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Führungsstreit bei der AfD: Aufstand gegen Luckes Chef-Pläne

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AfD-Vorstandssprecher Lucke (r.), Brandenburgs AfD-Chef Gauland (l.): Ärger um neue Struktur Zur Großansicht
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AfD-Vorstandssprecher Lucke (r.), Brandenburgs AfD-Chef Gauland (l.): Ärger um neue Struktur

AfD-Vorstandssprecher Lucke will die Parteiführung straffen. Künftig soll es einen Chef und einen Generalsekretär geben. Doch es gibt massiven Widerstand - unter anderem vom AfD-Vize Gauland.

Berlin - Die AfD konnte zuletzt bei der Europawahl und drei ostdeutschen Landtagswahlen einen Erfolg nach dem anderen einfahren. Doch der Siegeszug wird eingetrübt - und das kurz vor der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft, bei der die Partei Mitte Februar erstmals in ein westdeutsches Landesparlament einziehen will. Denn Bernd Lucke, der heimliche Chef der Eurokritiker, will der Alternative für Deutschland (AfD) per Satzungsänderung eine neue Struktur an der Spitze vorschlagen.

Künftig soll es statt der drei gleichberechtigten Vorstandssprecher - Bernd Lucke, Konrad Adam und Frauke Petry - nur noch einen Parteichef und einen Generalsekretär geben. Lucke selbst will den Posten des Vorsitzenden übernehmen.

Doch mit seinem Plan stößt der beurlaubte Professor für Makroökonomie, der die Partei in vielen Talkshows verkörpert, auf deutlichen Widerstand in den eigenen Reihen. Nun stellt sich auch der Landeschef der AfD in Brandenburg und AfD-Vize, Alexander Gauland, gegen Luckes Vorstellungen.

Zu SPIEGEL ONLINE sagte Gauland am Dienstag. "Mir geht es nicht um die Frage, ob wir drei oder zwei Vorstandssprecher haben. Was ich aber nicht will, ist einen einzigen Vorsitzenden plus Generalsekretär an der Spitze der AfD. Darüber bin ich mir mit Herrn Adam und Frau Petry einig." In der Partei, so das frühere CDU-Mitglied, gebe es nun einmal unterschiedliche Positionen. "Und die sollten auch an der Spitze durch unterschiedliche Personen vertreten sein", so der ehemalige Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Gauland räumte zudem ein, in der Frage einer Satzungsänderung seine Position geändert zu haben.

Gaulands Wort hat in der Partei Gewicht - schließlich erreichte sein Landesverband aus dem Stand heraus im Herbst bei den Landtagswahlen 12,2 Prozent, so viel wie die AfD bisher noch in keinem anderen Bundesland erzielte.

Der Ärger über Luckes Plan schwelt schon seit längerem. Auf dem Bundesparteitag in Erfurt war er im März damit nicht vorangekommen, ein entsprechender Tagesordnungspunkt wurde vertagt. Er hielt dennoch an seiner Idee fest - und will es nun auf dem Bundesparteitag Ende Januar in Bremen erneut versuchen.

Das aber sorgt intern für Unmut. Bereits am Wochenende hatte die sächsische Landesvorsitzende und Vorstandssprecherin Petry im SPIEGEL gegen Luckes Plan opponiert und erklärt: "Es ist wichtig, dass an der Spitze einer Partei unterschiedliche Führungsstile vertreten sind". Und: "Die AfD darf keine One-Man-Show sein."

Petry erklärte nun gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwochsausgabe): "Ich trete nicht gegen Bernd Lucke an, wenn es zukünftig nur einen Vorsitzenden geben soll." Er sei unangefochtene Nummer eins an der Spitze der Partei und das Gesicht der AfD. Sie selbst wäre in der nächsten Führung aber "gerne wieder mit dabei, wenn es zwei oder drei Sprecher an der Spitze geben soll".

Lucke verärgert mit seinem FAZ-Interview

Lucke wiederum hatte am Montag in einem längeren Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) indirekt mit seinem Rückzug gedroht, sollte sein Vorschlag einer Satzungsänderung nicht durchkommen. Bei drei Vorsitzenden sei der Koordinationsbedarf zu hoch. "Tatsächlich geht es darum, dass ich entlastet werden muss von dem erdrückenden Arbeitspensum", so Lucke. Er machte auch klar, dass er sich noch nicht entschieden habe, ob er im kommenden Jahr erneut für einen der Sprecherposten kandidieren werde. Er wolle ab und zu auch mal wieder "Zeit für meine Familie" haben. "Vielleicht bieten sich andere Führungspersönlichkeiten an", so Lucke.

