Delegierten-Chaos AfD-Spitze sagt Parteitag in Kassel ab

Der AfD-Bundesvorstand hat entschieden, den für den 13. Juni geplanten Delegierten-Parteitag in Kassel abzusagen. Ende Juni soll eine außerordentliche Versammlung stattfinden - dann darf die Basis kommen.

Bernd Lucke mit Vorstandskollegin Frauke Petry: Sie wollen nicht mehr miteinander
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Bernd Lucke mit Vorstandskollegin Frauke Petry: Sie wollen nicht mehr miteinander


Eigentlich wollte die AfD am 13. Juni in Kassel zu ihrem Bundesparteitag zusammentreffen. Doch dazu wird es nicht kommen - die Bundesspitze hat am Dienstag in einer Telefonkonferenz entschieden, die Versammlung kurzfristig abzusagen - "aufgrund der juristischen Bedenken des Bundesschiedsgerichts". Stattdessen soll es voraussichtlich Ende Juni einen außerordentlichen Mitgliederparteitag geben.

In Kassel sollten die Delegierten der AfD tagen. Doch das Bundesschiedsgericht der Partei hatte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl der Delegierten angemeldet. Die Bedenken richten sich unter anderem gegen die Delegiertenaufstellung in Nordrhein-Westfalen, Hessen und im Saarland.

In Kassel sollte nach der bisher gültigen Satzung eine AfD-Doppelspitze gewählt werden, im Gespräch war noch zu Jahresbeginn das Duo Bernd Lucke und Frauke Petry. Doch beide haben vergangene Woche erklärt, nicht mehr zusammenarbeiten zu wollen. Derzeit besteht die Führung der Partei, die sich vor rund zwei Jahren gründete, aus den drei gleichberechtigten Vorstandssprechern Lucke, Petry und Konrad Adam.

Lucke hatte kürzlich einen Verein unter dem Namen "Weckruf 2015" ins Leben gerufen, mit dem er sich gegen den rechtskonservativen Flügel um Petry, Adam und die Landesvorsitzenden von Brandenburg und Thüringen, Alexander Gauland und Björn Höcke, in Stellung brachte.

Luckes Chancen sahen zuletzt eher schlecht aus, da er unter den Delegierten weniger Rückhalt haben soll als Petry, wie aus Parteikreisen zu hören war. Dies könnte sich nun ändern: Lucke ist bei den Mitgliedern der Partei immer noch populär. Allerdings bleibt abzuwarten, inwieweit Petry ihre Anhänger mobilisieren kann. Lucke-Unterstützer und Europaabgeordneter Hans-Olaf Henkel hatte sich zuvor für einen Mitgliederparteitag stark gemacht.

Eigentlich sollte die neue Doppel-Führungsspitze der AfD bereits im April gewählt werden, doch dann wurde der Parteitag im Februar verschoben. Beim vergangenen Bundesparteitag in Bremen waren rund 1800 Teilnehmer der AfD-Basis erschienen, es mussten zwei Hallen angemietet werden, die per Videoschaltung miteinander verbunden waren. Intern wurden für den Bremer Mitgliederparteitag bisher Kosten von rund 300.000 Euro veranschlagt.

heb

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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
angst+money 02.06.2015
1. Bitte mehr!
Das deutsche Griechenland
friedrich_eckard 02.06.2015
2.
So habe ich mir eine "Alternative für Deutschland" immer schon vorgestellt - heilix Blechle! Ob die Teebeutelz es jetzt wohl schaffen, auf dem "Mitgliederparteitag" ihre Differenzen wenigstens ohne Schusswaffengebrauch auszutragen? Jedenfalls sollte die Polizei am Tagungsort auf einiges vorbereitet sein... Bevor aber wieder jemand mit Vergleichen zur Frühphase der GRÜNEN kommt - da war ich aktiv beteiligt und kann als Zeitzeuge ein wenig mitreden; und wahrlich, ich sage Euch: so etwas haben sie in ihren chaotischsten Anfangstagen nicht zustandegebracht, da waren sie geradezu ein Muster an preussischer Disziplin dagegen.
testi 02.06.2015
3. Sehr gut
Hoffentlich sages die noch mehr Parteitage ab, am besten alle.
wahrsager26 02.06.2015
4. AfD
die ewige Streiterei ist unerfreulich-die AfD nimmt sich so ziemlich jede Chance,Kapital aus der Griechenlandkrise zu schlagen....ich hätte erwartet,dass uns deren Wirtschaftler die Schweinereien der EU erläutern und Wege aufzeigen-Stattdessen: Nichts!!!Danke
derBob 02.06.2015
5. Albern für Deutschland
Woraus meinen die eigentlich die Fähigkeit ableiten zu können, die Zukunft Deutschlands gestalten zu können, wenn sie noch nicht einmal in der Lage sind, eine kleine Partei zu organisieren.
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