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27. Juni 2015, 11:41 Uhr

Parteitagsfinanzierung

Großspende sorgt für neuen Ärger in der AfD

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Der AfD-Mitgliederparteitag in Essen soll den Machtkampf zwischen Bernd Lucke und Frauke Petry entscheiden. Damit das Treffen stattfinden kann, hat ein Unternehmer kräftig gespendet. Der Mann ist Lucke-Anhänger - dessen Gegner sind verärgert.

Die Grugahalle in Essen fasst über 6000 Personen. Den Platz wird die Alternative für Deutschland (AfD) wohl brauchen, wenn sie sich Anfang Juli zu ihrem außerordentlichen Mitgliederparteitag trifft. Mehr als 3000 Voranmeldungen hat die Partei bis jetzt registriert. Es geht um viel: Seit Wochen tobt ein Machtkampf zwischen dem wirtschaftsliberalen Flügel um Bernd Lucke und dem rechtskonservativen um Frauke Petry. Und dieser Machtkampf soll in Essen endlich entschieden werden.

Doch so ein Mitgliederparteitag ist teuer. Im Frühjahr hatte AfD-Vorstandssprecher Lucke in einem ersten Anlauf die 22.000 Mitglieder zu Spenden aufgerufen, als Ziel gab er 150.000 Euro an. Doch am Ende kamen nur knapp über 50.000 Euro zusammen - viel zu wenig.

Nun aber hat Lucke eine Großspende aus der Unternehmerschaft erhalten. Sie kommt von Klaus Nordmann, Geschäftsführer der Nordmann GmbH, die in Hürth bei Köln Systeme zur Werkzeugüberwachung herstellt. Nordmann ist Mitglied des Mittelstandsforums der AfD und will auf dem Parteitag am 4. und 5. Juli mit dabei sein. "Jede Stimme zählt diesmal", sagte Nordmann SPIEGEL ONLINE. Aus seinem Favoriten macht er keinen Hehl: "Ich bin ein Unterstützer des wirtschaftspolitischen Kurses von Professor Lucke."

Genau das sorgt nun für neuen Ärger in der Partei. Eigentlich wollte Nordmann anonym bleiben, doch auf einer AfD-Versammlung in München hatte kürzlich Lucke-Gegenspielerin Petry seinen Namen öffentlich gemacht. Die Äußerung Petrys ist in einem Film auf YouTube dokumentiert - und somit für jeden einsehbar. "Das Verhalten von Frau Petry finde ich nicht korrekt", sagte Nordmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Spende über 49.999,99 Euro

Um seine Anonymität zu wahren, habe er seine Parteispende extra auch unterhalb der anzeigepflichtigen 50.000-Euro-Grenze gehalten, so der Unternehmer. Erst von dieser Summe an muss der Name des Spenders beim Bundestagspräsidenten unverzüglich genannt werden.

In und außerhalb der Partei kursieren bereits Gerüchte, Nordmann habe viel mehr, nämlich 350.000 Euro gespendet. Dem tritt er entschieden entgegen. "Ich kann die Summe von 350.000 Euro nicht bestätigen", schreibt er in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE. "Ich habe lediglich eine Summe von 49.999,99 Euro gespendet."

Wie viel der Parteitag insgesamt kosten könnte, darüber gibt es verschiedene Angaben. Im Lucke-Lager ist von rund 200.000 Euro die Rede. Parteisprecher Christian Lüth sagte auf Anfrage: "Unter 300.000 Euro." Allein der Bremer Mitgliederparteitag vom Januar dieses Jahres mit rund 1700 Teilnehmern in zwei Hallen hatte allerdings rund 320.000 Euro verschlungen. Mit dieser Summe, so Petry vor der Basis in München, habe man das Budget für Parteitage im Jahr 2015 praktisch ausgereizt.

Nordmann bekennt sich zu Lucke

Der Mitgliederparteitag war ein Wunsch Luckes, er setzte sich damit im Bundesvorstand durch. Ein ursprünglich für Juni angesetzter Delegiertenparteitag in Kassel wurde dafür abgesagt, er hätte womöglich der Kontrahentin Petry geholfen, so das Kalkül im Lucke-Lager.

Denn Petry - zusammen mit Lucke und Konrad Adam gleichberechtigte Vorstandssprecherin - hatte zuvor eine Werbetour in den Landesverbänden gestartet, aus denen die Delegierten gestellt worden wären. Unter den Mitgliedern aber, so die Überlegungen der Lucke-Anhänger, hätte sie bei einer Entscheidung über das künftige Führungspersonal womöglich weniger Fürsprecher. Der Eurokritiker Lucke gilt vielen in der AfD immer noch als das prominenteste Gesicht der vor zwei Jahren gegründeten Partei.

Die Spende ist mittlerweile ein Politikum im hart ausgetragenen innerparteilichen Kampf. Nordmann ärgert sich über Petry. Sie hatte - auf die Frage eines AfD-Mitglieds nach dem Spender - vor der Basis in München nicht nur den Namen verraten, sondern auch behauptet: "Es ist eine 100.000-Euro-Spende von einem Herrn Nordmann."

Nordmann widersprach. "Ich habe lediglich erklärt, neben meiner jetzigen Spende weiteres Geld in ähnlich großer Höhe geben zu wollen, sollte die Finanzierung des Parteitags nicht ausreichen", sagte Nordmann. Ob und in welcher Form dies geschehen könnte - als weitere Spende oder Darlehen - habe er noch gar nicht entschieden.

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