Krise der AfD Ende einer Nicht-Partei

Die AfD fällt auseinander, weil sie nie eine Partei war. Ihren eitlen Chefs geschieht es recht. Aber es bleibt eine ungute Lücke rechts von der Union.

AfD-Chef Lucke: High noon, shoot out
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AfD-Chef Lucke: High noon, shoot out

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Deutsche Männer, eitel und alt, sind Gift für jede Versammlung. Das gilt für Elternabend oder Parteitreff, und das lehrt nun auch der Gang der Dinge bei der AfD. Sie wurde einst Anti-Euro-Partei genannt und ist heute, ja, was eigentlich? Anti-Modern, Anti-Zuwanderung, Anti-Ausländer?

Die Parteispitze ist auf jeden Fall Anti-Kompromiss. Parteigründer Bernd Lucke und sein Vertrauter Hans-Olaf Henkel wollen die Gruppe um Frau Petry sowie die beiden Alt-Herren Konrad Adam und Alexander Gauland aus der Führung verdrängen - und umgekehrt. High Noon, Shootout, da wird nichts mehr gut, darf man vermuten.

Flügelkämpfe gehören zum Alltag jeder Gruppierung. Sie sind das Wesen von Politik, zumal von Parteipolitik. Dass die AfD sich über ihren Richtungsauseinandersetzungen zu spalten und hernach in Bedeutungslosigkeit zu versinken droht, das legt nicht zuletzt diesen Schluss nahe: Die AfD ist gar keine Partei, sie war es nie. Weder an der Spitze noch in ihren Ländergliederungen hat sie jene Eigenschaft kultiviert, ohne die aus Ideen und Meinungen niemals Politik werden kann: den Kompromiss. Den Streit um einander widersprechende Interessen zu verhandeln und versöhnlich zu entscheiden, das ist, worum es in allen öffentlichen Angelegenheiten geht. Die AfD scheitert an dieser ersten aller Übungen.

Die Partei wollte anders sein als die "Alt-Parteien", na fein. Vorläufig gelandet ist sie nun in einer Flut von gegenseitigen Rücktrittsforderungen und Parteiausschlussfantasien, die sich längst nicht mehr nur gegen (rechts-)radikale Trittbrettfahrer richten. Kriegen Bernd Lucke und die anderen nicht im letzten Moment noch die Kurve, haben sie mit endloser Rechthaberei und apolitischem Purismus ihr eigenes Projekt zersetzt. Es geschieht diesen eitlen Vortänzern recht.

Aber es geht um mehr. Vertan wird nämlich auch die Chance zu beweisen, dass das Parteiensystem in Deutschland geschmeidig genug ist, einem grummelnden Unbehagen im Land eine seriöse, politische und parlamentarische Stimme zu verschaffen. Dieses Unbehagen gibt es, sei es wegen des Euro, wegen eines vielleicht auch nur vermuteten Vollzugsdefizits des Staates bei der Alltagskriminalität, oder wegen mancher ungeklärter Fragen des Umgangs mit steigenden Zahlen von Asylsuchenden und Bürgerkriegsflüchtlingen. Es gilt, damit umzugehen.

Die Union hat sich aus nachvollziehbaren Gründen in die Mitte bewegt und "rechts" von sich einigen Raum freigemacht. Mindestens ein Teil davon gehört zum respektablen politischen Spektrum. Dort sollte kein Vakuum herrschen, sondern ein ebenso respektables Partei-Angebot existieren. Die AfD war es nicht; es fehlt weiterhin.

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Nikolaus Blome studierte Geschichte, Volkswirtschaft und Politik in Bonn und Paris. Seit Oktober 2013 ist er Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Hauptstadtbüros von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Nikolaus_Blome@spiegel.de

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Seite 1
roxxor 12.05.2015
1.
Der Spiegel versucht es wirklich das Ende herbeizuschreiben, langsam wird es lächerlich. Brem >5% eingezogen aus dem Stand, ja so sieht eine untergehende Partei aus *gähn*
kappelc 12.05.2015
2. Und? Gibts was Neues?
Abgerechnet wird zum Schluss. Und zwar nur zum Schluss! Klar sieht es nicht gut aus für die AfD aber deswegen muss es noch nicht das Ende bedeuten. Solche Leute wie Blome reden schon seit Gründung der AfD davon das diese Partei tot ist. So what? Wir werden es sehen, es würde mich jedoch sehr freuen wenn die Arroganz von manchen Schreiberling sich auch mal bitter rächen würde!
Abronzius 12.05.2015
3. Blome und die AfD
Trotz der momentanen Querelen, die AfD kommt trotz massiver Agitation der Linksmedien selbst im roten Bremen auf 5,2%,ohne wie die FDP von allen Seiten gepuscht zu werden.Eine Nichtpartei..das ist das Wunschbild Ihrer Gegner
laermgegner 12.05.2015
4. Man hört , es wurde etwas geschrieben !
Auch Du meine Nase, was lesen wir da ? Wer bodenständig ist - ist nicht weltoffen und ist nicht sexy ! Schill - Partei, Afd , Piraten - auch die FDP - sind Gruppen, wo man denkt - nicht weiß - dass sie etwas verändern wollen, weil es bei vielen Dingen in der Gesellschaft nicht mehr geht. Das verstehen die alten PArteien nicht und der Autor des Spiegels eben auch nicht - wollen es eben nicht verstehen.
hotgorn 12.05.2015
5.
Operation geglückt, Krebsgeschwür ernfernt, "Demokratie gesund"? Was bedeutet Rechts der Mitte abgesehen der Blomschen Phrase mehr Law and Order durchzusezten. Die Mitte ist nicht besetzt sonst würden Hartz 4 Empfänger nicht von der Rechten Bande aus SPD und Union drangsaliert und von der CSU gar in unserem demokratischen Forum dem Bundestag, als faule Krüppel betitelt. Ja die Mitte ist extrem offen sonst würden CSU nahe Blätter nicht kritisch über Abschiebungsversuche von kranken Asylbewerbern nach Italien berichten. Es gibt diese Mitte gar nicht und wenn dann ist sie verlottert.
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