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Ärger in der AfD: Petry in der Lucke-Falle

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AfD-Vorstandssprecherin Petry: Droht die Isolation im Bundesvorstand Zur Großansicht
AFP

AfD-Vorstandssprecherin Petry: Droht die Isolation im Bundesvorstand

AfD-Chefin Frauke Petry irritiert ihre eigene Partei - zuletzt mit verwirrenden Aussagen über die Vorfälle von Clausnitz. Im Bundesvorstand wird sie zunehmend infrage gestellt.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Anfang der Woche saß Frauke Petry in einer Sendung von "Phoenix". Irgendwann ging es im Gespräch mit dem Grünen-Politiker Volker Beck auch um die Vorfälle in Clausnitz, bei denen eine brüllende Menge einen Bus mit Flüchtlingen gestoppt hatte. Die AfD-Vorstandssprecherin, zugleich auch Landes- und Fraktionschefin in Sachsen, machte ein überraschendes Eingeständnis. "Es ärgert mich, dass so etwas in Sachsen passiert, zumal wenn eigene Mitglieder beteiligt sind", sagte sie.

Zwei Tage später korrigiert sich Petry, spricht von einer "eingehenden internen Prüfung" und davon, dass "Medienberichte" über eine Teilnahme von AfD-Mitgliedern in dem sächsischen Ort "unzutreffend" seien.

Dabei hatte Petry selbst durch ihre Bemerkung erst auf das Thema aufmerksam gemacht und Teile der AfD-Führung irritiert. In der Parteispitze rumort es seit Längerem. Oft geht es dabei nicht um inhaltliche Positionen in der rechtspopulistischen Partei. Petry wird vor allem eigenmächtiges Verhalten vorgeworfen, sie spreche sich nicht ab, lautet einer der Vorwürfe.

Offen kritisieren will Petry in der Führungsriege im Augenblick niemand. Die Partei konzentriert sich auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz am 13. März, sie liegt dort in Umfragen zum Teil zweistellig und will ihren Erfolg nicht durch interne Querelen gefährden.

Trotzdem ist aus der AfD zu hören, dass nach den Landtagswahlen Petrys Verhalten im Bundesvorstand zur Sprache kommen dürfte. Einen Sturz aber scheint sie gegenwärtig nicht befürchten zu müssen.

Co-Chef Meuthen als Leidtragender

Petrys Agieren erinnert zunehmend an ihren Vorgänger Bernd Lucke. Auch das Gründungsmitglied der AfD, das nunmehr mit Alfa seine eigene Partei führt, hatte oft im Alleingang agiert. Das führte zu Unmut in der Führung, auch bei Petry, die einst beklagte, die Partei dürfe unter Lucke nicht zur One-Man-Show werden. Nun droht ihr möglicherweise dasselbe Schicksal. Im Bundesvorstand, so ist zu hören, sei sie zunehmend isoliert. Immer wieder erfahren Vorstandsmitglieder aus den Medien von Petrys Soloaktionen.

Als sie jüngst in einem Interview anmerkte, ein deutscher Grenzpolizist "muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen", fasste der Bundesvorstand einen Beschluss: Die AfD lehne es "strikt ab, dass auf Menschen geschossen wird, die friedlich Einlass in das Bundesgebiet begehren".

Leidtragender ist auch ihr Co-Vorsitzender Jörg Meuthen, Landeschef in Baden-Württemberg. Der Professor der Volkswirtschaft gilt als Moderater in der AfD: Nach Petrys Schusswaffen-Äußerungen sprach er von einem "Paradebeispiel unglückseliger Kommunikation". Er sagte aber auch, Petry hätte sich gar nicht äußern müssen, weil die Rechtslage völlig klar sei.

Gestörtes Verhältnis zu Teilen der Partei

Das Verhältnis Petrys zu Teilen der eigenen Partei ist seit Längerem gestört. Vor allem die Verbindung zu ihrem Lebensgefährten Marcus Pretzell, die sie im Herbst vergangenen Jahres öffentlich gemacht hatte, droht ihre Position an der Spitze zu belasten. Unterkühlt wurde auf dem Bundesparteitag in Hannover die Teilnahme des Paares am Bundespresseball aufgenommen. Petry rechtfertigte sich - politische Präsenz sei notwendig, ob im Ballsaal, Kreißsaal oder Hörsaal.

Als Pretzell jüngst auf seiner Facebookseite den "Welt"-Journalisten Günther Lachmann beschuldigte, sich der AfD als Medienberater angedient zu haben und dieser seinen Job bei der Zeitung verlor, wurde das in Teilen des Bundesvorstands als Affront aufgefasst. Manche vermuteten dahinter auch Petry. Vize-Chef Gauland wurde deutlich: Pretzell habe über "vertrauliche Gespräche" in der Öffentlichkeit gesprochen und einen Journalisten damit "beruflich vernichtet".

