezeichnete die AfD in einem Interview mit der Zeitung "Rheinpfalz" als "offen rassistisch". Die Partei wolle "eine völkische Gesellschaft", die auf Ausgrenzung beruhe, sagte der Vizekanzler. "Das erinnert fatal an das politische Vokabular der Zwanziger- und Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts", sagte Gabriel und zog damit eine Parallele zur Weimarer Republik und zur NS-Diktatur.

Gabriel äußerte Verständnis für diejenigen, die sich über "die Politiker" ärgerten. Die meisten von ihnen seien keine Rechtsradikalen. "Sie müssen bei uns offene Ohren finden und auch Antworten auf ihre Fragen", sagte der Vizekanzler.

Im Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt, das SPIEGEL ONLINE kürzlich analysiert hatte, wird unter anderem verlangt, Schüler sollten "die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden." Zudem seien Museen, Orchester und Theater in der "Pflicht", einen "positiven Bezug zur eigenen Heimat" zu fördern. Die Bühnen des Landes "sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen."

Der AfD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat André Poggenburg war kürzlich wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in seinem Unternehmen für Autozubehör in die Kritik geraten. Die jüngste Umfrage aber scheint nahezulegen, dass die Berichte seiner sachsen-anhaltischen Partei nicht geschadet haben. Poggenburg hatte als Wahlziel für die AfD jüngst die Marke von "20 plus X" ausgegeben.

als/sev/dpa

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