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AfD-Politiker und das geplatzte TV-Duell: Der Mann, mit dem niemand reden will

Von Maximilian Gerl

AfD-Politiker Junge: Mal mehr, mal weniger subtile Botschaften Zur Großansicht
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AfD-Politiker Junge: Mal mehr, mal weniger subtile Botschaften

Nur wenige kennen Uwe Junge, dabei scheiterte in Rheinland-Pfalz gerade ein TV-Duell seinetwegen - und CDU, SPD und der SWR zoffen sich. Wer ist dieser Mann, der gute Chancen hat, am 13. März ins Mainzer Parlament einzuziehen?

Uwe Junge ist ein Phantom, selbst das Internet gibt nur wenig über ihn preis. Junge ist demnach 58 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Der Berufsoffizier ist Dezernatsleiter im Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr in Mayen. In seiner Freizeit fährt er gerne Wasserski. Außerdem ist er der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) in Rheinland-Pfalz. Und er hat beste Chancen, bei den Wahlen am 13. März in den Landtag einzuziehen.

Derzeit aber zanken in Rheinland-Pfalz die SPD, CDU und der Südwestrundfunk (SWR) darüber, wer an einer TV-Debatte teilnehmen darf. Im Zentrum dieses Streits steht Uwe Junge. Mit ihm wollte SPD-Landesmutter Malu Dreyer nicht diskutieren. Nach seiner Ausladung sagte auch CDU-Konkurrentin Julia Klöckner ab. Er ist der Mann, der nicht am Tisch sitzen soll.

Wofür steht er? Was ist er für ein Mensch?

"Das hat schon Spuren von Lächerlichkeit, was SPD, CDU und der SWR veranstalten", sagt Uwe Junge zu SPIEGEL ONLINE. "Ich hätte mich vor einem TV-Duell nicht gescheut." Junges Worte klingen druckreif. "Der kann sich ausdrücken", sagt ein früherer Parteifreund, "den knackt man nicht so leicht."

Wer mit ehemaligen Weggefährten über Junge spricht, hat es schwer, Wahrheit und Übertreibung auseinanderzuhalten. Nach dem Rechtsruck der AfD im vergangenen Jahr verließen viele die Partei. Manche haben mit Junge noch eine Rechnung offen. In der richtungsentscheidenden Sitzung sei Junge, damals stellvertretender Landeschef, aggressiv geworden, sogar beleidigend, sagt einer: "So hatte ich ihn davor nicht wahrgenommen." Junge habe sich bis dahin immer zurückhaltend und loyal gezeigt.

"Es ist danach sehr viel mit Dreck geworfen worden", sagt Junge heute über diese Zeit. "Das ist bedauerlich, dass die fast freundschaftliche Zusammenarbeit so zerstört wurde." Aber er sei nicht derjenige, "der die Flinte ins Korn wirft, darum habe ich den Parteivorsitz übernommen".

"Ein Islamfreund ist der mit Sicherheit nicht"

Soweit sein Selbstbild. Die SPD im Kreis Mayen-Koblenz dagegen nannte ihn einst einen "Nazi in Nadelstreifen". Darauf jetzt Junge: "Das trifft einen, wenn Sie sich ein Leben lang für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingesetzt haben." Sich selbst bezeichnet der Mann als "bürgerlich-konservativ".

Minh Schredle vom "Rheinneckarblog" kennt den Nazi-Vorwurf. Schredle sagt aber über Junge: "Das ist keiner, der dazu aufrufen würde, Flüchtlingsheime anzuzünden." Das Blog mit rund 10.000 Lesern täglich berichtet regelmäßig über die AfD. Nicht aus politischer Nähe, wie Chefredakteur Hardy Prothmann klarstellt, sondern weil man die Partei nicht außen vor lassen könne. "Wenn die hier auftritt, sind die Hallen voll", sagt Prothmann. "Das habe ich so noch nicht erlebt." Viele Menschen seien durch die Flüchtlingskrise verunsichert, die subjektiv gefühlte Bedrohungslage sei hoch. Junge und seine Leute griffen dieses Gefühl auf.

Schredle hat einen Wahlkampfauftritt von Junge erlebt. Er beschreibt den Politiker als professionell, "er weiß, wie er sich in Szene setzt". Andererseits sei Junge "tief drin in diesem Denken: Wir gegen die." Junge sei erzkonservativ, das Soldatische merke man ihm an. Aber: "Es gibt keine offene Fremdenfeindlichkeit", so Schredle.

