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Chaos-Parteitag in Erfurt: AfD-Chef Lucke spürt den Zorn der Basis

Von , Erfurt

AfD-Chef Bernd Lucke: Basis sperrt sich gegen neue Satzung Zur Großansicht
DPA

AfD-Chef Bernd Lucke: Basis sperrt sich gegen neue Satzung

Es soll um das Europaprogramm gehen - doch der Parteitag der AfD beginnt im reinen Chaos: Chef Bernd Lucke muss seinen Satzungsantrag unter wütenden Protesten der Basis zurückziehen.

Auf dem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Erfurt kämpfen Mitglieder mit den Tränen. Vor den Saalmikrofonen bilden sich lange Schlangen, einige Parteigänger schreien ihre Anträge in den Saal. Immer wieder gehen Wortbeiträge in Wutgeheul oder Applaus unter. Um 11:11 Uhr, der besten Karnevals-Uhrzeit, droht der AfD-Parteitag im Chaos zu versinken.

Gut zwei Stunden tagen die Mitglieder schon, als jemand die Frage aufwirft, ob überhaupt korrekt eingeladen wurde. Von der Wahl der Versammlungsleiter über die Zählkommission bis zur Feststellung der Tagesordnung - alle Punkte, die bei anderen Parteien in zehn Minuten erledigt sind, dauern hier Stunden.

Der Vorsitzende der Zählkommission erringt seinen Posten am Ende in einer Stichwahl mit 50,1 Prozent der Stimmen. Kein Wunder: Viele AfD-Mitglieder hegen ein tiefes Misstrauen gegen ihren eigenen Vorstand, vor allem gegen Parteisprecher Bernd Lucke. Der faktische Chef der AfD wollte sich mit einer neuen Satzung zusätzliche, fast unbegrenzte Macht sichern und den Vorstand von drei auf eine Person verkleinern. Mit einer von ihm gebauten Mehrheit hätten missliebige Vorstandsmitglieder kaltgestellt werden können. Auch der Schatzmeister wäre entmachtet worden, und der Bundesvorstand hätte in die Landesverbände durchregieren können.

Doch die wütende Basis macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Lucke muss seinen Machtzugriff vertagen. Der Tagesordnungspunkt "Satzung" verschwindet von der Tagesordnung.

"Ich fühle mich manipuliert", schimpft ein Mitglied. "Wenn der Vorstand das besser organisiert hätte, hätten wir das Problem nicht", schimpft ein anderer. "Was hier passiert, hat stark autokratische Züge", klagt ein Dritter. "Als überzeugter Basisdemokrat sehe ich das Verhalten des Vorstands mit Befremden."

Doch die Debatte ist damit noch lange nicht vorbei. Lucke hält sich bei all dem auffällig zurück, mit steinerner Miene sitzt er zwischen seinen Vorstandskollegen und verfolgt das Chaos im Saal. An Luckes Stelle bemüht sich der baden-württembergische Landeschef Bernd Kölmel, die Menge zu bändigen. Mit einer Engelsgeduld jongliert Kölmel Geschäftsordnungsanträge, Änderungsanträge und endlose Wortmeldungen.

Als Lucke drei Stunden nach Beginn des Parteitags endlich mit seinem politischen Bericht beginnen kann, bemüht er sich denn auch, die Basis auf den wahren Gegner einzuschwören: die Medien. Sie hätten "Tausende unbescholtene Mitglieder" der Afd als Rechte "verunglimpft". Die Rechnung geht auf: Der Parteichef erntet Standing Ovations.

Noch bis Sonntag soll der Parteitag dauern, zu dem 1054 stimmberechtigten Mitglieder gekommen sind. Diskutiert werden soll auch ein neues Europaprogramm.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 188 Beiträge
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1.
Rido 22.03.2014
Ich freue mich schon diebisch auf die AfD-Anhänger die immer auf die Piraten geschimpft haben, dass sie eine Chaotentrupper wären. Die AfD will politische Macht? Die bekommen ja noch nicht einmal einen Parteitag organisiert.
2. Chaos,was sonst
juanth 22.03.2014
Alle Extremparteien sind nun mal chaotisch und anti-demokratisch und diese ganz besonders. Die neue Satzung wuerde noch nichtmals ein Diktator beantragen. Alle Kritiker hatten recht. Ist so eine Partei ueberhaupt verfassungskonform?
3. was Lucke
cuora 22.03.2014
mit seinem Satzungsentwurf vor hatte, wäre auf eine Diktatur des Parteivorsitzenden hinaus gelaufen. Einen kleinen Diktator will ich nicht wählen. Obwohl ich die AfD gewählt hätte, ist dieses Thema damit für mich erledigt!
4. Lucke ist der falsche Chef !
spmc-122226439819235 22.03.2014
Lucke kann keine interne oder äußere Revolution anführen,denn er ist Wessi ,d.h. nicht teamfähig und Egomane,Führung geht anders,wenn man keine verkommene Truppe anführen möchte,welche uns der BT immer vorführt.Die Medienreaktionen sind immer fragwürdig ,da fremdgesteuert - Springer, Gütersloh= Kanzleramt oder ?
5. AfD - in dem Zustand unzählbar!
Sponposter2 22.03.2014
Der Zustand der Partei kommt in dem Satz rüber: "Der Vorsitzende der Zählkommission erringt seinen Posten am Ende in einer Stichwahl mit 50,1 Prozent der Stimmen". Das ist lächerlich, so was ist in jeder etablierten Partei und auch in jedem Hasenzüchter-Club Formsache. Und wenn die Partei solche Probleme hat, dann sind da nicht die bösen Medien Schuld.
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