AfD Lucke-Anhänger wollen neue Partei gründen

Die AfD bekommt offenbar Konkurrenz aus dem eigenen politischen Lager: Anhänger des abgewählten Parteichefs Bernd Lucke sollen die Gründung einer neuen Partei angekündigt haben. Schon nächsten Sonntag soll es soweit sein.

Ex-AfD-Chef Lucke: Seine Rolle in der neuen Partei ist unklar
REUTERS

Ex-AfD-Chef Lucke: Seine Rolle in der neuen Partei ist unklar


Zuletzt hatte er selbst die Spekulationen angeheizt - nun soll es offenbar schon in wenigen Tagen soweit sein: Anhänger des abgewählten AfD-Chefs Bernd Lucke sollen intern die Gründung einer neuen Partei angekündigt haben. Dazu hätten sie ein entsprechendes Papier an die Mitglieder des Vereins "Weckruf 2015" geschickt, berichtet der SWR, dem das Schreiben vorliegt. In dem Verein haben sich liberal-konservative Kräfte versammelt, viele von ihnen sind wie Lucke inzwischen aus der AfD ausgetreten.

Bereits am kommenden Sonntag wollten 70 Mitglieder aus dem Vorstand und den Landesverbänden die neue Partei gründen, schrieben die Verfasser laut SWR weiter. Wo und unter welchem Namen die Partei gegründet werden solle, stehe nicht in der Einladung. Es sei aber organisatorisch nicht möglich, alle Interessierten dazu einzuladen.

Welche Rolle Lucke bei der Parteigründung spielen könnte, ist offensichtlich unklar. Er hat den "Weckruf"-Verein zwar mit ins Leben gerufen. In dem Aufruf komme sein Name aber nicht vor, berichtet der Sender.

Am Wochenende hatte sich Lucke selbst zur Gründung einer neuen Partei geäußert. Mit Blick auf den gegenwärtigen Schuldenstreit mit Griechenland sagte er der "Bild"-Zeitung vom Samstag, Deutschland brauche eine neue eurokritische Partei, "die mit Griechenland endlich mal klaren Tisch macht". Auch der frühere AfD-Politiker und EU-Parlamentarier Hans-Olaf Henkel sagte, er sehe noch "sehr viel Platz für eine neue Partei".

AfD sackt auf drei Prozent

Die Verfasser des Aufrufs zur Parteigründung machen dem Bericht zufolge deutlich, dass sie als "Weckruf"-Vertreter das Ziel verfolgt hätten, in der Alternative für Deutschland (AfD) für ihren liberal-konservativen Kurs zu kämpfen, seit dem Parteitag in Essen die Situation aber anders sei. Der liberal-konservative Flügel hatte dort keine Mehrheit, Lucke unterlag bei der Vorsitzendenwahl Frauke Petry, die vom national-konservativen Lager inthronisiert wurde. Die "Weckruf"-Autoren schrieben laut SWR, "der fundamentalistische und der nationalkonservative Flügel" würden die gewonnene Macht nicht wieder abgeben. "Die AfD ist daher für uns verloren."

Nach dem Parteitagskrach ist die AfD in der Wählergunst abgestürzt. In einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" erreicht sie zurzeit nur drei Prozent der Wählerstimmen und damit zwei Prozentpunkte weniger als noch in der Vorwoche. Das ist dem Bericht zufolge der schlechteste Wert für die AfD seit knapp zwei Jahren. Zuletzt hatte die Partei bei Emnid im September 2013 bei drei Prozent gelegen - vor dem Einzug in mehrere Landesparlamente und das Europaparlament.

Die AfD war zuletzt von heftigen Machtkämpfen erschüttert worden, die der nationalkonservative Flügel um Frauke Petry auf dem Parteitag am 4. Juli für sich entschied. Die Partei hat seither fast zehn Prozent ihrer 21.000 Mitglieder verloren. Parteigründer Bernd Lucke ist inzwischen aus der AfD ausgetreten und erwägt mit seinen Mitstreitern die Gründung einer neuen Partei.

ler/dpa



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Florentinio 13.07.2015
1. wie schön
Galt früher der Grundsatz, "keine Partei rechts von der CDU", so haben wir zukünftig dort bald deren drei und keine wird bundesweit über die 5%-Hürde kommen. Das freut mich.
ton.reg 13.07.2015
2. Ah, es geht schon wieder los....
"Die AfD bekommt offenbar Konkurrenz aus dem eigenen politischen Lager" Da ist eine neue Partei noch gar nicht gegründet, welche eben die Neuausrichtung der AdF nicht tragen kann, da wird diese schon vorab in das gleiche Lager von "populistscher, brauner Suppe" eingeordnet. Ja, mit medialer Mitgliederwerbung der geeigneten Art kann auch diese Bewegung wieder zersetzt werden. Scheint als Erfolgsrezept zu dienen. Warum diese Einflussnahmen ?
99luftballons 13.07.2015
3.
Ja, das hat doch gut geklappt, frau Petry. Und auch fuer eine neue Partei werden sich welche finden lassen, die das unterminieren koennen. Schon aufgefallen? Die Gruenen waren die letzte Partei, die es von "lass die mal Spielen" bis ins Etablishment geschafft haben. Mussten aber die Turnschuhe ausziehen. Und seitdem 'ruinieren sich alle selbst', die es mit anderen Ideen versucht haben. Schon interessant, oder?
jhea 13.07.2015
4. Genau so muss das
Egal ob Parteien, Fußballweltverbände, Formel 1 Verbände etc. Wenn einem was nicht passt, geht man raus und macht es selbst neu. Dann wird die Mehrheit schon folgen wenn man recht hatte, oder man versinkt eben in der Bedeutungslosigkeit. Beim Beispiel Lucke sehe ich das mit großer Genugtuung, dass die AfD langsam in der Versenkung verschwindet. vlt wird die AfD2 dann weniger braun und tatsächlich wählbar.
quidquidagis1 13.07.2015
5. Eine neue..
..Partei ist überflüssig.Schäuble hat doch längst die Rolle des EU Zerstörers übernommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.