Rechtsruck der AfD Lucke-Flügel zieht Umfrage über Parteigründung vor

Beim AfD-Parteitag musste er sich Frauke Petry geschlagen geben. Nun drückt AfD-Gründer Bernd Lucke aufs Tempo: Die Mitglieder seines Vereins "Weckruf 2015" sollen noch diese Woche über die Gründung einer neuen Partei abstimmen.

AfD-Gründer Bernd Lucke: "Beispielloser Schwenk nach rechts"
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AfD-Gründer Bernd Lucke: "Beispielloser Schwenk nach rechts"


Noch in dieser Woche will die liberalkonservative AfD-Gruppierung "Weckruf 2015" über eine mögliche Parteigründung entscheiden. Dies sei durch die "völlig geänderte Situation" nach dem AfD-Parteitag am Wochenende nötig geworden, erklärte der Verein am Dienstag.

Die AfD habe auf ihrem Bundesparteitag am vergangenen Wochenende einen "beispiellosen Schwenk nach rechts vollzogen", worüber der "Weckruf 2015" "bestürzt und entsetzt" sei. Der Vereinsvorstand wolle nun bis Donnerstag von den Mitgliedern wissen, welche Konsequenzen sie aus den Ereignissen ziehen wollten. Nach dieser Umfrage werde man ein "starkes Signal" senden. Ursprünglich hatte man sich mehr Zeit lassen wollen.

AfD-Gründer Bernd Lucke hatte am Samstag beim AfD-Parteitag in Essen den Machtkampf um die Parteiführung gegen Frauke Petry verloren. Sie vertritt den nationalkonservativen Flügel der AfD.

Lucke hatte den "Weckruf 2015" im Mai gegründet, um seine wirtschaftsliberal orientierten Anhänger in der Partei zu sammeln und sich dem nationalkonservativen Flügel entgegenzustellen. Seine Gegner hatten ihm daraufhin vorgeworfen, die Partei spalten zu wollen.

Der "Weckruf 2015" erklärte nun, rund 1500 Mitglieder hätten nach dem ersten Tag des Parteitags mit den Füßen abgestimmt und die Versammlung verlassen. Der Verein sprach von einem "beispiellosen Massenaustritt" aus der Partei, die Anfang 2013 als Zusammenschluss wirtschaftsliberaler Eurokritiker gegründet worden war.

Im Video: Abwahl von Bernd Lucke "Er war den Tränen nahe"

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als/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
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HEK 07.07.2015
1. Es wird wieder so kommen wie mit der AFD
Der Grund- und Gründungsgedanke seinerzeit, der den Aufbau der AFD beflügelte, klang zunächst gut und traf auch meinen Nerv. Man sollte statt der drei Buchstaben den Klartext vor Augen sehen: "Alternative für Deutschland". Das spricht die wachsende Zahl deutscher Wahlverweigerer an, die dem Einheitsbrei von CDU/CSU/SPD und wenn sie denn die 5% schaffen der FDP auf der rechten, und der Linken und den Grünen auf der linken Seite nichts mehr zutrauen, die sich von diesen nicht mehr vertreten fühlen. Geht mir auch so. Nun braucht man aber auch - wenn man den Begriff schon im Parteinamen führt - eine glaubwürdige Alternative. Und genau daran hat es von Anfang an gehapert. Das muss sich Lucke vorwerfen lassen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass alle die, welche die deutsche Politik nicht repräsentierte, Ihre zum Teil extremen, auch extremistischen Leitsätze mit in die Partei einbrachten, wodurch die AFD schnell zum Sammelbecken der Unzufriedenen wurde, als Parteiprogramm quasi das Protokoll vieler Stammtischrunden, von der Wut der Unzufriedenen und sozial Abgehängten getrieben, von Pegida und überhaupt dem rechten Sumpf insbesondere in Sachsen missbraucht. So, Herr Lucke, Sie wollen eine neue Partei gründen? Tja, da mache ich sogar mit, aber unter einer Voraussetzung: Erst wird ein klares Parteiprogramm aufgestellt, mit präzise formulierten Zielen. Meinetwegen einem Austritt aus der EU. Aber auch mit klaren Abgrenzungen gegenüber Asylantenheim-Abfacklern und Ausländer-Hassern. Sonst ist Ihre neue Partei sehr schnell wieder da, wo die AFD heute steht.
HuFu 07.07.2015
2. Und dann...
... gehen 2, 3 Jahre ins Land und die Frage nach Neuwahlen stehen an und wieder verliert Lucke und dann gründet er einfach wieder ne neue Partei. So einfach ist das Politikerleben. :)
gerhard berlin 07.07.2015
3. Luckes Chance
Für Lucke ist die neue Situation gar nicht schlecht: er wird eine neue Partei gründen und die nicht rechtslastigen (ehemaligen) AfD-Mitglieder mit nehmen. Dann verbleibt der Rest des braunen Sumpfes in der AfD und versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Jetzt kennt man die Braunen und wird aufpassen, dass eine Vereinnahmung der neuen Partei nicht wieder passiert. Ob das Land wirklich die neue oder alte AfD braucht sei mal dahin gestellt ...
Kampfdenker 07.07.2015
4.
Wenn Starbatty sich zur Wahl gestellt hätte,wäre er gewählt worden.- Es waren doch die Lucke-Leute ,die verschwunden waren- und sich nicht zur Wahl stellten.- Lucke hat selbst früher erklärt,dass er es begrüßen würde,wenn NPD-Wähler zur demokratischen AfD wechseln - und "Mut zu Deutschland" war von ihm - wo ist er denn nun hin ,der Mut zu Deutschland?
reunionista 07.07.2015
5. Ich musste lachen...
Wurde nicht Luckes Partei immer als rechtspopulistisch verunglimpft? Nun will er sich womöglich von seinem Kind AfD abnabeln und schon wird die neue Gruppierung richtigerweise "wirtschaftsliberal" genannt. Der Spiegel sollte wirklich lieber berichten anstatt Meinung machen zu wollen.
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