Mehr Potenzial bei der AfD gesehen?

Was es gibt, das sind mal mehr, mal weniger subtile Botschaften. Auf Veranstaltungen sagt Junge Dinge wie: "Solange die Muslime in einer Minderheit sind, geben sie sich tolerant. Aber wehe, die sind in der Mehrheit." Ein Ex-AfD-Mitglied meint trocken: "Ein Islamfreund ist der mit Sicherheit nicht."

Junge war zweimal als Bundeswehrsoldat in Afghanistan. Nach 34 Jahren in der CDU trat er der rechtspopulistischen Partei "Die Freiheit" bei, die inzwischen vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Im März 2013 ging er zur AfD. Junge sagte später: Die zunehmende Islamfeindlichkeit der "Freiheit" sei 2011 der Grund für seinen Rückzug aus der Partei gewesen.

Einstige Weggefährten wollen darin nicht den wahren Grund sehen. Sie spekulieren, Junge habe die "Freiheit" vor allem auch verlassen, weil er dort kein Potenzial gesehen habe, anders als nun bei der AfD.

In den Umfragen steht seine Partei derzeit bei neun Prozent.

Korrektur: In einer vorherigen Fassung hieß es, Uwe Junge leite das Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr in Mayen. Herr Junge wies uns darauf hin, dass er lediglich als Dezernatsleiter innerhalb des Zentrums tätig ist. Wir haben das entsprechend korrigiert. Zudem entstand zuvor der Eindruck, Junge sei direkt von der Partei "Die Freiheit" in die AfD gewechselt. Tatsächlich trat er 2011 aus der Partei "Die Freiheit" aus und trat der AfD 2013 bei.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 370 Beiträge
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1. Also nicht Lügenpresse, sondern unfaires Staatsfernsehen!
stefanmargraf 22.01.2016
Unsere demokratisch gewählten und auch wählbereiten Vertreter sollten sich einfach mal demokratisch verhalten. Dazu gehört der Diskurs mit jedweder Partei, ob die nun genehm ist oder nicht. Und für das Staatsfernsehen/Rundfunk (wieso gibt es eigentlich keine Staatszeitung?) kann ich keine Existenzberechtigung mehr erkennen.
2.
kugelsicher 22.01.2016
Diese Partei und diese Leute mit Nichtbeachtung strafen, ist das Beste was man machen kann und die richtige Strategie.
3. Warum soll er recht oder gar Nazi sein?
timpia 22.01.2016
Wer heute bei klarem Verstand Fakten zusammenzählt und hochrechnet wohin Merkel dieses Deutschland lenkt, muss aufbegehren und gegensteuern.
4. und so fangen sie an..
robert.lechl 22.01.2016
Zu erst nicht darüber reden und dann langsam den Nazi hinter der Fassade suchen. Es geht um nichts anderes. Das der Mensch aber Erfahrung gesammelt hat, die man vielleicht nicht vielleicht so übersetzen kann: 'Integration ja, aber keine Ghetto Kultur', das sagt man nicht. Mir ist das auch eigentlich egal, aber ich finde man sollte doch sachlich sein, aber ich glaube, dass wir jetzt eine Serie von AFD = Nazi sehen werden. Die Wahrheit bleibt da auf der Strecke und die Gefahr dabei ist doch das man wieder mit dem Unwort Lügenpresse antwortet. Also einfach sachlich bleiben und keine Angst vor der AFD, die werden schon selber ins Fettnäpfchen steigen, auch ohne SPON.
5.
mwroer 22.01.2016
Zweimal in Afghanistan, kennt also vermutlich mehr Kultur und Menschen als jeder zweite Politiker in Deutschland aus erster Hand. Und wer so lange als Bundeswehrsoldat dient den kann man dann nicht einfach so in dumpfe rechte Ecke packen - vielleicht ist dass auch das eigentliche Problem der Grünen und der SPD? Da sitzt ein völlig normaler Typ, Offizier, der sein land verteidigt hat und der sehr wahrscheinlich mehr vom Islam gesehen hat als der Rest der Runde zusammen. Taugt nicht als Opfer, also sagt man ab?
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