Streit um Zahlungen Ex-Berater von Frauke Petry wechselt zu Parteichef Meuthen

Mit AfD-Chefin Petry und ihrem Mann hat er sich wegen Gehaltszahlungen überworfen, in der Partei wird Ex-Journalist Michael Klonovksy trotzdem arbeiten - und das ausgerechnet für ihren Widersacher.

Frauke Petry und Jörg Meuthen
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Frauke Petry und Jörg Meuthen


Wenn es mit der einen Spitze der Partei nicht klappt, wechselt man zur anderen: Medienberater Michael Klonovsky wird trotz seines Streits mit AfD-Chefin Frauke Petry wieder eine Funktion für die Partei übernehmen. Wie die AfD in Stuttgart mitteilte, wird er Pressesprecher der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. Fraktionschef in Stuttgart ist Jörg Meuthen, der die Bundespartei gemeinsam mit Petry leitet, intern aber als Gegner Petrys und ihres Mannes Marcus Pretzell gilt.

Der frühere "Focus"-Redakteur Klonovsky hatte im Sommer 2016 begonnen, für Petry zu arbeiten. Später geriet er mit ihrem Ehemann, dem NRW-Landeschef Pretzell, wegen angeblich nicht gezahlter Honorare aneinander - inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft Bochum den Fall, nachdem eine anonyme Anzeige eingegangen war.

Pretzell hatte im Juli 2016 in seiner Funktion als EU-Abgeordneter mit Klonovsky einen Arbeitsvertrag unterzeichnet, der dem SPIEGEL vorliegt. Darin verpflichtet sich Pretzell, dem ehemaligen Journalisten Klonovsky für die "Organisation von Pressekonferenzen", die Vorbereitung von "Vorträgen und Reden" sowie für die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit ein Bruttogehalt von 4000 Euro monatlich zu zahlen. Dieser Vertrag, so die anonyme Strafanzeige, werde "seit Unterzeichnung am 1.7.2016 von Herrn Pretzell nicht bedient" - sprich, das Gehalt wurde nicht gezahlt.

Pretzell dementiert Anschuldigungen

Auch bei den Sozialversicherungsträgern wurde Klonovsky angeblich nur an einem Tag an- und sogleich wieder abgemeldet. "Die mit dem Vertrag verbundenen Sozialabgaben ... sind nicht abgeführt worden", so die Strafanzeige. Dies wäre nach Paragraf 266a Strafgesetzbuch strafbar (mehr zu dem Fall lesen Sie hier). Pretzell wies die Vorwürfe zurück.

Klonovsky ist übrigens nicht der erste Ex-Journalist, der nach einem Streit mit Pretzell von der Partei aufgefangen wird. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte den Journalisten Günther Lachmann im Februar 2016 entlassen, nachdem Pretzell den Vorwurf erhoben hatte, der Journalist habe sich seiner Partei als Berater angeboten.

Im August 2016 begann Lachmann dann bei der Thüringer AfD-Landtagsfraktion zu arbeiten, ist dort für strategische Kommunikation zuständig. Der dortige Fraktionsvorsitzende Björn Höcke gehört, ebenso wie Meuthen, zu Petrys parteiinternen Kritikern.

mho/dpa



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