Gedenken an NS-Opfer Komitee reagiert auf Kritik an Stolperstein-Aktionen

Der AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon forderte ein Ende der Stolperstein-Aktionen, die an Opfer der Nazis erinnern. Das Internationale Auschwitz Komitee antwortete der Partei unmissverständlich.

Stolpersteine auf dem Königsplatz in München
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Stolpersteine auf dem Königsplatz in München


Auf die Kritik eines AfD-Politikers an sogenannten Stolpersteinen hat das Internationale Auschwitz Komitee nun reagiert.

Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon hatte ein Ende der Stolperstein-Aktionen gefordert, die an Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden.

"Die AfD bekämpft immer brachialer und skrupelloser, was die Überlebenden von Auschwitz als Zeitzeugen in der deutschen Gesellschaft bewirkt haben", sagte der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner. Überlebende des NS-Terrors werteten Jargon und Inhalte von "schäbigen Botschaften" wie der von Gedeon als persönliche Angriffe. Sie seien ein Versuch, die Überlebenden und ihre Erinnerungen aus der Gesellschaft herauszudrängen.

Justizminister Heiko Maas fordert mehr Stolpersteine

Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte am Dienstag, "umso lauter ihr Ende gefordert werde, desto mehr Stolpersteine brauchen wir". Sie lehrten, die Opfer des Nationalsozialismus niemals zu vergessen.

"Dass überhaupt wieder jüdisches Leben in unserem Land gewachsen ist, begreifen wir als unverdientes Geschenk. Wir tun alles, um es zu schützen. Jeder Form von Antisemitismus müssen wir uns entschlossen entgegenstellen", so der SPD-Politiker.

Der AfD-Landesvorstand hatte im Dezember den Parteiausschluss Wolfgang Gedeons beantragt, nachdem Schriften bekannt geworden waren, in denen er teils antisemitisches Gedankengut verbreitete. Doch die Partei scheiterte im Dezember mit ihrem Antrag vor dem Landeschiedsgericht der baden-württembergischen AfD. Das AfD-Schiedsgericht begründete vor allem mit formalen Gründen: Die Landesspitze habe es versäumt, ihren ursprünglichen Schriftsatz innerhalb einer Frist bis Februar 2017 nachzubessern. Die Richter machten auch deutlich, dass ihnen die Beweise gegen Gedeon inhaltlich nicht für einen Parteiausschluss reichten. Der Vorstand habe "nur Zeitungsartikel und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate" von Gedeon aufgeführt, heißt es, und keine Begründung geliefert, "dass die Zitate extremistischen, fremdenfeindlichen und judenfeindlichen Charakter hätten". Es seien "bloße Behauptungen."

Stolpersteine werden seit vielen Jahren deutschlandweit verlegt. Sie erinnern an die Opfer der NS-Herrschaft - in der Regel jeweils vor dem letzten Wohnsitz der Betroffenen.

SPIEGEL TV über Stolpersteine - Auf Spurensuche in Hamburg

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cop/sev/dpa



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