Pretzell, der auch Europaparlamentarier ist, gilt vielen in der AfD als unberechenbar. Jüngst hatte er zur Überraschung von Führungsmitgliedern eine Veranstaltung mit dem Vorsitzenden der österreichischen FPÖ, Heinz-Christian Strache organisiert und damit auch ein politisches Signal gesetzt. Denn die FPÖ ist im Europaparlament mit dem Front National aus Frankreich Teil der ENF-Fraktion, die deutlich weiter rechts steht als die konservative EKR-Fraktion, der die AfD angehört.

Auf dem Podium in Düsseldorf saßen zwei AfD-Politiker: Pretzell und Petry.


Zusammenfassung: Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat ihre Aussage korrigiert, wonach an der Demonstration gegen Flüchtlinge in Clausnitz auch AfD-Mitglieder beteiligt waren. Der Vorgang verschafft Petry neuen Ärger in der Partei - seit Längerem gibt es Unmut über ihre Alleingänge. Sie erinnert zunehmend an ihren Vorgänger Bernd Lucke, der sich zunächst isolierte und dann die Partei verließ.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Das über
baba01 24.02.2016
diese fürchterliche Frau und ihre unerträgliche Partei überhaupt berichtet wird - STOPP - wer die Diskussion in Phoenix verfolgt hat, diese dümmlich grinsende Frau erlebt hat und ihre Argumente verfolgt, kann doch nicht ernsthaft eine solche Partei wählen. Wenn ich dann noch bedenke, dass es noch schlimmere und üblere Lügner/innen in dieser "Partei" gibt.. einfach nur FÜRCHTERLICH.
2. Man weiß...
lövgren 24.02.2016
... ja aus der Soziologie, dass in Deutschland ein latent rechtsextremer, fremdenfeindlicher und rassistischer Anteil von 10 % der Bevölkerung leben. Richtig deutlich ist das geworden, als aus der 1,5 % Einthemengruppierung nach Zusammenarbeit mit Pegida und NPD eine 10 % Einthemengruppierung geworden ist, nachdem sich die Führer immer noch weiter in die Rechtsextreme Phraseologie vorgewagt haben und jetzt austesten, wie weit der rechtsextreme Wähler mitläuft und ab welchem Duktus man die Ränder rechts und rechtsradikal verliert. Dass die braunen Wähler diesen Selbstversuch so brav mitmachen, hätte ich so nicht geglaubt. Aber das braune im Kopf schaltet dann doch zunehmend das Hirn aus, was zuletzt bei der Erklärung von Storch, dass ihre rechtsextremen Ausfälle durch Mausrutscher enstanden sind, ihren Satire-Gipfel erreicht hat. Jetzt auch noch der Test mit dem offen rassistischen und Profihetzer Strache, ob man sich auch in Europa mit den extrem Rechten verbünden kann, ohne hier an Zustimmung zu verlieren. Bei jeder anderen Partei hätte so ein Verhalten zu massiven Zustimmungsproblemen geführt, nicht so bei der AfD/Pegida/NPD. Da gibts für Soziologen noch viel zu erforschen.
3. Der rechte Rand kennt nun mal nur ein Organisationsmodell
Bono Beau 24.02.2016
also eher so: Führermodell. Dumm nur, das der Führer meistens ein anderer ist. Da hilft dann nur der Putsch beizeiten. Wenn ich daran denke, wieviel inhaltliche Substanz nötig war, um aus den Grünen eine "echte" Partei zu machen - ja, wo soll`s denn herkommen? Bisher ist kein Führer in Sicht. Wünsche daher gemütvolles Zerbröseln.
4. Glaubt eigentlich irgendjemand....
trader_07 24.02.2016
Glaubt eigentlich irgendjemand, diese grandios Gescheiterte (Privat- und Firmeninsolvenz) könne vernünftige Politik für 80 Millionen Menschen machen? Vielleicht sollte Frau Petry erst einmal ihr eigenes Leben auf die Reihe bekommen.
5. ...
peteftw 24.02.2016
Es geht in der AfD weniger um Köpfe als um Themen. Die AfD wird (noch) nicht aufgrund von besonders hervorstechenden Persönlichkeiten gewählt. Es geht den meisten Wählern wohl darum, den von Frau Merkel eingeschlagenen Kurs (Flüchtlingspolitik, Euro, TTIP, usw) mit ihrer Wahl zu ändern.
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