Das Interview hat Teile der AfD-Führung gegen Lucke aufgebracht:. "Wir müssen jetzt darangehen - das sage ich ganz deutlich - diese One-Man-Show Schritt für Schritt zurückzubauen", sagte Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke am Dienstag zu dpa.

Die Partei steht, wieder einmal, in ihrer jungen Geschichte vor einer Zerreißprobe. Brandenburgs AfD-Landeschef Gauland betonte zwar im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Wir alle wollen Lucke behalten." Zugleich stellte der Fraktionschef der AfD im brandenburgischen Landtag aber auch fest: "Herr Lucke hat sich mit seinen Äußerungen in der FAZ ziemlich weit hinausgewagt. Wie man davon wieder herunterkommt, das weiß ich auch noch nicht."

Mit Material von dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1.
Kampfdenker 25.11.2014
In aller Bescheidenheit muss ich anmerken,dass über die Satzung die Mehrheit der Partei beschliesst - und auch in dieser sind die Meinungen geteilt.-
2. Ja es ist ein Kampf der Flügel.
kappelc 25.11.2014
"Die Partei steht, wieder einmal, vor einer Zerreißprobe" - Das ist ja laut unseren Medien nichts Neues. Wahrscheinlich wird das auch in ein paar Jahren noch gesagt werden. Ja es ist ein klarer Flügelkampf innerhalb der AfD, das steht vollkommen außer Frage. Aber mein Gott solche Flügelkämpfe gibt es in jeder gesunden Partei. Die Grünen hatten erst wieder einem am letzten Wochenende. Und die SPD-Linke ist auch gern auf Krawall aus. Man sollte also nichts verniedlichen aber auch nichts überdramatisieren. Man wird sehen wohin die Reise geht. Eine FDP 2.0 wünsche ich mir aber ganz sicher nicht!
3. Es mag sein, dass in der Partei die Meinungen ....
kenterziege 25.11.2014
.....über das Vorhaben von Lucke geteilt sind. Aber die meisten Mitglieder - nicht Wähler - kommen aus einem Wirtschaftsmilieu, in dem EINER an der Spitze ist. Diese oft aus gender-politischen Einstellungen heraus vorhandenen Doppel- oder Dreifachspitzen sind doch Murks. Hier geht es doch Gauland und Frau Petry nur um eine "offizielle" Relativierung ihrer Macht. Tatsächlich ist Lucke das Gesicht der Partei. Lucke würde immer die meisten Stimmen auf sich vereinigen können. Wenn Gauland und Petry, die sich ja ihren Vorsitz in Sachsen auch nicht teilt, etwas für die AfD tun wollten, dann sollten sie im Sinne der Geschlossenheit Luckes Vorschlag unterstützen. Sie könnten sich dann ja sogar für das alleinige Spitzenamt zur Wahl stellen. Das wäre überzeugend. Und was SPON betrifft - ich bin Parteimitglied der ersten Stunde im Rheinland. Von Aufstand ist nichts zu bemerken! Das Wort brauchte man wohl für eine Klick-bringende Überschrift!
4. Der Niedergang schreitet voran...
robl67 25.11.2014
...und selbstverständlich machen die AfD-Jünger vermutlich wieder die "links-grünen Hetzmedien" im Schulterschluss mit den "Blockparteien von CDUCSUGRÜNELINKEFDP" verantwortlich. Natürlich finden auch bei anderen Parteien Flügelkämpfe statt, aber im Unterschied zur AfD werden diese allesamt (nimmt man die Linken vielleicht einmal aus) zu unterschiedlichen Ansichten innerhalb des demokratischen Meinungsspektrums ausgetragen. Bei der AfD kämpft die Fraktion der Wirtschaftskonservativen gegen ein immer undurchsichtigeres Geflecht von Verschwörungstheoretikern, Modernisierungsverweigerern, Demokratieskeptikern und Nationalisten. Man kann es drehen oder wenden, wie man will: Aus einem Potenzial von 4% Wirtschaftskonservativen und 4% Protestwählern lassen sich nur kurzfristig 8% erreichen
5. Da muss Lucke jetzt durch - Viel Glück !
diehoffnungstirbtzuletzt 25.11.2014
Den Führungsanspruch kann man nur einmal stellen und dann muss man durch den Schlamm gehen. Die Anderen sollen doch einmal realistisch sein, die sehen sich nicht richtig. Können Lucke ja zuarbeiten und unterstützen in den Randgebieten wie Ampelmännchen, Gender, Quote usw.. Bei EU, Euro, Verschuldung, Dempgraphie sollte Lucke als Chef einfach das Sagen haben. Wenn er auf dem Parteitag die Frage stellt, bekommt er die Stimmen. Wer denn sonst?
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