Rechtspopulisten ausgeladen AfD-Politiker beim Bundespresseball unerwünscht

Beim letzten Mal war Frauke Petry noch dabei, aber für den diesjährigen Ball der "Pinocchiopresse" bekam die AfD-Chefin nach Informationen des SPIEGEL keine Einladung. Manche Parteifreunde sind empört.

Frauke Petry und Marcus Pretzell auf dem Bundespresseball 2015
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Frauke Petry und Marcus Pretzell auf dem Bundespresseball 2015


Am 25. November werden sich wieder rund 2300 Journalisten und Politiker aller Parteien für den Bundespresseball im Berliner Adlon in Schale werfen. Aller Parteien? Nein, noch nie waren alle dabei, und dieses Jahr tanzt auch die Alternative für Deutschland nicht mit.

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Heft 46/2016
(wie wir sie kennen)

Ihre Parteichefs Frauke Petry und Jörg Meuthen wurden nicht eingeladen - anders als im vergangenen Jahr, als die AfD-Chefin in einem Abendkleid in der Parteifarbe Blau durch das Adlon flanierte.

"Wir müssen jedes Jahr neu entscheiden, wen wir zum Bundespresseball einladen", sagte Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz, dem SPIEGEL. "In diesem Jahr gehört die AfD zu jenen, die wir nicht eingeladen haben." Dafür, so Mayntz, dürfe die rechte Partei aber gerne nach den vier Wahlen von 2017 jeweils für eine Pressekonferenz vorbeikommen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Zu den Gründen der Nicht-Einladung schweigt Mayntz. Sie sind aber naheliegend: Das Dauerfeuer der Rechtspopulisten auf die "Lügenpresse" oder auch "Pinocchiopresse", wie Frauke Petry zu sagen pflegt, verdarb den Medienleuten die Lust, mit der AfD zu feiern. Im vergangenen Jahr fuhr Petry mit ihrem Lebensgefährten Marcus Pretzell direkt vom Ball zum Bundesparteitag in Hannover, wo sie in ihrer Rede der "Pinocchiopresse", mit der sie am Vorabend noch gefeiert hatte, die Leviten las.

Der ehemalige ARD-Redakteur und AfD-Bundesvorstand Armin Paul Hampel ist empört über die Entscheidung der Bundespressekonferenz: "Ich beobachte derzeit eine Verhärtung der Fronten. Die Frage, wer zum Presseball eingeladen ist, gleicht einer politischen Selektion." Er sei aber sicher, dass die Ex-Kollegen sich noch "lernfähig" zeigen würden. Parteisprecher Christian Lüth gab sich verwundert: "Ich verstehe die Entscheidung nicht, es hat die Jahre zuvor doch immer gut geklappt."

Viele AfD-Mitglieder dürften mit der Ball-Abstinenz ihrer Chefs aber auch gar kein Problem haben. Im vergangenen Jahr hatten viele an der Parteibasis kritisch auf Petrys Ball-Besuch bei der unbeliebten "Lügenpresse" reagiert und dies als Anbiederung abgelehnt.

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