Parteitag in Magdeburg AfD stellt europakritisches Kandidatenteam auf

Die Europäische Union ist für sie ein "Bürokratiemonster": Die AfD hat beim Parteitag in Magdeburg eurokritische Kandidaten für die Europawahl bestimmt. Eine Rede aber wurde mit vielen Buh-Rufen quittiert.

Christine Anderson
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Christine Anderson


Die AfD hat in Magdeburg weitere eurokritische Kandidaten für die Europawahl im Mai 2019 aufgestellt. Bei der Europawahlversammlung waren sich die Kandidaten und die Delegierten der Partei in einem Punkt einig: Die EU sei ein "Bürokratiemonster", das unsinnige Stickoxidgrenzwerte beschließe und die Souveränität Deutschlands beschneide.

Christine Anderson aus Hessen, eine Aktivistin des rechten Pegida-Bündnisses, sagte, ihr Ziel sei es, "Deutschland aus diesem EU-Albtraum herauszuführen". Anderson bewarb sich erfolgreich um den achten Listenplatz.

Bis Montagabend will die AfD insgesamt 40 Plätze besetzen. Sollten zum Ende der Europawahlversammlung nicht alle Kandidaten gewählt sein, könnte die Liste auf einem Parteitag im sächsischen Riesa im Januar komplettiert werden. Dort will die AfD auch ihr Wahlprogramm beschließen.

Intern wird damit gerechnet, dass die Partei bei der Europawahl im Mai 2019 etwa 20 Mandate erringen könnte. Bei der Wahl 2014 errang sie sieben Sitze, infolge der Spaltung und weiterer Führungskämpfe der Partei blieb nur ein Mandat bei der AfD, das Parteichef Jörg Meuthen innehat. Er war am Freitag zum Spitzenkandidaten gewählt worden.

Die ersten Tage der Wahlversammlung in Magdeburg waren dominiert von Reden, in denen die Kandidaten die deutsche und europäische Migrationspolitik geißelten. Viele der Bewerber forderten einen Rückbau der europäischen Institutionen. Als Gegenentwurf zu einer "Eurokratie" warben die Redner für ein "Europa der Vaterländer". Als Verbündete sehen sie dabei Parteien wie die rechte italienische Lega und die nationalkonservative polnische PiS.

"Für das Europaparlament ungeeignet"

Mit lauten Buh-Rufen und Pfiffen haben die Teilnehmer am Sonntag auf die Bewerbungsrede ihres Parteikollegen Roland Ulbrich reagiert. Der Leipziger Anwalt nutzte seine Redezeit als Bewerber für Listenplatz acht für eine persönliche Attacke gegen den Bezirksvorsitzenden der AfD in Berlin-Pankow, Michael Adam.

Am Ende seiner Rede räumte Ulbrich ein, dass er sich nur als Kandidat gemeldet habe, um zu verhindern, dass Adam gewählt werde. Er stellte fest, er selbst sei "für das Europaparlament ungeeignet".

Ulbrich war bereits im Jahr 2017 aufgefallen, als er versucht hatte, der damaligen Parteichefin Frauke Petry in Sachsen die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl streitig zu machen. Ulbrich wird dem rechten Parteiflügel zugerechnet. Adam zog seine Kandidatur schließlich vor einer Stichwahl zurück. Er betonte, dies habe nichts mit den unrichtigen Vorhaltungen von Ulbrich zu tun.

wit/dpa



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